Da beinahe die Hälfte aller Brunnen und Sodbrunnen im Dorf verunreinigtes Wasser lieferten, stellte sich seit den 1860er Jahren – unter dem Eindruck einer Cholera-Epidemie – die Frage, wie das wachsende Wädenswil mit sauberem Quellwasser versorgt werden könnte. Am 19. Januar 1872 beschloss die Sparkassagesellschaft, mit einem Kredit von 2000 Franken ein «Unternehmen für die Versorgung des Dorfes mit Trinkwasser» zu gründen. Der zugezogene Zürcher Ingenieur Burkhard untersuchte die Quellenverhältnisse in der Umgebung des Dorfes und riet schliesslich, die im Gemeindegebiet Richterswil gelegenen Mülenen-Quellen zu erwerben. 1876 waren die Kaufverträge unterzeichnet, und auf Jahresende konstituierte sich eine Aktiengesellschaft. 146 Aktionäre zeichneten das für die Errichtung der Wasserversorgung nötige Kapital von 120‘000 Franken.
Der 1931 abgebrochene Kronenbrunnen. Im Hintergrund das Haus Merkur.
In Mülenen wurde eine Quellfassung und ein Pumpenhaus gebaut, im Dorf entstand ein Leitungsnetz, und auf dem Bühl ob Wädenswil wurden zwei Reservoire errichtet, die zusammen 328 Kubikmeter Überschusswasser speichern konnten. Für das Feuerlöschwesen wurden 68 Hydranten an die Leitung angeschlossen und auf dem Weinrebeplatz, wo das Leitungsnetz ausgespült werden konnte, errichtete man einen Spingbrunnen. Am 1. Februar 1878 nahm die «Quellwasserversorgungs-Gesellschaft Wädensweil» ihren Betrieb auf. Die beiden von der Lokomotivenfabrik Winterthur konstruierten Pumpen hoben das Quellwasser aus rund sechs bis sieben Metern Tiefe und beförderten es ins Leitungsnetz. Die Zahl der Bezüger stieg rasch: 1878 waren es 212 Abonnenten, darunter 5 Gewerbebetriebe, 1897 bereits deren 432. Seit 1880 war auch die Gemeinde Richterswil ans Wädenswiler Pumpwerk angeschlossen. Die «Quellwasserversorgungs-Gesellschaft» versah immer mehr öffentliche Aufgaben, so dass sich die Politische Gemeinde Wädenswil entschloss, die Rechte und Pflichten der Aktiengesellschaft auf den 1. Januar 1901 zu übernehmen.
Seit den 1920er Jahren beklagten sich die Bewohner des Au-Gebietes, welche an die private Wasserversorgung von Gottlieb Haab im Steinacher angeschlossen waren, über die Qualität des gelieferten Quellwassers. Die Behörden schufen Abhilfe: Am 3. April 1927 beschloss die Gemeindeversammlung den Erwerb des privaten Leitungsnetzes und des Reservoirs Langwis sowie den Bau eines Pumpwerks am Fusse des Au-Hügels.
Nachdem die Trinkwasserverhältnisse im Gebiet der Au saniert waren, drängte sich eine Lösung für den Wädenswiler Berg auf. 1934 erwarb die Gemeinde die private, längst nicht mehr genügende Bergwasserversorgung, baute das Versorgungsnetz grosszügig aus und liess auf der Schlieregg ein Reservoir erstellen. [pzi]