Wädenswil 1916 – eine Zeitreise

Quelle: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 2016 von Mariska Beirne / Christian Winkler

Bertha Rellstab-Streuli

1868 Geburt der Bertha Steuli im Sonnenhof in Horgen
1890 Bertha heiratet Emil Rellstab, die beiden haben zwei Töchter und zwei Söhne
1912 Bertha Rellstab wird durch die Wahl ihres Mannes in den Nationalrat zur «Frau Nationalrat»
19161937 Bertha Rellstab ist im Asylverein Mitglied der Frauenkommission
1922 Ehemann Emil Rellstab stirbt.
1951 Bertha Rellstab-Streuli stirbt 83-jährig.
 
Frau Nationalrat
Bertha Rellstab-Streuli stammte aus einer gutbürgerlichen Horgner Familie. Standesgemäss erhielt sie in einem Pensionat im Welschland eine Ausbildung in Musik, Malerei und Kunsthandwerk. Mit 22 Jahren heiratete sie den 37-jährigen Bauern Emil Rellstab. Nachdem ihr Mann den elterlichen Betrieb im Leihof übernommen hatte, war sie für den prächtigen Bauerngarten und das Haus zuständig, wo sie ihr grosses Talent für Handarbeiten einbringen konnte. So waren beispielsweise alle Vorhänge im Haus nicht etwa genäht, sondern gestrickt. Allerdings nähte sie auch: Sie sammelte die in Berlin herausgegebene «Illustrierte Wäsche-Zeitung», die Schnittmuster und Stickanleitungen enthielt. In ihrem Nachlass sind die Ausgaben der Jahre 1897 bis 1913 erhalten. Der Erste Weltkrieg führte auch auf dem Leihof zu drastischen Einschränkungen. Während Ehemann Emil Rellstab als Nationalrat sehr oft in Bern weilte, war Sohn Paul als Kavallerist mit seinem Pferd im Dienst. So fehlte nicht nur ein wichtiger Mann, sondern auch das Zugtier.
 
Wohltätiges Engagement im Krankenasyl
Auch sozial engagierte sich Bertha Rellstab: 1916 trat sie in der Frauenkommission des Krankenasyls (später Spital) bei, in der sie bis 1937 amtete. Das Krankenasyl war im Jahr 1877 als Krankenstation mit drei Zimmern im Armenhaus gegründet worden. Initiantin dieses Projekts war Berthas 1904 verstorbene Schwägerin Elisabeth Rellstab gewesen. Weil der Platz im Armenhaus zu eng war, wurde bald aus Spendengeldern der Bau eines eigenen Krankenasyls in Angriff genommen, das 1886 eingeweiht wurde. Der Frauenkommission oblag der Betrieb des Spitals: Sie überwachte die Krankenpflege, die Haushaltführung, wählte das Pflegepersonal, entschied über Aufnahme und Entlassung von Patienten und setzte die Höhe des Pflegegeldes fest, während die Männerkommission für die technischen, baulichen und finanziellen Aspekte des Betriebs zuständig war. Nach 21-jährigem Engagement in der Frauenkommission wurde Bertha Rellstab von ihrer gleichnamigen Schwiegertochter abgelöst.
 

Bertha Rellstab-Streuli
(1868–1951).

Elisabeth Rellstab-Streuli (1843–1904).

Krankenasyl Wädenswil, eingeweiht 1886.




Mariska Beirne




Christian Winkler