Veröffentlicht hat er offenbar nur wenig: bis jetzt habe ich jedenfalls nur fünf in Büchern veröffentlichte Texte finden können.
- Nach einem Beethoven-Abend, 1931, Wort- und Bild-Verlag, 89 Seiten
- Nur Menschen, 2. Auflage 1932, Wort- und Bild-Verlag, 111 Seiten
- Die Schelmenbüschels, 1936, Wort- und Bild-Verlag, 194 Seiten
- Das Seidenlied, 1937, Wort- und Bildverlag, 75 Seiten
- Ein Künstlerfest, in: Neue Schweizer Bibliothek Band XXXVI, 37 Seiten.
Einer dieser Texte soll etwas genauer dargestellt werden, der dritte aus dem Büchlein Nur Menschen.
Er trägt den Titel Der Messias und erzählt die Geschichte des nach 2000 Jahren erneut in die Welt gekommenen Gottessohnes. Im wesentlichen erlebt er dabei noch einmal dasselbe wie seinerzeit in Palästina: Von vielen wird er geliebt und verehrt, vorab von Menschen, denen es schlecht geht; andere missverstehen sein Anliegen gründlich, verehren ihn zwar, jedoch auf merkwürdig bigotte Weise. Von «den Mächtigen» wird er abgelehnt, des Aufruhrs bezichtigt und schliesslich auf moderne Art unschädlich gemacht: man weist ihn in eine Irrenanstalt ein. – Die Geschichte spielt während der Krisenjahre vor dem Zweiten Weltkrieg irgendwo in der Schweiz.
Der Messias heisst Chaspar, seine Eltern Herta und Alois Tschümperli. Der Vater arbeitet in einer Fabrik, die Mutter besorgt den mehr als kümmerlichen Haushalt. Als Bub wird Chaspar nicht gross beachtet; er ist verträumt, man redet von ihm als von einem unklugen Menschen. Weil der sich zu gewissen Vorkommnissen recht eigenwillig äussert, wird er oft ausgelacht und bestraft. Der Lehrer in der Schule strafte ihn . . . und liess ihn zuhause einhundert Mal schreiben: der Schüler hat das Maul zu halten. Der junge Messias hatte aber zornvoll dem schnaubenden Lehrer zugerufen: «So schlage doch nicht die, so schwachen Geistes sind, denn du prügelst deine dumme Bosheit in sie hinein!»
Nach der Schule arbeitet Chaspar in derselben Fabrik wie sein Vater. Weil er ein sehr gelehriger Bursche ist, kann er schon bald als gelernter Arbeiter in die Stadt ziehen und dort in grossen Betrieben arbeiten. Immer wieder geschehen schwere Unfälle. Chaspar versucht das Leben der Arbeiter zu schützen, indem er aufzeigt, wie die Sicherheitsvorkehrungen verbessert werden könnten. Man hat sich die Sache gern angeschaut und hat sie auf ihre Kostspieligkeit hin untersucht und als zu teuer befunden, worauf man den Messias als einen Renitenten entliess, weil er nicht nachgeben, aber die Arbeiter mit lauter Stimme am Arbeiten an der gefährlichen Stelle hindern wollte.
Etliche unter den Armen und Bedrängten sind auf ihn aufmerksam geworden. Sie werden seine Jünger und predigen von ihm, ohne dass er etwas davon weiss. Eines Tages wird er in ein Haus eingeladen, wo viele Versehrte auf ihn warten und von ihm Heilung erhoffen. Jeden einzelnen dieser Lahmen und Verkrüppelten, Verhärmten und Niedergeschlagenen fordert er auf, ihm seinen Kummer, seine Not zu klagen. – Eine hagere Alte tritt auf ihn zu:
«Höre mich, der du Gottes Sohn sein willst, bessere mir meinen Sohn, der sich mir ganz verhärtet hat und eine schlechte Dirne zur Frau nahm. Eine Dirne ins Haus, ob ich es auch mit meinem Fluch nicht haben wollte ... » Er antwortet ihr:
Ich höre dich, Frau; aber ich höre in deiner Stimme nicht, und nicht in deinen Worten einer Mutter Liebe, Frau. Geh! Durch deiner Tochter Herz musst du den Weg zurück zu deines Sohnes Liebe finden ... » Da hat sie in ihrem Sinnen beschlossen, das Herz ihrer Schwiegertochter zu gewinnen, weil dieser Mann liebevoll von ihr dachte.
Es geschehen hier Wunder, doch dem Einarmigen wächst kein neuer Arm, wohl aber weckt der Messias in ihm die Liebe: die Liebe zu seinem eigenen Leben und die Liebe zum Leben seiner Nächsten. Das Wunder wird also als innerseelischer Prozess gedeutet, ähnlich wie dies manche neuere Theologen auch tun.
Auf dem Wege zur Hochzeit, die zwei von ihm Erlöste feiern wollen, wird er genötigt, in ein Haus zu gehen, in dem unsere Schwestern und Brüder in christum versammelt sind, dich zu erwarten. Drinnen dienten wohl einhundert Menschen in grosser Inbrunst ihrem Gott und plärrten, dass dem Messias in den Ohren weh tat ... Als aber die eifrigen Beter den Messias unter der Türe stehen sahen, zögernd, da stiessen sie ein lautes Geheul aus. Sie schleppten ihn in des üblen Raumes Mitte und hiessen ihn willkommen, indem sie ein Halleluja abzusingen anhoben, das sie wohl einstudiert hatten, das aber hölzern abgehackt tönte. Des Geschreies und der Wucht, mit der sich darauf viele der Bussfertigen vor ihm auf die Kniee, auf den Boden gar mit ihrem Leib zu seinen Füssen warfen, des wilden Taumels wurde Chaspar bös. «Schämt euch! Was ist das für ein Gott, dem ihr in der Heimlichkeit dient, ihr Betbrüder und Schwestern miteinander?» Sie verstanden aber den frommen Zorn in seinen Worten nicht und waren voller Wollust willens, als rechte Büsser Gottes Strafe über sich und ihren Leib ergehen zu lassen. Da sah er wohl, dass sie ihn nicht verstehen konnten.
Die Hochzeit, zu der ihn Katharina und der Einarmige eingeladen haben, ist schon in vollem Gange, und immer noch kommen weitere Gäste dazu. Es wird ein grosses, fröhliches, aber einfaches ländliches Fest im Freien mit Handharmonika-, Geigen- und Klarinettenmusik. Der Platz vor dem Häuschen der Neuvermählten reicht nicht mehr aus, so dass auch die Strasse benützt werden muss. Als eben die Frauen mit den dampfenden Schüsseln aufwarten wollen, erscheinen Polizisten und schicken die Hochzeitsgesellschaft von der Strasse weg, da sie den Verkehr behindere. Hinter den Fabriklerhäusern, auf dem freien Industrieland, feiert die Menge weiter. Da verlangt der Fabrikherr von der Polizei aufgrund des Versammlungsverbots für streikende Arbeiter die Auflösung des Festes. Die Männer wollen sich wehren, doch Chasper bittet sie, ihn mit den zwei Polizisten ziehen zu lassen.