Mittlerweile zog der Herbst ins Land, und am 7. Oktober 1944, einem wunderschönen Sonnentag, konnte dann das Grabmal, nach Überwindung von allerlei Hemmnissen technischer Art, gestellt werden. Und nun steht es in seiner ganzen Grösse und vornehmen Schlichtheit vor uns und spricht zu uns.
Hätte, so möchte ich fragen, der frühe Tod, das durch die Umstände bedingte tragische Sterben Karl Stamms sinnvoller zum Ausdruck gebracht werden können, als es Keller mit dem zusammenbrechen den Pegasus tut? Ich glaube kaum!
Wohl wird uns durch den zusammenbrechenden Pegasus das Sterben eines Dichters versinnbildlicht. Eines Dichters – betrachten Sie nur die kraftvollen Flügel der Figur – der seinen Mitmenschen noch vieles zu sagen gehabt hätte. Aber noch mehr. Dieser sehnige Pferdeleib mit dem elastisch federnd anmutenden Rückgrat deutet an, dass hier eine Kreatur, nicht aus eigener physischer Schwäche, wohl aber unter dem Einfluss verderbenbringender Umgebung zu Boden gedrückt und in den Tod gestossen wird. Es ist der in den Sielen sterbende, vom Tod überraschte Dichter, der hier im Grabmal vor uns steht. Ich glaube nicht, dass die uns sich so darstellende Situation trefflicher und prägnanter zum Ausdruck hätte gebracht werden können als mit dem Dichter eigenen Worten: «Du wusstest nicht, wie tief Du Dich vollendet!»
So stehen wir vor einem glücklich vollendeten Werk, das in seiner Komposition künstlerische und in seiner vortrefflichen Ausführung kunsthandwerkliche Vollkommenheit ausstrahlt. Beide Künstler haben hier ihr Bestes gegeben. Und das zählt doppelt, wenn man weiss, dass sie das im Bewusstsein getan haben, dass ihnen für ihr hingebendes Schaffen kein klingender Lohn winkt. Im Namen der Angehörigen Karl Stamms, im Namen der Freunde des Dichters danke ich den Herren Keller und Spörri aufs Herzlichste für diese edle Freundestat!
Mein Dank gilt aber auch allen jenen, die in irgendeiner Weise dazu beigetragen haben, unserem lieben Karl Stamm eine bleibende Ruhestätte zu bereiten. Und nun möchte ich Herrn Gemeindepräsident
Dr. Weber bitten, das Grabmal in die treue Obhut der Gemeinde zu nehmen, in die Obhut der Heimatgemeinde des Dichters. Ich zweifle nicht, dass dieser Bitte entsprochen werden wird, durften wir doch das grosse Verständnis, das unsere gegenwärtige Behörde für das dichterische Schaffen Karl Stamms besitzt, in reichem Masse wahrnehmen.