Altes Bühl
Quelle: Rundgang II durch Wädenswil, 1990 von Peter Ziegler
Kinderheim Bühl am Rotweg von Norden, eröffnet 1870, abgebrannt 1932.
Südlich des
Reihenhauses Bühl, auf der anderen Seite des Rotwegs, stand ein um 1830 neuerstelltes Bauernhaus mit angebautem Schopf, das 1868 aus dem Besitz von Jakob Streuli an den sozial denkenden Weinbauern
Julius Hauser (1834-1897) kam. Zusammen mit seinem Freund Samuel Zeller (1834-1912), dem Gründer der Zellerschen Anstalt in Männedorf, schuf er im Jahre 1870 auf dem Bühl ein «Asyl für schwachsinnige und kränkliche Kinder». Als Leiter amtete der in der Pflege Geisteskranker bewanderte Prediger Karl Melchert (1832-1896), der das Heim drei Jahre später zu Eigentum erhielt.
Anfänglich bot das
Kinderheim Bühl Raum für 15 bis 20 Zöglinge, vom bettlägrigen Schwachsinnigen bis zum Spezialschüler. Gottfried Zürrer, der sich 1906 mit der Wittwe Maria Melchert-Anliker verheiratete und das Kinderheim Bühl bis 1933 leitete, baute vorerst den Dachstock des alten Hauses aus und erweiterte dann die Anstalt um einen Neubau (Schützenmattstrasse 2).
Ein Grossbrand, der 12 Todesopfer forderte, zerstörte das alte Haus in den frühen Morgenstunden des 10. Novembers 1932 bis auf die Grundmauern. Eine Welle des Mitgefühls im ganzen Land ermutigte zum Wiederaufbau. 1933 ging das private Kinderheim Bühl in den Besitz einer Stiftung über, welche im Gebiet Untermosen einen Neubau erstellen liess, der im Frühsommer 1934 bezugsbereit war und den Flurnamen des ersten Standorts weiterträgt. Am alten Platz wird bald nichts mehr an das 1870 eröffnete Kinderheim erinnern. Der vom Brand verschonte Anstaltstrakt, der später als Wohnhaus diente, soll demnächst einer modernen Überbauung weichen.