Seit dem 1. April 1906 gibt es also den Gemischten Chor Stocken. Voll Schwung wurde er damals am Anfang eines neuen Jahrhunderts von jungen Stöcklern gegründet und hat sich seither durch Höhen und Tiefen durchgerungen. Man denke nur an die beiden Weltkriege, während denen der Gesang oft verstummte, weil vor allem die Bässe und Tenöre und dann wieder der Dirigent fehlten.
Am Anfang war der Verein aufgeteilt in einen Männer- und einen Töchterchor, die einzeln und nicht immer zusammen probten. Es wurden daher jährlich 60 bis 70 Gesangsproben abgehalten, und der jeweilige Dirigent marschierte öfters zweimal in der Woche auf den Berg. Diese Chorform behauptete sich bis Mitte der 1920er Jahre. Wohl aus Mangel an einem «gängigen» Dirigenten wurde fortan auf das getrennte Proben verzichtet; dadurch entstand der eigentliche Gemischte Chor Stocken.
Generalversammlungen fanden abwechslungsweise im
«Neubüel» und in der
«Schönegg» statt. Stets wurden dazu auch die Passivmitglieder eingeladen, und diese erschienen recht zahlreich. Denn anschliessend an den geschäftlichen Teil folgten theatralische Unterhaltungen, die sich bis weit nach Mitternacht hinzogen, und zwischen den verschiedenen Darbietungen wurde wacker getanzt.
Auch die alljährliche Reise nach dem Heuet hatte ihren festen Platz im Vereinsgefüge, und mit lautem Geknalle wurde deren Durchführung frühmorgens allen Reiselustigen verkündet. In den ersten Jahren reiste man noch mit dem Zug, auf Schusters Rappen oder mit Pferdefuhrwerken. Erst im Jahre 1919 anvertraute man sich zum ersten Mal einer Benzinkutsche der Firma Welti-Furrer in Zürich. Eingestiegen wurde noch in der Enge, und von dort ging es in flottem Tempo dem Hallwiler- und Baldeggersee entgegen. Doch nach Hause kamen die Stöckler mit dieser neuesten Errungenschaft der Technik nicht früher als mit den altvertrauten Hafermotoren. Geselligkeit und Verweilen standen eben schon damals hoch im Kurs. Tugenden, die sich bis auf den heutigen Tag in unserem Verein erhalten haben!
Zu erwähnen sind an dieser Stelle auch noch die Geschwister Elise, Aline und Arnold Huber in der Mittleren Chalchtaren. Schon früh verhalfen sie dem Verein durch ihre vielseitigen musikalischen Begabungen zu eigentlichen kulturellen Höhepunkten. Fanden doch alle Jahre im Spätherbst kleine Konzerte im neuen Schulhaus statt, zu deren Durchführung von der Schulpflege einmal eigens neue Bänke angeschafft wurden.
Die jährliche Abendunterhaltung für die Passivmitglieder, die anfänglich anschliessend an die Generalversammlung stattfand, ist längst zu einem selbständigen Anlass geworden und geht heute in der ersten Hälfte des Monats Januar über die Bühne. Dass die Stöckler gut Theater spielen, ist weitherum bekannt. Der Neubüelsaal dürfte ruhig etwas grösser sein, um alle Schaulustigen aufzunehmen.
Einem Sängerverband ist der Gemischte Chor Stocken bis heute nicht beigetreten. Man blieb bescheiden und begehrt, wie die Gründer, keine Lorbeeren zu sammeln an grossen Festen. Dennoch treten die Stöckler hie und da als Gastverein an Sängertreffen auf. Und laut den Kritiken soll es um unser sangliches Können, sehr zu Ehren der tüchtigen Dirigentin Friedel Liniger, nicht so schlecht bestellt sein. So wollen wir hoffen, dass der Gemischte Chor Stocken, dem die moderne Zeit bis heute nichts anhaben konnte, auch in Zukunft gesellige und sangesfreudige Mitglieder findet.