Schon bei kleinen Vergehen mussten sich die Schüler bäuchlings aufs Harmoniumbänklein legen und wurden mit dem «Hageschwanz», einem Lederriemen mit Schlaufe oder mit dem Meerrohrstecken verprügelt. Auch «Tatzen», Schläge mit einem Lineal auf die offene Handfläche, wurden ausgeteilt. Dahinter stand die Vorstellung, man könne so das Böse aus den Kindern austreiben. Häufigstes Opfer war sein eigener Sohn Hans, sodass Frau Hirt eines Tages auf das Schreien ihres Sohnes unvermittelt ins Schulzimmer trat, um ihrem Gatten Einhalt zu gebieten: «Aber Hans, aber Hans, es tuets jetzt!» Auch wer auf einer Wanderung nicht bei der Gruppe blieb, wer einem Mädchen das Bein zu stellen versuchte oder den Aufsatz nicht zur rechten Zeit fertig geschrieben hatte, wurde gezüchtigt.
Als einige Mädchen aus Erbarmen mit den Knaben Lehrer Hirt mitteilten, sie fänden seine Prügeleien nicht richtig, er könne ja die Betreffenden vor die Türe stellen oder nach Hause schicken, gab er ihnen zur Antwort: «Das bringt nüt, da gönds na so gern. Mer mues di Böse straafe.» Opfer dieser handfesten Erziehungsmethode wurden unter andern oft Martin Gredig oder Paul Rusterholz, der Pflegesohn der Familie Maurer im Unterort. Hans Wyss habe Lehrer Hirt vor allen andern Kindern mit einigen Ohrfeigen direkt aus der sechsten in die fünfte Klasse zurückversetzt.
Was gut oder böse ist, was dem Heiland gefällt oder was vom Teufel ist, darüber hatte Johannes Hirt klare Vorstellungen. So malte er einen Teufel an die Wandtafel und schrieb darunter unter anderem: Radio, Rauchen, Jassen. «Sägeds nu diheim: Die wo jassed, chömed nüd in Himel! Zur Straf müend die emaal ewig jasse.» Anni (Bosshard-) Höhn aus dem Unterort teilte dies pflichtschuldigst ihrem Vater mit: «Ihr settid nüme e so vil jasse», worauf er ihr zur Antwort gab: «De Suntignamittaag-Jass, wo ali e so fridlich binenand sind, dä lönd mir is gwüss nüd nää.»
Besonders schwer hatten es Wirtstöchter in der Schule von Johannes Hirt. Wirtschaften galten ihm als Brutstätten des Verderbens. So behandelte er Fanny (Gredig-) Baur, deren Eltern das Restaurant Schützenhaus führten, besonders hart. Erst als ihr Vater bei Lehrer Hirt vorstellig wurde und ihm androhte, seine Tochter nach Wädenswil zur Schule zu schicken, verbesserte sich ihre Situation. Nicht viel besser erging es Lilly (Kägi-)Weidmann aus dem Restaurant Meilenbach: «Er heds gar nüd vertreit, wenn mer luschtig gsii isch. Er hed lieber d Duckmüüser ghaa. Mer hed müesse vor em leerer abechnüünle und Buess tue oder er hed eim mit em Lineal Tatze ggää. Das Frömmle uf der einte Siite und andersiits s Böösi welle mit Schlaa uustriibe, das hed mir gar nüd gfale. Aber ich bin e Gigelisuppe gsii und ha s Wüeschti omi rasch uf d Siite gsteckt und vergässe.» Gingen Schüler nach Schulschluss nicht auf dem direktesten Weg nach Hause und wurden von Lehrer Hirt erwischt, erhielten sie ebenfalls Strafen.
So problematisch und übertrieben uns die Zucht und Strenge von Johannes Hirt heute erscheint, so dürfen wir nicht vergessen, dass sich damals zahlreiche Kinder an Körperstrafen von ihren Eltern her gewohnt waren. Auch war es sicher kein leichtes, in einer Mehr- oder gar Achtklassenschule die nötige Ruhe und Disziplin herzustellen, damit Lernerfolge überhaupt möglich waren. Auf jeden Fall galt Johannes Hirt sowohl in der Schulstube wie weit darüber hinaus als unumschränkte Autorität und Respektsperson.