Weil die Statuten von 1865 keine Gültigkeit mehr haben, wird die Kadettengesellschaft aufgelöst. Die Kadettenkommission erhält den Auftrag, ein Regulativ betreffend die Schiessübungen der Kadetten auszuarbeiten. Dieses liegt im Mai 1878 vor und bestimmt in § 1: «Der Kadetten-Unterricht wird auf Schiessübungen beschränkt, welchen die Kenntnis und Handhabung des Gewehrs und nöthigenfalls Repetitionen der turnerischen Ordnungsübungen nach militärischem Commando voranzugehen haben. Die Schiessübungen sollen mit Armbrustschiessen beginnen und stufenweise zum Zimmerschiessen und Scharfschiessen übergehen.»
1879
Am Wädenswiler Turnfest für die Jugend beteiligen sich im Herbst 21 Kadetten, die sich am Nachmittag im Armbrust- und Zimmerschiessen messen.
1880
Am Ende des Semesters erhalten die Kadetten Schiessprämien in Geld sowie Diplome, wofür der Quästor aus der Kasse einen Betrag von 50 Franken frei gibt.
1881
Anlässlich des Schlussmanövers wird «wieder das übliche Minensprengen» durchgeführt: Hinter der Scheibe wird eine Mine aufgestellt, welche bei gutem Treffer explodiert.
1882
Die Fasnachtsgesellschaft Schönenberg stellt das Gesuch «um Verabreichung von 25 Kadettengewehren zur Aufführung des Bockenkrieges. Sehr ungern tritt man auf dieses Gesuch ein und wäre eher geneigt, dasselbe abzuweisen im Interesse besserer Erhaltung der Waffe. Um aber auch äusserlich das nachbarliche Verhältnis nicht zu beeinträchtigen und in Berücksichtigung, dass Wädensweil mit Schönenberg mehr als mit den andern Nachbargemeinden zusammengehört, wird dem Gesuch entsprochen.»
1883
Die Wädenswiler Kadetten tragen wieder eine neue Uniform: blaue Militärbluse mit Umlegkragen, fünf Knöpfen und roten Auszeichnungen auf Kragen und Ärmel, dazu die Winterthurer Kadettenkappe. Die Militärdirektion bewilligt auf Gesuch für alle 67 Kadetten je 45 scharfe Patronen. Anschaffung von sechs neuen Armbrüsten. Das Unterrichtstableau zeigt, dass der Unterricht sich immer noch auf «Soldatenschule, Schiessen und Marschübungen mit Tiraillieren» beschränkt.
1884
Ausmarsch mit Schiessen in Hütten. Als Verpflegung wird Wurst, Brot und Most abgegeben.
1885
Das Korps besteht aus 41 älteren und 10 jüngeren Kadetten. Teilnahme am Kadettenfest in Horgen, organisiert zum 50jährigen Bestehen des dortigen Korps. Einige Kadetten aus der 3. Sekundarklasse wünschen von den Übungen am Samstagnachmittag dispensiert zu werden. Da sich solche Gesuche mehren würden, gibt die engere Kommission abschlägigen Bescheid.
1886
Rock und Kappe sind für die Kadetten obligatorisch. Ohne Beiträge aus der Kasse kann keine einheitliche Beinkleidung verlangt werden. Als Präsidenten der Gesamtkommission wie der engeren Kommission wählt die Gesamtkommission Hptm Jean Schnyder. Die Trommeln dürfen in Zukunft nur noch für den Kadetten- und Schuldienst verwendet werden. Da sie auch der Turnverein und die Rekruten benützt haben, sind Schäden entstanden.
1887
Durch das Anbringen von Stahlbögen können die sechs alten Armbrüste wieder schiesstüchtig gemacht werden. Ausmarsch nach Hütten, verbunden mit einem Zielschiessen auf die Meterscheibe und ausgeschnittene Mannsfiguren, Distanz 150 Meter. Die engere Kommission hält am früheren Entscheid fest, dass nur Knaben ins Kadettenkorps aufgenommen werden, die nicht vom Turnunterricht dispensiert sind.
1888
Das Korps zählt 20 Armbrustkadetten und 33 Gewehrkadetten. Coiffeur Heinrich Funk instruiert die Tambouren.
1889
Die Wädenswiler Kadetten besuchen vom 19. bis 21. August das Kadettenfest in Aarau, organisiert zur 100-Jahr-Feier des dortigen Korps. Da im Vorfeld etliche Bedenken geäussert worden sind − Strapazen, Massenquartiere, zu junge Armbrustkadetten für ein dreitägiges Fest − haben die Eltern die Einwilligung zur Teilnahme geben müssen. Die Leistungen der Wädenswiler werden in Aarau allgemein anerkannt.
1890
1891
Gemeinsames Schiessen mit den Korps von Rüti und Horgen in Wädenswil. Verkauf von vier Bollingerschen Armbrüsten, die nicht gebraucht werden, dafür Ankauf von fünf Flobertgewehren.
1892
Wenige Stunden vor der Sitzung der Gesamtkommission erliegt am 6. April der Präsident, Hptm G. Brupbacher, einem Schlaganfall. Am Ausmarsch wird auf dem Rossberg in militärischer Art abgekocht. Das kantonale Kriegskommissariat liefert hiefür Gamellen, Kochgeschirr und Kochgeräte. Als Proviant werden beschafft: 20 Kilogramm Fleisch ohne Knochen, 20 Kilogramm Brot und 25 Liter Wein.
1893
Durch den regen Gebrauch haben die mehr als zwanzig Jahre alten Kadettengewehre stark gelitten. Gute Resultate sind unmöglich geworden; die Geschosse schlagen teilweise quer in die Scheiben ein. Der Waffenkontrolleur der 6. Division soll sein Urteil abgeben, dann wird die Kommission über das weitere Vorgehen entscheiden.
1894
Am 29. September findet der traditionelle Ausmarsch nach Hütten statt. Nach dem Schiessen erhalten die Kadetten im Hotel Kreuz Wurst, Brot und Wein.
1895
Die Reparatur hat die Spannkraft der vier Armbrüste geschmälert. Daher sollen leichtere Pfeile angeschafft werden.
1896
In der Gesamtkommission wird wieder einmal die Auflösung des Kadettenkorps diskutiert. Da sich die Instruktoren Lattmann und Knabenhans erneut zur Verfügung stellen, entschliesst man sich weiterzumachen. Statt des Ausmarsches nach Hütten findet ein Endschiessen im Stand Steinacher statt. Mit der dortigen Wirtschaft wird vereinbart, dass jeder Kadett zwei Deziliter Rotwein und eine Wurst mit Brot erhält.
1897
Erneut steht zur Diskussion, ob das Korps fortbestehen oder aufgehoben werden soll. Man ist der Ansicht, das Kadettenkorps habe in seiner jetzigen Form «seinen Werth zum grössten Theil eingebüsst»: Manche Knaben sind für den militärischen Unterricht zu jung; reifere Jünglinge können den militärischen Vorunterricht besuchen. Das neue Exerzierreglement für die Armee verlangt zudem gegenüber früher einschneidende Änderungen. Die ausgebrauchten Gewehrläufe verunmöglichen zur Zeit Übungen im scharfen Schuss. Die Kommission entscheidet sich zum Weitermachen, doch sollen neue Gewehre angeschafft werden.
1898
Das Korps wird mit 50 Kleinkaliber-Gewehren Modell 97 ausgerüstet. Für Sekundarschüler wird die bisherige Uniform beibehalten; Sechstklässler tragen die Mütze, aber keinen Waffenrock. Am Ausmarsch nach Hütten, verbunden mit einer Schiessübung, nehmen am 2. Oktober 57 Kadetten teil. Als Inspektor amtet Maj
Walter Wyssling, Mitglied der Kadettenkommission. Nach Schluss der Übung wird jedem Teilnehmer in der
«Krone» eine grosse Wurst mit Brot und Wein serviert.
1899
Anstelle des Ausmarsches am Ende des Jahres wird bei der Säge Schönenberg eine eintägige Schiessübung durchgeführt. Das Frühstück wird in der Sonne» Schönenberg gefasst, das Mittagessen besteht aus Rindsbraten, Kartoffeln und einem Glas Wein.
1900
Im Hortlokal des alten Eidmattschulhauses lagern gemäss Inventar 50 Gewehre Modell 97, 50 Schraubenzieher, 50 Schnüre, 50 Lagerreiniger, 5 Fettbüchsen, 21 neue und 42 alte Patronentaschen, 3 Säbel, 1 Fahnenbandelier, 6 Flobertgewehre und 582 scharfe Patronen.
1901
Die Verordnung über die Abgabe und Kontrolle des Kadettengewehres Modell 1897 und den Schiessunterricht der Kadettenkorps vom 19. April bestimmt unter anderem: «Zu den Schiessübungen dürfen nur Kadetten zugelassen werden, welche das 14. Altersjahr zurückgelegt haben, bzw. solche, die im betreffenden Kalenderjahr ihr 14. Altersjahr zurücklegen. Kadetten vom 14. bis 16. Altersjahr haben mit Kadettengewehren zu schiessen. Vom 17. Altersjahr an ist die Benützung des Infanterie-Ordonnanzgewehrs Modelle 1889/96 gestattet. Das Schiessen hat nach den im Militärdienst gültigen Vorschriften und auf Grund eines vom Militärdepartement festzustellenden Schiessprogrammes zu erfolgen.»
1902
Lehrer J. Lattmann bestätigt, dass beim Armbrustschiessen im Jahre 1902 total 1600 Schüsse abgegeben worden sind. Mit 1560 Treffern liegt die Quote bei 97,5 Prozent.
1903
Am grossen Kadettenmanöver in Effretikon präsentiert sich das nunmehr 50 Jahre alte Korps in neuer Montur. Das Jubiläum wird am 23 Oktober gefeiert: mit Endschiessen im Steinacher, Rückmarsch ins Dorf unter den Klängen des
Musikvereins Harmonie, Schiessen der Armbrustkadetten. An der abendlichen Jubiläumsfeier im «Engel»-Saal halten Notar Nägeli, Präsident der Kadettenkommission, Gemeindepräsident Heinrich Rusterholz und Oberinstruktor Hptm Paul Schnyder in ihren Ansprachen Rückschau auf das erfolgreiche Korps und würdigen die Vorteile, welche das Kadettenwesen mit sich bringt.
1904
Das Jubiläum von 1903 bewirkt in der Rechnung einen Rückschlag von Fr. 362.35. Das Vermögen vermindert sich dadurch auf Fr. 4273.80. Ein Ausmarsch mit Gefechtsschiessen zum Abschluss des Unterrichts führt in den Raum Chalchtaren, Stocken, Bachgaden, Schlieregg und Rechberg. Jeder Kadett verschiesst zehn blinde Patronen.
1905
Anstelle des zurückgetretenen Lehrers J. Lattmann übernimmt dessen Kollege Willy Zürrer die Instruktion des Armbrustschiessens. Als Dank für seine langjährigen Dienste erhält Instruktor Lattmann eine Tellstatuette.