Die Denkmalpflege des Kantons Zürich und die Natur- und Heimatschutzkommission Wädenswil haben das «Laboratoire Romand de Dendrochronologie» in Moudon in den letzten Jahren verschiedentlich mit Altersbestimmungen von Bauten in Wädenswil beauftragt, die entweder restauriert, verändert oder für den Abbruch freigegeben wurden. Die bis jetzt vorliegenden Resultate werden hier erstmals zusammengefasst:
Die dendrochronologischen Analysen über das «Alte Büelenhaus», Ass.-Nr. 800/801 an der Büelenstrasse 9, lagen am 20. Dezember 1984, 15. Februar 1989 und 26. Oktober 1990 vor. Sie datierten die hölzerne Konstruktion und die Wandbohlen in die Jahre 1516 bis 1519 und die Balken im Dachbereich über dem gemauerten Südwestteil des Hauses in den Winter 1578/79.
Auch das Baujahr des Blockständerbaus Ass.-Nr. 1249/1250 im Furthof war bisher unbekannt. Die dendrochronologische Abklärung- vorgelegt am 19. Dezember 1984 und 15. Februar 1989 – brachte hier ebenfalls überraschende Aufschlüsse. Im Erdgeschoss sowie im ersten, zweiten und dritten Stockwerk verbautes Holz wurde im Winter 1531/32 gefällt. Pfosten im zweiten und dritten Geschoss weisen mit den Fälljahren Herbst/Winter 1667 / 68 auf einen späteren Umbau hin.
Vor der Auskernung des Hauses Buckstrasse 11 nahm das Labor aus Moudon ebenfalls Holzproben. Diese erbrachten laut Bericht vom 17. Mai 1993 das überraschende Resultat, dass alle Bäume für Ständer, Mittelpfette, Bund- und Kehlbalken des Dachstuhls dieses Hauses im Herbst/Winter 1558/59 geschlagen wurden. Die Datierung mittels Dendrochronologie führte damit hinter die schriftliche Überlieferung zurück, welche mit den Notariatsprotokollen erst nach der Mitte des 17. Jahrhunderts einsetzt.
Das Bauernhaus Ass.-Nr. 1735 im Unterort- mit Wohnteil, Tenn und Scheune unter einem First – ist am Tenntorsturz mit der eingekerbten Jahrzahl 1625 datiert. Dass der Bohlenständerbau mit Rafendach noch weitgehend in originalem Zustand erhalten ist, belegt die dendrochronologische Altersbestimmung des Holzes dieses Schutzobjektes von kommunaler Bedeutung. Laut Bericht vom 7. Mai 1990 wurden in der Scheune, im Keller, im Erdgeschoss und im Dachgebälk die Fälljahre 1624 ermittelt. Die Jahrzahlen 1720 für einen Balken unter den Fenstern im Erdgeschoss der Längsfassade gegen Südosten sowie für eine Türschwelle im ersten Stock weisen auf spätere Umbauten hin.
Die am 30. Mai 1990 abgeschlossenen dendrochronologischen Untersuchungen – es wurden rund 80 Proben genommen – datieren das Bauernhaus Ass.-Nr. 1401 im Oberödischwend in die 1650er Jahre. Im Erdgeschoss wurde Holz mit Fälljahr Sommer 1654 verwendet, für den ersten Stock schwergewichtig solches mit Schlagzeiten Herbst/Winter 1653/54, 1654/55, 1656/56 und 1657 /58. Ein Brett im Dachgeschoss datiert vom Herbst/Winter 1658/59; Balken im Dachbereich konnten den Jahren 1654/55 zugewiesen werden. Die grosse Lukarne in der Ostfassade ist jünger als das Haus. Sie wurde – laut Laborbefund vom 1. November 1991 – aus Holz mit den Fälljahren Herbst/Winter 1724/25 bzw. 1725/26 erstellt.
Auch für das Bauernhaus Ass.-Nr. 1452-1454 im Bachgaden wurde eine dendrochronologische Altersbestimmung vorgenommen. Sie führte am 28. November 1989 zum Ergebnis, dass die Hölzer im Erdgeschoss und in der ersten Etage übereinstimmend aus den Fälljahren 1655 bis 1658 stammen. Der Lastenaufzug dagegen ist jüngeren Datums. Sein Pfosten konnte mit 1724/25 analysiert werden.
Das zum Abbruch freigegebene Haus Eidmattstrasse 3 wurde nach dem Untersuchungsbericht vom 19. Mai 1993 in einem Zug als vierstöckiger Bau erstellt. Deckenbalken des Erdgeschosses konnten hier mit dem Fälljahr Winter 1673/74 datiert werden; für die Balken des ersten bis vierten Geschosses ergaben sich übereinstimmend die Fälljahre 1675.
Für die Feldscheune Ass.-Nr. 1397 im Oedischwend liegen gemäss Auswertungsbericht vom 1. Oktober 1990 folgende Resultate vor: Fusspfetten Herbst/Winter 1679/80 sowie Herbst/Winter 1692/93, Mittelpfette Herbst/Winter 1683/84, Kehlbodenbalken Herbst/Winter 1680/81, Ständer Herbst/Winter 1692/93. Die Ergebnisse zeigen, dass die Feldscheune vermutlich 1693 erstellt worden ist, und dass man dabei verschieden altes Holz verbaut hat.
Das Holz für das Waschhaus Ass.-Nr. 1398 im Oedischwend – das bewiesen sechs verschiedene datierbare Bohrproben – wurde einheitlich im Herbst/Winter 1750/51 gefällt und für die Riegelwand, die Fensterbank und den Dachstuhl verwendet.
Die bis jetzt vorliegenden dendrochronologischen Altersbestimmungen von Bauten in Wädenswil haben zu erfreulichen Resultaten geführt. Sie halfen nicht nur die Siedlungsgeschichte klären, sondern gaben auch bemerkenswerte Aufschlüsse für die haustypologische und kunstgeschichtliche Einordnung von Bauten unserer Region. Die Analysen sollen darum in kommenden Jahren bei wichtigen älteren Objekten, die renoviert oder abgebrochen werden müssen, fortgesetzt werden.