100 Jahre Krankenpflegeverein Wädenswil, 1891−1991
Quelle: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 1991 von Peter Ziegler
EINSATZFREUDIGE DIAKONISSEN, ENGAGIERTE PRÄSIDENTINNEN
Am 1. Mai 1891 kam die erste Diakonisse, Schwester Elise Sigrist, aus dem Krankenhaus Neumünster in Zürich nach Wädenswil, um hier den Dienst als Gemeindeschwester zu übernehmen. Im ersten Vereinsjahr stellten die neun Damen des Vorstandes die finanziellen Mittel zur Verfügung und schenkten auch einen Vorrat an Wäsche. Bald erhielt der Verein für Gemeindekrankenpflege verschiedene Vergabungen und 1894 erstmals einen Unterstützungsbeitrag seitens der Gemeinde.
Anfänglich hatten die Leute im Dorf wenig Vertrauen in die neue Einrichtung. Die Schwester wurde wenig beansprucht und konnte ab und zu sogar im Krankenasyl aushelfen. Doch dann wurde die Not grösser als der Widerstand. Man rief die Schwester, brauchte sie. Und sie machte sich auf den Weg, im blauen, weissgetüpfelten Rock, mit weisser Haube, blauer Schürze und der grossen Ledertasche. Auf den Weg, um meist ärmere Leute in ihren engen Wohnungen zu pflegen, um Schmerzen zu lindern, um aufzumuntern und zu trösten, um Sterbende zu begleiten.
Von 1903 bis 1938 stand Frau Anna Blattmann-Wehrli, wohnhaft im «Seehof», mit grosser Liebe und Treue an der Spitze des Vereins. Dann übergab sie dieses Amt ihrer Tochter Maria Blattmann, die 1942 von Frau Elise Schnyder-Welti zum Morgenstern abgelöst wurde, welche den Verein für Gemeindekrankenpflege Wädenswil bis 1964 leitete.
Die Gemeindeschwester hatte immer mehr Arbeit zu bewältigen. Bald konnte sie den wachsenden Bedürfnissen nicht mehr genügen. 1920 stellte der Verein daher eine zweite Diakonisse ein. 1921 erhielten die Schwestern ein Telefon und 1938 ein Velo. Der Diakonisse stand seit 1919 eine Mietwohnung an der Oberdorfstrasse zur Verfügung, in die 1920 auch die zweite Schwester einzog. Von 1938 bis 1966 wohnten die Gemeindeschwestern an der Schlossbergstrasse 21, dann mietete der Krankenpflegeverein bis 1982 eine Wohnung an der Fuhrstrasse 41.
FREIE SCHWESTERN
Als das Mutterhaus Neumünster 1959 nur noch eine einzige Diakonisse abordnen konnte, drängte sich die Anstellung von freien Schwestern als Aushilfen auf. Zudem wurde für die Diakonisse Hedi Gubler ein Auto angeschafft.
Im Jahre 1970 − der Verein stand damals unter dem Präsidium der Arztfrau Annie Hess, welche 1964 Frau Elise Schnyder-Welti abgelöst hatte − teilte die Diakonissenanstalt Neumünster mit, sie müsse die Schwester ins Mutterhaus zurücknehmen und könne keine Nachfolgerin mehr zur Verfügung stellen.
Nun trat Lydia Hottinger als vollamtlich angestellte freie Schwester in den Dienst der Wädenswiler Gemeindekrankenpflege. Damit stand der Vorstand erstmals vor der Aufgabe, die Anstellungsbedingungen selbst zu regeln und sich dem grossen Wandel im Pflegesektor anzupassen. Die Aufwendungen für Löhne und Sozialleistungen − nach den Richtlinien der «Kantonalzürcherischen Vereinigung der Gemeindekrankenpflegen» − liessen die Unkosten in einem Masse ansteigen, das nach der Erschliessung neuer Finanzquellen rief. Da der Diakoniegedanke der Gründerinnen aufrechterhalten werden sollte, beschloss der Vorstand, an die Hilfsbereitschaft breiter Bevölkerungsschichten zu appellieren und eine Neustrukturierung einzuleiten.
NEUBEGINN UNTER NEUEM NAMEN
Das Jahr 1974 brachte einen Neubeginn auf breiterer Basis. Im Zusammenhang mit einer Statutenrevision wurde der «Verein für Gemeindekrankenpflege Wädenswil» umbenannt in «Krankenpflegeverein Wädenswil». Hatte die alte Organisation lediglich aus den sieben bis neun Frauen des Vorstandes bestanden, fühlten sich mit der neuen bald über 700 Mitglieder verbunden.
Starkes Bevölkerungswachstum und gesteigerte Ansprüche an die häusliche Krankenpflege machten die Anstellung einer zweiten vollamtlichen Schwester nötig: 1982 nahm Margrit Kummer ihre Arbeit in Wädenswil auf.
Seit 1983 ist
Frau Isabel Schaltenbrand Präsidentin des Krankenpflegevereins Wädenswil. 1988 trat Schwester Lydia Hottinger nach jahrelanger aufopfernder Tätigkeit in den wohlverdienten Ruhestand. Schwester Monika Hauser wurde ihre Nachfolgerin.
ERÖFFNUNG EINES SCHWESTERNBÜROS
Einen Höhepunkt in der jüngsten Geschichte des Vereins bildete die Eröffnung eines Schwesternbüros im
Haus Reblaube an der Seestrasse 121 am 12. Juli 1988. Von Montag bis Freitag steht hier der Bevölkerung von 14 bis 15 Uhr 30 eine Gemeindeschwester für Ratschläge und kleinere ärztliche Hilfeleistungen zur Verfügung. Die Telefonzentrale stellt rund um die Uhr die Vermittlung der Hilfe sicher; Material und Krankenmobilien können nun zweckmässig gelagert werden.
Die Gemeindeschwester erteilt Ratschläge.
DANK
Am hundertsten Geburtstag gebührt den Gemeindeschwestern, ihren Stellvertreterinnen und allen Vorstandsmitgliedern, die sich für die häusliche Krankenpflege eingesetzt haben, der Dank der Bevölkerung und der Behörden für die meist jahre- und oft jahrzehntelange, engagierte, ja aufopfernde Tätigkeit im Dienste hilfebedürftiger Mitmenschen.
Jubiläum «100 Jahre Krankenpflegeverein Wädenswil», 1891−1991, Stand an der Gerbestrasse.
Auch die alten Schwesterntrachten kommen nochmals zu Ehren.
DER KRANKENPFLEGEVEREIN IM JUBILÄUMSJAHR 1991
Vorstandsmitglieder
Maria Christener, Eintrachtstrasse 17
Ruth Gisler, Luggenbüel
Ruth Hauser, Steinacher
Annie Hess, Glärnischstrasse 1
Susann Höhn, Gulmenhof
Ruth Huggel, Neuguetstrasse 14
Brigitte Müller, alte Steinacherstrasse 16
Isabel Schaltenbrand, Speerstrasse 54
Hanni Zollinger, Unterortstrasse 16
Das Pflegeteam im Jubiläumsjahr 1991.
Gemeindeschwestern im Vollamt
Margrith Kummer, Auerenstrasse 25
Monika Hauser, Freienbach
Gemeindeschwestern im Nebenamt
Dorothee Bürgi, General-Werdmüller-Strasse 13
Barbara Honegger, Rautistrasse 5
Vreni Lehmann, Rutenenweg 14
Erika Schoppmann, Speerstrasse 16
Rotkreuzhelferinnen
Marie Kurth, Unterer Baumgarten 35
Heidi Fink, Horgen