Historische Gesellschaft Wädenswil
Quelle: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 2019 von Mariska Beirne
1461 Personen besuchten die Ausstellung im Frühjahr 2019.
Auf der zwölf Quadratmeter grosse Landkarte des neuen Gemeindegebiets liess sich einiges entdecken.
Führung durch die Herstellung von Tirggeln in Schönenberg.
Einen der Höhepunkte stellte die Veranstaltung «Geheimnisvolle Geschichten sagenhaft erzählt» dar: Am Abend des 14. Februar zogen Vorleserin Michaela Wendt und der Musiker Julian Sartorius mit Stimme und Klängen 44 Personen in ihren Bann und entführten sie in die schaurige Sagenwelt der Berggemeinden. Im Freien fand die Veranstaltung: «Pulverdampf im Grenzgebiet» statt, ein Spaziergang auf den Spuren der Villmergerkriege. Michael D. Schmid und Mark Dressler führten die Besuchenden von der Sternenschanze in Samstagern zur Laubegg hoch und schliesslich zur Hüttnerschanze. Anhand der Karten und Erzählungen erschien der Kriegsverlauf unversehens zum Leben erweckt.
Die schaurige Sagenwelt der Berggemeinden: Michaela Wendt (rechts) und Julian Sartorius.
Eine weitere gut besuchte Führung im Freien trug den Titel «Auf dem Sitz der Freiherren von Wädenswil». Adrian Scherrer entführte die rund 50 Teilnehmenden an einem sonnigen Frühlingstag auf dem Areal der Burgruine ins Mittelalter. Anhand der Mauerreste erklärte er lebensnah die Baugeschichte der Burg, die gleichzeitig viel über die einstigen Bewohner verrät – die Freiherren von Wädenswil und die Johanniter.
Auf der Burgruine wird die gemeinsame Geschichte von Wädenswil, Schönenberg und Hütten erfahrbar.
Der Fundus erhält mehr Platz
Gast an der Generalversammlung im April war der Historiker Dr. Michael von Orsouw, der über gekrönte Häupter in der Schweiz berichtete. Nicht über Schwingerkönige oder Zirkusprinzen, sondern über echte Blaublütler, die zwischen 1780 und 1950 in der Schweiz geweilt hatten: Im Exil, in den Ferien, um ihr Burnout auszukurieren oder weil sie hier verunfallt oder ermordet worden waren. Sein Vortrag war eine Vorpremière auf sein Buch «Blaues Blut: Gekrönte Häupter in der Schweiz», das im August 2019 erschien.
Seit ihrem Bestehen betreut die HGW ehrenamtlich den städtischen historischen Fundus. Dieser bestand ursprünglich aus den Objekten des ehemaligen Ortsmuseums
«Zur hohlen Eich». Seit der Gründung der HGW verzeichnet er jedoch jährliche Neuzugänge. Neue Objekte sollen historische Veränderungen, innovative Entwicklungsschritte und geschichtliche Zäsuren der Stadt Wädenswil darstellen und veranschaulichen. Es kann sich dabei auch um gewöhnliche Alltagsgegenstände handeln, etwa wenn sie im Besitz einer Wädenswiler Persönlichkeit, Familie oder aus einem Wädenswiler Unternehmen stammen und auf diese Weise ihre eigene Geschichte erzählen.
Mehr Platz für den städtischen Fundus: Die HGW erhielt einen neuen Raum beim Schulhaus Gerberacher.
Ausblick 2020: Ein Blick durch die Kameralinse
Zeitgleich mit der Eröffnung der Ausstellung 2019 begannen schon die Vorbereitungen für die Ausstellung 2020 mit dem Titel «Abgelichtet – Wädenswil auf Foto und Film». Kuratiert wird sie wiederum von Christian Winkler, neu unterstützt von Co-Kuratorin Leonie Ruesch. Fotografieren gehört heute zum Alltag von fast jedermann. So rasch, wie ein Bild geknipst ist, ist es auch schon an Bekannte verschickt. Einst standen die Porträtierten jedoch lange still, bis der eigens engagierte Fotograf das Bild im Kasten hatte. Oft war das Foto inszeniert und man trug dazu Sonntagskleidung. Bis die Fotografierten die Aufnahme schliesslich zu Gesicht bekamen, dauerte es meist mehrere Tage. Motive aus Wädenswil wurden ab Ende des 19. Jahrhunderts immer häufiger fotografisch festgehalten. Sie zeigen Häusergruppen, Porträts und Familien, besondere Ereignisse, Freizeitaktivitäten und das Berufsleben. Ab Mitte des 20. Jahrhunderts besassen immer öfter auch Private einen Fotoapparat und dokumentieren Aussergewöhnliches und Alltägliches – ein neues Hobby entstand. Aus der neuen Technik entwickelte sich auch der Film, bei dem eine Vielzahl von Fotografien aneinandergereiht wird. Im Sommer 1926 entstanden die ältesten noch erhaltenen Filmaufnahmen von Wädenswil. Sie zeigen das interkantonale Radsportfest. Der Film- und Kinopionier Willy Leuzinger hielt den Umzug, die Festredner und die Preisverleihung auf 16-Millimeter-Film fest. Die Vielfalt an Fotografien zu Wädenswil ist gross. Aber auch das historische Filmmaterial, oft von Hobbyfilmern erstellt, birgt noch weitgehend unbekannte Schätze. Einige davon konnten zuletzt im Rahmen eines Projekts digitalisiert werden. Die Ausstellung «Abgelichtet – Wädenswil auf Foto und Film» wird zum Eintauchen in das fotografische und filmische Erbe Wädenswils einladen. Sie wird von Januar bis April 2020 in der Kulturgarage zu sehen sein.
Mariska Beirne
Präsidentin Historische Gesellschaft