Er verkaufte deshalb das gut gehende Geschäft an eine Grossistenfirma und befasste sich in der Folge mit der Entwicklung und Fabrikation von Skiwachs. Mit diesen Produkten, die mit seinen sportlichen Tätigkeiten zusammenpassten, erzielte er gute Erfolge. Die A 21 und A 24 waren damals bekannte Marken im Sporthandel. Im weiteren testete er das Wachs auf ausgedehnten Skitouren. Auch an Armee-Patrouillenläufen mit seinen Innerschweizer Dienstkameraden beteiligte er sich. Als er sich einmal mit einem Mitläufer über Wachs und andere Probleme unterhielt, kam von hinten der Ruf «läufen, läufen, Herr Oberlütnant, nüd eister schnurren». Das Wachs wurde in den geräumigen Kellerräumen der Bernburg mit einfachen Mitteln hergestellt. Daneben war dort immer noch für fröhliche Gelage genügend Platz, welche oft nach Polizeistunde zur Fortsetzung angeregter Dispute benützt wurde. Diese Debatten genoss Paul über alle Massen, und mit seinem Witz und ergötzlichen Einfällen war er der beliebte Mittelpunkt. Wenn er am Samstag-Abend zur gewohnten Runde im
«Du Lac»,
«Engel»,
«Rössli» oder
«Schwanen» auftauchte, wusste jedermann, jetzt läuft etwas. Es würde zu weit führen, von allen seinen Einfällen zu berichten. Hier nur einige Beispiele:
Als nach einer Feuerwehrübung ein in Wädenswil niedergelassener Liechtensteiner mit seinem Seebubentum grosstat, behauptete er: «Du chasch ja nüd emal rächt schwüme». Nach eifriger Diskussion wurde eine Wette abgeschlossen, wer schneller durch das Hafenbecken schwimmen könne. Es war Winter und demnach recht kalt. Paul sprang in voller Feuerwehrmontur kopfvoran ins Wasser und war am anderen Ende, als sein Kontrahent noch kaum im Wasser war. In der
«Krone» wurde dann innen und aussen richtig aufgewärmt.
Eine andere Wette wurde mit einem kräftigen Mann eingegangen, der sich damit brüstete, jedem Muneli (Stier) an den Hörnern den Kopf abzudrehen. Paul widersprach und ging folgende Wette ein: Wenn er verliere, bezahle er den Preis zwischen Lebend- und Totgewicht des Tieres. Der Gegenspieler habe als Verlierer die Zeche des Abends zu berappen. Mit grosser Erwartung zog die ganze Gesellschaft zur Brauerei-Scheune, in der die beiden Gemeindestiere, mit denen damals der Kehricht eingesammelt wurde, eingestellt waren. Trotz gewaltiger Anstrengung machte das Tier keinen «Muggs», und die Wette war entschieden.
Als der Schah von Persien in der
«Eichmühle» einkehrte und für Gesprächsstoff am runden Tisch im «Du Lac» sorgte, rief Paul um Mitternacht den bekannten Coiffeurmeister Raible an und forderte ihn auf, so rasch als möglich im «Du Lac» zu erscheinen, der Schah wünsche, sich von einem erstklassigen Meister rasieren zu lassen. Raible erschien prompt mit seinem Köfferchen und wurde mit Hurra empfangen. Zum Trost liess sich Paul auf dem Billardtisch rasieren, und Raible macht gute Miene zu diesem Spiel.
Als nach der Polizeistunde vom «Schwanen» in das «Du Lac» berichtet wurde, Polizeikorporal Schlatter sei auf Bussenrunde, brach man schleunigst auf. Paul protestierte «Ir Hösi wänd doch nöd vor em Schlatter devoolaufe, jetzt bliibed mer und wenn er chunt, singed mer im Chor ‘Paulus schrieb an die Galater, de schönschti Polizischt, das isch de Schlatter’. Beim Betroffenen soll dies nach unbestätigten Berichten einen Schock ausgelöst haben.
Im Jahre 1949 wurde im
Rosenmattpark das Freilichtspiel «D Stäckliherre» aufgeführt. Der Landvogt war die Rolle für Paul Hürlimann. Er fuhr mit seiner Kutsche vor die Bühne und entstieg ihr als der perfekte Landvogt. Ich spielte mit dem
Kavallerieverein die bescheidene Rolle des Leutnant Blattman und seiner Truppe. Paul brachte mich im Spiel gerne in Verlegenheit mit Fragen oder Bemerkungen, die nicht im Text vorgesehen waren. Als beim ersten Auftritt die Pferde in der ungewohnten Umgebung aufgeregt waren, gelang dem Trompeter kein Trompetenstoss. Paul fragte mich: «Chan dänn diin Trompeter nöd blaase?» Worauf ich erwiderte: «Blaase scho, aber nöd riite». Nach dem Auftritt mit meinem Reitertrupp ging’s jeweils ab zum Bügeltrunk in die Dragoner-Stammbeiz «Schwanen». Bei dieser Gelegenheit stiess an einem Abend der «Landvogt» zu uns. Unsere «Eidgenossen» wurden von zwei Pferdehaltern vor dem Wirtshaus betreut. Paul kam in seiner Landvogtmontur herein und herrschte uns an: «Ir hocked gmütli do ine und d Ross lönd er dusse, nämets doch wenigschtens au ine». Und schon wurden unsere Rösser, zum Schrecken der braven Wirtin, in die Gaststube geführt. Bis sie dann in der engen Gaststube gedreht und wieder draussen waren, entstand doch ein rechter Wirbel.
Es war nicht das einzige Mal, dass unsere Wirtin, trotz Verständnis für unsere Streiche in helle Aufregung geriet. Nach einem Feldschiessen wurden im
«Schwanen» die Schützenkönige gefeiert. Anwesend war der kantonale Schützenmeister. Paul geriet mit ihm in ein Wortgefecht über das Schiesswesen. Er fand, es nütze der Kriegsvorbereitung gar nichts, wenn vor jeder Schussabgabe sieben Mal tief ein- und ausgeatmet werde, vielmehr sollte die schnellentschlossene Schussabgabe geübte werden. Den Worten folgte eine Demonstration; Ziel Aufschrift «KEGELBAHN», vom B mittlerer Querbalken, Karabiner stehend im Anschlag, Schuss, getroffen. Das hinter dem «B» die Hauptwasserleitung in der Wand durchführte, war in der Demonstration nicht vorgesehen, hatte aber die verheerende Wirkung, dass sich ein kräftiger Wasserstrahl in die Wirtsstube ergoss und den Pegelstand sichtlich ansteigen liess, bis nach langer Suche der Hausmeister Meier den Haupthahn schliessen konnte. Inzwischen stellte man die Stühle auf die Tische und debattierte dort oben weiter.