Das ist eine ganz besondere Art Originale. Sie nützen ihre Lage, ihre Benachteiligung – manche von ihnen sind arm, haben eine schlechte Schulbildung, sind verwachsen, invalid usw. – zu ihren Gunsten aus. Die einen verschaffen sich Vorteile auf harmlose, naive, entwaffnende Art, andere wiederum führen ihre Umgebung schamlos an der Nase herum. Jede Art soll an einem Beispiel dargestellt werden.
Der harmlose Schlaumeier
Mit einem armen Kerl machte man immer wieder folgenden Spass. Man zeigte ihm einen Fünfziger und einen Zehner und forderte ihn auf, eines der beiden Geldstücke zu nehmen, er dürfe es behalten. Er schaute die beiden Münzen aufmerksam an und nahm dann stets die grössere, den, Zehner, sehr zur Freude des Publikums. – Da fragte ihn einmal einer seiner Kameraden, ob er denn wirklich nicht wisse, dass der kleinere Fünfziger mehr Wert habe als der grössere Zehner. Dem gab er zur Antwort: «Meinsch eigetli, ich sei blööd, natüürli weis i daas au. Aber chasch guet sicher sii, wänn i nu es einzigs Maal de Füfzger neem, miechet die Lüüt das Spiili nie mee. So chumi doch allpott zum ene Zääner.»
Der schamlose Schlaumeier, der Erzbetrüger: Baschli Eimer
Er lebte im 17. Jahrhundert, stammte aus Betschwanden im Glarnerland und gab als seinen Beruf Schatzgräber an. Zu jener Zeit war die Schatzgräberei besonders auf dem Lande weit verbreitet, übrigens bis ins letzte Jahrhundert hinein. Eine ihrer Ursachen war die unglaubliche Armut der damaligen Landbevölkerung.
Baschli Eimer trieb sein Unwesen unter anderem auch in Richterswil und in Wädenswil. Über seine Taten und Untaten in unserer Gegend ist man recht gut informiert durch das protokollierte Verhör des Landvogts auf dem Schloss und durch den Beschluss des Rates der Stadt Zürich vom 22.März 1679. Beide Dokumente sind erhalten geblieben. (Quelle: Emil Hiestand; Sagen, Erzählungen, Sitten und Bräuche aus der Gegend von Richterswil; 1959, 1976).
Eines kalten Winterabends kam Baschli Eimer ins Haus des Schneidermeisters Hiestand in Richterswil. Er setzte sich in der Stube auf die Bank, schaute den Leuten beim Spinnen zu und sagte dann: «Ihr guete Lüth, wie habet ihr so eine schwere Arbeit; ihr habet underem Hus ein Schatz; da liegt im Boden viel Silber und Gold, wolte ine könen fürhin thun, er lige nit tieff im Boden, sy könnend ime hälffen graben. Er syge vor etwas Jahren allhier gsyn und gesehen under ihr Husthür eine wysse Frauw sitzen, mit zwei silbernen Schlüsslen, reise nachtszyth von ihrem Hus zu ihrer Scheur, sy befinde sich aber mehr by dem Hus dan by der Scheur, willen der Schatz underem Hus lige.» Weiter erzählte er, er habe auch auf dem Albis einen Schatz gegraben, den schon viele Leute vor ihm gesucht hätten, nur leider alle am falschen Ort. Weiter «habe er dem Heinrich Schnyder in Gewad zu Wädenschwyl, auch dem Meister Heinrich Wymann, Färber von Richterschwyl, zwei Schätze graben, darum könnten die beiden also vile Güter kauffen und usszahlen». Dann rühmte er sich, «er mangle des Gelts nützit, habe guth, sovil er wölle und daheim ein richer Vatter, er und die Synigen habendt 50 Kühe, 60 Schaf, 90 Geissen». Als man ihn fragte, weshalb er denn so schlechte Kleider trage, antwortete er, er «müesse deemüetig kleidt kommen, sonsten litte es der Geist nit». Weiter behauptete er, er beherrsche sieben Sprachen, «seyge in hohen Schulen gesyn, habe zu Meylandt noch einen Bruder, der seyge ein Apenteger (Apotheker), by demselbigen habe er studiert ... usw. und etwas später, er könne sich auch gefroren machen».