Wie freute man sich früher auf Festtage, beispielsweise auf Ostern! Bei schönem Wetter blieb niemand zuhause. Durften Kinder gar mit ihren Eltern Dampfschiff oder Eisenbahn fahren, waren sie überglücklich. Aber auch ein Spaziergang zählte – vor allem wegen des Nussgipfels und der Limonade, die man unterwegs im Wirtshaus genoss – zu den Jugendfreuden. Einen alten Osterbrauch gilt es zu erwähnen, der heute – um 1950 – fast ganz verschwunden ist: das Eiertütschen in der Öffentlichkeit. Über Ostern war in Wädenswil der
Hirschenplatz der Tütschplatz. Bevor man sich ins Tütsch-Duell einliess, klopfte man mit seinem Ei gegen die Zähne, um zu prüfen, ob man dem Gegner wohl gewachsen sei. Schon beim Eiersieden achtete man übrigens darauf, dass die Eier flach lagen, damit «Spitz» und «Gupf» mit Eiweiss gefüllt waren. Hatte man beim Tütschen Glück, gewann man ein Ei; hatte man Pech, verlor man es an den Gegner. – Am Osterdienstag eröffnete «Gütterlimeier» am Seeplatz die Jahrestournee seiner «Föifermüli». Wer hätte die ersten Fahrten auf dem Karussell verpassen wollen!
Ging Tante Alice um die Jahrhundertwende mit der «Gfätterlischuel» spazieren, befand man sich rasch ausserhalb des Dorfes. Man musste nur den Schulhausplatz in der Eidmatt überqueren und die Leihgass hinaufsteigen, und schon stand man beim
Krankenasyl an der Peripherie des Dorfes. Wanderte man dann gegen die Fuhr weiter, war der Leihof ein gutes Stück weit das einzige Haus oberhalb der Strasse. Dann tauchten bergwärts das alte Bühl und das
Riegelhaus am Rotweg auf, und bis zur hinteren Fuhr sah man nichts als Wiesen und hie und da ein Stück Reben. Schaute man zwischen vorderer und hinterer Fuhr vom Bänklein beim Hause Schellhaas – später baute dort Herr Wellinger sein Haus – auf Wädenswil hinunter, hatte man das Gefühl, die neuerstellten Häuser im Neudorf stünden weit ausserhalb des Dorfes. Über einer grossen Wiese – auf der 1907/09 das
Glärnischschulhaus mit Konzerthalle gebaut wurde – tauchte die Silhouette des
Bürglis auf.
Ja, das Bürgli! Wie geheimnisvoll kam es Kindern vor. Man wusste zwar, das Fräulein Gessner darin wohnte. Aber sooft man auch durch das Schlüsselloch in der eisernen Gartentüre spähte, man sah sie nie. Oberhalb des Sagenrains standen noch viele Reben, wie übrigens auch ausserhalb der katholischen Kirche, am Gigehälsli und im späteren Schlossbergquartier.
Stieg man den Bürglirain hinunter, kam man zur alten Sagerei. Dort verfertigten Säger Pfister und seine Männer aus gewaltigen Baumstämmen schöne Bretter. War Pfister gut gelaunt, durften Kinder nach beendetem Sägegang auf dem «Sagichare» zurückfahren. Welch Vergnügen!
Die Anlage bei der
Weinrebe war ein beliebter Aufenthaltsort. Zum Ärger des weissbärtigen Anlagegärtners Harlacher kletterten die Buben hier auf die grosse Wellingtonia oder tummelten sich auf der Wiese, nachdem die niedrigen Zäune der Wegeinfassungen übersprungen waren.
Am Zentral erhob sich anstelle der heutigen Garage der Kronengarten mit prächtigen alten Bäumen. Ging man von da aus Richtung Post, kam man zum Laden von Arnold Eschmann. Der Inhaber war ein guter Psychologe. Er schenkte Kindern und Dienstboten stets eine Handvoll «Zeltli» und erreichte damit, dass seine Kunden wiederkehrten.
Dann kam der Laden von Messerschmied Schnyder und daran anschliessend die Schlosserei Züger. Die Ambosse standen auf dem Trottoir. Musste ein grosses Eisenstück bearbeitet werden, hatten die Fussgänger auf die Strasse auszuweichen. Glücklicherweise fuhren zu jener Zeit noch keine Autos.