Quelle: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 2019 von Beatrice Gmür
Am 24. Mai 1974 – vor 45 Jahren also – trat zum ersten Mal der «Grosse Gemeinderat Wädenswil» zusammen. Ein Jahr zuvor hatte die Wädenswiler Stimmbevölkerung beschlossen, die Gemeindeversammlung durch ein Parlament abzulösen. Was hatte die Stimmberechtigten zu diesem Schritt bewogen?
Der eine Faktor war das Bevölkerungswachstum. Es wurde viel gebaut – zum Beispiel die Hangenmoos-Siedlung, von der es in diesem Jahrbuch Interessantes zu lesen gibt. In den zwölf Jahren zwischen 1960 und 1972 wuchs die Einwohnerschaft von Wädenswil um 50 Prozent.
Ebenso entscheidend war die Einführung des Frauenstimmrechts. Auf einen Schlag gab es doppelt so viele Stimmberechtigte. Nahmen viele an den Gemeindeversammlungen teil, war eine vernünftige Diskussion fast nicht mehr möglich. Meist kamen aber nur wenige – der Durchschnitt lag bei etwas über 6 Prozent der Stimmberechtigten, womit die gefällten Entscheide nicht mehr wirklich demokratisch legitimiert waren.
Also war die Einführung des Parlaments ziemlich unbestritten. Man setzte auf die Stabilität der Kräfteverhältnisse und lobte die Aufwertung der politischen Parteien.
Vor 50 Jahren, am 30. November 1969, wurde in Wädenswil das Frauenstimmrecht angenommen. Endlich war es den Frauen erlaubt abzustimmen, zu wählen und für Ämter zu kandidieren. Wie sah es denn fünf Jahre später mit dem Frauenanteil aus, als der damals 45-köpfige Grosse Gemeinderat zum ersten Mal tagte? Vier Frauen sassen im Parlament, zwei im Stadtrat.
Und 2019, 50 Jahre nach der Einführung des Frauenstimmrechts? Von den 35 Gemeinderatsmitgliedern sind 13 Frauen. Das ist zwar mehr als ein Drittel, aber immer noch weit von den 50 Prozent entfernt, die den Frauen eigentlich zustünden. Im Stadtrat sitzen auch heute zwei Frauen.
Dieses Jahr forderten die Frauen am Frauenstreik vom 14. Juni, dass die Gleichberechtigung endlich umgesetzt wird. Eine der Forderungen: Mehr Frauen in die Politik. Eine Partei, die bei den Wahlen nicht die Hälfte ihrer Listenplätze mit Frauen besetzt, sollte sich schämen müssen. Macht den Frauen Mut für die Politik!
Beatrice Gmür, Gemeinderatspräsidentin 2018/2019