Ein neuer Wind kommt auf
«Um den Steinwüsten entgegenzuwirken, braucht es eine gute Planung», so Gerold Fischer. «Man sollte Grünflächen mit heimischen Gewächsen bepflanzen. In Wädenswil kann man beobachten, dass diesbezüglich neuerdings eine neue Linie verfolgt wird. Die neue Leiterin vom Bauamt ist eine ausgebildete Landschaftsarchitektin. Es kommt ein neuer Wind auf, und ein neues, grünes und gestalterisches Bewusstsein ist am Entstehen», freut er sich.
Inwiefern muss Landschaft geplant werden? «Eigentlich immer, vor allem bei Bauten in der Landschaft. Da gehören die Landschaftsarchitekten in die Planung, genauso wie alle anderen Beteiligten.
Sobald gewisse grosse und öffentliche Projekte geplant werden, gehören folgende drei wichtigen Sektoren mit eingebunden: Gartenarchitektur, Landschaftsgestaltung und Landschaftsplanung (die Ortsregionalplanung z.B. Zimmerberg oder sogar die Kantonalplanung).
Heute spezialisieren sich viele Studenten schon während des Studiums. Sie sollen dann mit Architekten im Hochbau oder mit Ingenieuren im Brückenbau zusammenarbeiten, wie dies damals bei der Aaretalquerung vonstatten ging. Dies ist ein gutes Beispiel einer Zusammenarbeit mit Ingenieuren. 13 Jahre lang haben wir an diesem Projekt gearbeitet. Kaum stand das Projekt, wurde es wieder geändert, da immer wieder Aspekte auftauchten, die berücksichtigt werden wollten. Bei Landschaftsgestaltungen ist das oft der Fall, weil so viel zusammenkommt, dem man Beachtung schenken muss.»
Wichtige Projekte
Die Rede ist von der Autobahnbrücke, beziehungsweise von der Aaretalquerung der A3 bei Schinznach-Bad. Bei der Planung ging es darum, die Autobahnbrücke in die Flusslandschaft einzugliedern und unter dem Bauwerk ein aquatisches System für Tiere und Pflanzen entstehen zu lassen.
Das Projekt war für Gerold Fischer, der stets um Anerkennung kämpfen musste, ein wichtiges und repräsentatives, aber auch eines, dass ihm viel Befriedigung brachte, da es die Natur miteinbezog.
Mit seinem 1971 gegründeten Büro für Landschaftsarchitektur gewann er anfangs zwei für seine weitere Tätigkeit entscheidende Wettbewerbe, den für die Zürcher Blumenschau und eben jenen für die Aaretalquerung.
«Unter der Autobahnbrücke haben wir ein aquatisches System erstellt, mit Teichen, und mit Fischtreppe, wozu das Wasser aus der Aare abgezweigt wurde. Die Böschungen bepflanzten wir mit einheimischen Pflanzen und legten zudem einen Weg an mit einer kleinen Brücke über das Flüsschen. Es gab da nachher Eisvögel und Wasseramseln! Oben war und ist die Autobahn und unten ein kleines Naturparadies. Fantastisch!»
Die Leidenschaft für den Beruf und die Rolle eines Pioniers
Gerold Fischers Büro wird schon seit geraumer Zeit von seinem Sohn Silvan geführt, doch die Leidenschaft für den Beruf hat ihn noch immer nicht verlassen. Darum und auch weil er sich manchmal verkannt fühlte, ist es ihm wichtig, dass die Leute erfahren, lesen, was er geleistet hat.
«Ja. Ich wünsche mir, dass der einfache Bürger mal liest, was ich gemacht habe. Zum Glück ist die Anerkennung eines Landschaftsarchitekten mit den Jahren gestiegen – endlich! Man hat erkannt, was diese Leistung wert ist und auch wie wichtig die Ausbildung ist. Heutzutage werden an der ITR Ingenieurschule Interkantonales Technikum Rapperswil Landschaftsbauzeichner und -architekten ausgebildet. In diesem Sinne hatte ich eine Pionierrolle. Als ich anfing konsultierend zu arbeiten, da ging ich weg vom Gartenbau zur Planung. Das brauchte viel Mut, Durchsetzungs- und Durchhaltevermögen. Ich konnte vom Gartenbaugeschäft meines Vaters noch einen Auftrag mitnehmen. Nachher habe ich fern davon nur auf Planung gearbeitet. Ich habe, was entscheidend war, Wettbewerbe gewonnen, wie zum Beispiel die schon erwähnte Blumenschau. Diese dann zu verwirklichen, brauchte viel Durchsetzungskraft. Wettbewerbe waren entscheidend, auch in Laienkreisen. Danach wurde ich oft für Blumen- und Pflanzenausstellungen als Berater hinzugezogen. Sich in diesem Berufsstand zu bewegen, erforderte enorm viel Einsatz. Ich erinnere mich noch an abfällige Kommentare, zum Beispiel von einem Nachbarn, der mich fragte, ob ich sein Spalier schneide. Der glaubte dann, dass ich nicht mehr arbeite, nur weil ich keine Gärtnerarbeiten mehr machen wollte. Ich erinnere mich auch an einige Architekten, die lieber ihre Lehrlinge mit der Gestaltung der Umgebungsarbeiten beauftragten».
Kenntnis der Pflanzen
Für den Beruf des Landschaftsplaners ist eine grosse Kenntnis über Pflanzen Voraussetzung. Wie sind ihre Bedürfnisse und was will ich mit ihrer Pflanzung erreichen? Natürlich sollte das auch ein Gärtner wissen. Daher kam es Gerold Fischer zugute, dass er eine Lehre als Gärtner absolviert hatte, um den Betrieb seines Vaters zu übernehmen.
Der Friedhof von Wädenswil
Eine weitere repräsentative Arbeit von Gerold Fischer ist der
Friedhof in Wädenswil. «Ja, der Friedhof ist wirklich schön geworden», sagt er nicht ohne Stolz. «Daran habe ich in verschiedenen Situationen gearbeitet. Darüber könnte man ein ganzes Buch schreiben. Die Gesamtgestaltung hat eine gotische Form. Der konzeptionelle Entwurf war sogar noch von meinem Vater. Er hatte für die Vergrösserung des schon bestehenden Friedhofs, diese gotische Form gewählt, weil der Friedhof ja auch ein sakraler Bau, respektive ein sakrales Objekt ist.
Ein Friedhof ist eine ganz eigene Materie, ganz anders als zum Beispiel ein Seeuferweg. Es zeigen sich da viele Anforderungen der Hydrologie, des Wassers, Grundwassers, und Abwassers. Das Wasser muss abfliessen können und Luft muss dazukommen. Dann sind da die Bestattungen. Wie viele gibt es in einem bestimmten Zeitraum und wo? Das muss alles bei der Gestaltung eingeplant werden.
Seit man mehr Gemeinschaftsgräber und Urnengräber hat, hat man mehr Platz, und darum wachsen die Friedhöfe nicht mehr.»