«Etliche Mühe und Aufregung gab es, bis jedem der 30 Mädchen und 36 Knaben Lagerstatt, Kleiderhaken, Putzsachengehalt zugewiesen waren … Nach dem Nachtessen folgte das erst mehr oder weniger gründliche Reinigen des Gesichts, der Zähne und der Schuhe. Dann verzogen sich die Kolonisten in ihre Gemächer, und nicht lange dauerte es, bis die meisten in süssem Schlummer lagen. Bloss die angehenden Backfische über der Stube des Schreibenden waren noch voll Mitteilungslust und Tatendrang, und erst auf mehrmaliges Klopfen an die Zimmerdecke legte sich der jüngferliche Übermut und kamen die quecksilbrigen Mädchenzünglein endlich auch zur Ruhe.» So erzählte Lehrer Gottfried Gretler im «Anzeiger» über die zweite Kolonie 1923.
«Die meisten Kinder sehen schon bedeutend besser aus als zu Beginn der Saison. Auf den bisher unternommenen Ausflügen nach dem Leuenfall, an den Seealpsee und auf Wildkirchli − Ebenalp − Schäfler konnten wir deutlich die Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit konstatieren.» So las man 21. Juni 1924 im Schwendebericht, aus dem man zudem erfuhr, dass alle Kinder bei der Ankunft gewogen wurden, damit man am Ende der Koloniezeit die Gewichtszunahme registrieren konnte.
1926 vernehmen wir, dass die kolonieeigene Bundesfeier nach folgendem Programm verlief: «Gesang − patriotische Ansprache − Gesang − Lampionkorso − grosses Brillant-Feuerwerk − Tee mit Appenzeller Fladen.»
1927 wird von baulichen Verbesserungen im Heim berichtet: «Die Esshalle hat durch Täfelung und Erstellung eines fugenlosen Bodens ihren allzu alpinen Charakter verloren und präsentiert sich nun sehr wohnlich. Der Speisenschalter zwischen Küche und Speisesaal bewährt sich aufs Beste. Überaus gelungen ist ferner der gedeckte Übergang von der Esshalle und den Waschräumen ins Treppenhaus. Er führt sehr romantisch an den senkrechten Felsen des „kleinen Säntis“ vorbei und hat seiner architektonischen Gestaltung wegen die Bezeichnung „Kreuzgang“ erhalten.»
Aus dem gleichen Jahr 1927 ist ein Wochenmenüplan überliefert:
«Um halb 12 Uhr ruft die Pfeife männiglich an den reich gedeckten Tisch. Der Speisezettel der ersten Woche war folgender: Sonntag: Schweinsbraten mit gesottenen Kartoffeln und Bohnen. Montag: Makkaroni und Rhabarber. Dienstag: Gehacktes Fleisch, Kartoffeln, Salat. Mittwoch: Kastanien und Zwetschgen. Donnerstag: Bratwürste, Rüebli. Freitag: Mais und Dampfäpfel. Samstag: Voressen mit Reis und Salat.»
Und weiter: «Während die Leitung zu Mittag speist, tummeln sich die Kinder in freier Weise umher, um dann die Liegekur anzutreten. Man kann nicht sagen, dass diese sehr beliebt sei, und es braucht viel Mühe, bis es alle fertigbringen, eine Stunde ruhig zu liegen und auch das nimmermüde Plappermaul einigermassen ruhen zu lassen.»