Felix Schudel 40 Jahre Dirigent des Kammerorchesters Wädenswil
Quelle: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 2016 von Markus Kellerhals
Ab 1992 führt Felix Schudel die Sommerkonzerte des Kammerorchesters Wädenswil im Hof oder im Innern des Schlosses in der Hinteren Au auf.
Dirigent Felix Schudel, 2015.
Felix Schudel mit Musikerinnen des Kammerorchesters Wädenswil im Dezember 2015.
Am Jubiläumskonzert 1987 in der Vorderen Au.
Dass der Einsatz von Schudel mit dem KOW nicht immer auf gleich grosses Publikumsinteresse stiess, betrachtet er als Herausforderung und Zeiterscheinung. Das Orchester muss sich in einem zunehmend kompetitiven Umfeld behaupten, wo ähnliche Grundsätze gelten wie in der Wirtschaft. Dies gelingt nicht zuletzt dank einem treuen Stammpublikum. Gegenwärtig ist der Publikumsaufmarsch erfreulich. Typisch für Schudel ist sein Werbeeinsatz für die Konzerte, legendär sein mit Konzertplakaten bestücktes Auto, natürlich nur in parkiertem Zustand.
Über das «Laienmusizieren heute» hat sich Felix Schudel an der Generalversammlung des Orchesters vom 10. April 2015 Gedanken gemacht. Er bezeichnet es als Spannungsfeld mit vier Ecken:
- Erwartungsdruck des Publikums. Die Ohren des Publikums sind auf hohes Niveau getrimmt.
- Zusammenarbeit mit professionellen Solisten und Zuzügern ist nur erspriesslich, wenn diese ein Grundniveau feststellen, welches sie animiert, sich mit ihrem Können einzubringen.
- Anforderungen der Werke: Jede Musik ist in ihrer Art anspruchsvoll, soll sie ins Publikum hinübergelangen.
- Der unterschiedliche technische Stand der verschiedenen Akteure in einem Laienorchester ist für die Zielsetzung bzw. für den Dirigenten eine riesige Herausforderung.
Felix Schudel im Jahr 2001.
Felix Schudel am Au-Konzert 2014.
Schudel weiter: «Überblickt man nach dieser Analyse des Spannungsfeldes die sich zeigenden Rahmenbedingungen, erkennt man, dass sich ein Orchester wie das KOW eigentlich in hartem Gegenwind befindet. Der Schlüssel könnte aber im Wort Amateur liegen. Amare heisst ja ‚lieben‘. Die Orchestermitglieder lieben das musikalische Tun an den Proben, beim Üben zuhause, an den Konzerten. Diese Fähigkeit trägt bei zu einer positiven und emotionalen Gesamtwirkung, sie hilft mit zur Kreation von Ambiance, Atmosphäre, erzeugt Ausstrahlung. So macht es Freude, etwas Gutes entstehen zu sehen und als Gärtner im hortus musicus, dem musikalischen Garten, zu wirken.»
Bezeichnend für Schudel ist seine ausserordentliche mentale und physische Präsenz bei der Probenarbeit und in den Konzerten. Er leitet alle Proben selber, nimmt kritische Passagen und einzelne Stimmen genau unter die Lupe, um dann eine Gesamtwirkung des Werkes auf höherem Niveau zu erhalten oder zumindest zu hoffen, dass sich diese bei einer nachfolgenden Probe und im Konzert entsprechend einstellt. Er vermittelt Begeisterung und Einsatz, ist aber nicht verbissen und hat den nötigen Humor. Zumindest äusserlich bewahrt Schudel auch Ruhe bei Konzerten. Reisst einer mitspielenden Person noch bei Konzertbeginn eine Saite, hilft er seelenruhig diese zu ersetzen. Er ist sich auch nicht zu schade, Instrumente herumzuschleppen, Ständer aufzustellen oder wegzuräumen und anzupacken, wo es nötig ist. Schudel geniesst aber auch die Feier nach einem Konzert, die Gemeinschaft sowie bildende Ausflüge, welche das Orchester jährlich durchführt. Er ist ein offener und guter Zuhörer mit Blick fürs Detail, aber auch fürs Ganze. Mit Felix Schudel hat Wädenswil einen Musiker und Dirigenten, der mit herausragendem Engagement, mit Begeisterung, Professionalität und Ausdauer das kulturelle Leben in der unweit der Kulturmetropole Zürich gelegenen Stadt Wädenswil in der Sparte der klassischen Musik bereichert. Wir danken ihm für seinen grossen Einsatz im hortus musicus wadenswilensis.
Das Kammerorchester Wädenswil unter der Leitung von Felix Schudel beim Adventskonzert 2015 in der reformierten Kirche Wädenswil mit der Solistin Bridget Greason-Sharp.