Das ist sicher eine Frage, die sehr viele Bewohner unserer Stadt interessiert. Schutzplätze sind in Wädenswil als Folge der enormen Bautätigkeit in den letzten fünfzehn Jahren glücklicherweise genügend vorhanden. Dies zeigen folgende Zahlen:
Schutzplätze in Schutzräumen ohne Ventilationsaggregat |
3 214 |
Schutzplätze in Schutzräumen
mit Ventilationsaggregat
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24 235 |
Schutzplätze total |
27 449 |
davon nach TWP 66 |
17 924 |
(TWP= Technische Weisungen
Für den privaten Schutzraumbau)
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Einwohnerzahl
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18 372 |
Die rund 24‘000 Schutzplätze (SP) in Schutzräumen, die mit einem Ventilationsaggregat ausgerüstet sind und dem-zufolge den heutigen Anforderungen für einen längeren Schutzraum-Aufenthalt genügen, erlauben es also, unsere ganze Wohnbevölkerung in einem Ernstfall wirksam vor Waffeneinwirkungen zu schützen. Leider sind die Schutzräume aber nicht regelmässig au f das ganze bewohnte Stadtgebiet verteiIt. So haben wir zum Beispiel in der Stadtkernzone und in anderen älteren Quartieren relativ wenig bewohnte Häuser. die über einen eigenen modernen Schutzraum verfügen. In neueren Stadtteilen, wie im Hangenmoosgebiet, im Eichweidquartier und in der Au besitzt praktisch jedes bewohnte Haus einen eigenen Schutzraum.
Diese unregelmässige Verteilung gab uns bei der Bezugsplanung gewisse Probleme auf.
Bei dieser Planung sind wir von fünf Forderungen ausgegangen:
1. Erhaltung der Familiengemeinschaft
2. Optimale Ausnützung des Schutzpotentials
3. Flexibilität in der Ernstfallsituation
4. Kurze Wege von der Wohnung zum Schutzraum
5. Rasche Zuteilung der Schutzplätze im Bezugsfall
In Wädenswil haben wir uns für das im Kanton Zürich entwickelte «Ticket¬System» entschieden. Im Zentrum des Ticket-Systems steht eine Eintrittskarte (Ticket), die dem Inhaber das Anrecht auf einen freien Schutzplatz in einem bestimmten Schutzraum gibt.
Für alle freien Schutzplätze sind diese Tickets bereits vorbereitet und blockweise in einem Karteikästchen, nach Strassenzügen und Hausnummern geordnet, aufbewahrt. (Das ganze Stadtgebiet ist, damit es zivilschutzmässig überhaupt führbar ist, in 38 ungefähr gleich grosse Blöcke aufgeteilt.)
Ordnet nun der Bundesrat in einem Konfliktfall den vorsorglichen Schutzraum-Bezug an, so werden durch die Schutzraum-Organisation in allen bewohnten Häusern schon vorbereitete gelbe Schutzraum-Bezug-Informationsblätter angeschlagen. Auf diesen ist ersichtlich, je nachdem, welche Felder durchgestrichen und somit ungültig sind, wie sich die Hausbewohner zu verhalten haben.
Im Wesentlichen unterscheiden wir die folgenden zwei Fälle:
1. Einwohner, die in ihrem eigenen Haus einen künstlich belüfteten, modernen Schutzraum haben, begeben sich in diesen (ohne Ticket).
2. Einwohner, die in ihrem eigenen Haus über keinen oder nur einen alten, ungenügenden Schutzraum verfügen, erhalten am Blockbesammlungsort, der auf dem gelben Informationsblatt unten aufgeführt ist, ihr Ticket und somit ihren zugewiesenen Schutzplatz.
In allen Schutzräumen muss durch die Schutzraumorganisation selbstverständlich eine genaue Eingangskontrolle durchgeführt werden. Für Heim- und Spitalinsassen erfolgt der Schutzraumbezug nach einem speziellen Plan.
Es ist klar, dass ein nach diesem Ticket-System durchgeführter Schutzraum-Bezug die nötige Zeit braucht. Aber vergessen wir nicht, dass ja nach der Zivilschutzkonzeption 71 der Bezug frühzeitig angeordnet wird.
Aufgaben der Schutzraumorganisation in der Vorangriffsphase
- Räumung der Schutzräume anordnen und überwachen (Die meisten Schutzräume dienen in Friedenszeit als Keller)
- Installationen im Schutzraum kontrollieren und in Betrieb nehmen
- Hilfe bei der Einrichtung und Ausrüstung
Aufgaben beim Bezug und Aufenthalt im Schutzraum
- Eintrittskontrolle, Platzzuweisung organisieren
- Nahrung und Wasser verteilen (Hier wird sich ein grosses Problem stellen, da sicher nicht alle Schutzraum-Insassen in Friedenszeit gleich gut vorgesorgt haben)
- Verbindung und Information aufrechterhalten
- Rotation überwachen
- Insassen betreuen
- Schutzraum-Ordnung aufstellen
Besondere Aufgaben ausserhalb des Schutzraumes
- Luftfassungen freilegen
- Notausstiege freilegen
- Entstehungsbrände bekämpfen
- Ver- und Entsorgung
Benützungsarten des Schutzraumes
Der Schutzraum wird wenn möglich vorsorglich bezogen und entsprechend der jeweiligen Gefährdung benützt:
Leben mit dem Schutzraum
- Übernachten im Schutzraum
- Personen, die viel Zeit für den Bezug benötigen (zum Beispiel Behinderte, langer Anmarsch), wohnen auch tagsüber im Schutzraum.
Leben aus dem Schutzraum (Rotation)
- Schutzraum bezogen
- Der Schutzraum wird nur für unaufschiebbare Verrichtungen verlassen (Kochen, Arbeit).
- schichtweises Verlassen für kurze Zeit
Leben im Schutzraum (Autarkie)
- Anordnung der Zivilschutz-Organe bei höchster Gefährdung oder erzwungen durch Verschüttung darum: Vorräte für 2 Wochen, Radioempfang sichergestellt, minimaler Komfort.