Ob Sie folgende Frau kennen, ist nicht so ganz sicher, bestimmt aber dem Namen nach ihren Mann. Auch sein Gesicht ist Ihnen vielleicht bei einem Spaziergang durch den Rosenmattpark schon begegnet, zwar aus Stein gehauen, dafür bei jedem Wetter anwesend: Bundesrat Walther Hauser. Diese Eheleute waren die Schwiegereltern des einen Sohnes der Elisabeth Weber-Hauser, des Franz Weber, welcher bereits 1923 verstorben ist.
Diese Frau nun ist Sophie Hauser-Wiedemann, Frau Bundesrat, wie sie in der Trauerrede von Pfarrer Ryser in Zürich genannt wird. Auch sie ist Zeitgenossin einiger der ausgewählten Frauen. Ihr Leben sei reich gewesen, reich nicht nur an Jahren, sondern vor allem an Inhalt. Sogar Urenkel durfte sie erleben. Reichtum nicht nur an Glück, sondern auch an Unglück. Das Schöne sei vorweggenommen: Das Elternhaus sei schön gewesen, die Ehe glücklich, die Kinder lieb, ihre Stellung in der Gesellschaft angenehm, der Lebensabend lang und friedlich.
Aus ihrer Jugend ist bekannt, dass noch neun Geschwister da waren, dass die Jugend ungetrübt war. Was dies heissen mag? Materielles Glück? Dass Sophie trotz neun Geschwistern nie Hunger und Not leiden musste? Oder dass sie in Angriff nehmen durfte, was ihr gefiel? Oder dass sie als ältere Schwester den Kleineren eine Zusatzmutter sein durfte? Natürlich wird darüber nichts ausgesagt. Solange nichts Verbrecherisches, Hirnverbranntes oder sonst Neumodisches geschieht, braucht man aus der Jugend (auch aus der Jugend bedeutender Männer) nichts zu berichten. Eine Jugend haben ja alle hinter sich. Wir wissen schliesslich alle ganz genau, was eine ungetrübte Jugend zu sein hat!
Die Krönung dieser herrlichen Zeit nun bedeutete die Hochzeit. Als Zwanzigjährige ging Sophie die Ehe mit dem Herrlichsten ein. Ihr Mann, der spätere Bundesrat, war nur gerade acht Jahre älter als sie. Immer noch weiter sei Sophies Glückssonne gestiegen: fünf Töchtern durfte sie das Leben schenken. Die Liebe ihrer Kinder, des Ehegatten und all dessen Ehren hätten Sophie umgeben und auf sie abgefärbt. Das wohl als Trost dafür, dass sie 1888 von Wädenswil weg nach Bern umziehen musste, herausgerissen aus ihrem vertrauten Familien- und Bekanntenkreis, mit 43 Jahren, im Alter, da Elisabeth Weber eben selbständig die Brauerei führen musste? Die Ehren, welche ihrem Gatten zuteil wurden, hätten auf Sophie zurückgestrahlt.