Nach Erich Fromm, dem Sozialpsychologen, ist eines der wichtigsten Ereignisse des 20. Jahrhunderts «Der Aufbruch der Frauen auf ihren eigenen Weg». Diesen Weg zu finden, ist jedoch nicht immer einfach, und die Frauen müssen sich vermehrt fragen: wer bin ich, und was will ich? Dies besonders, wenn es heisst, zwischen Mutterschaft und Berufstätigkeit zu wählen, oder auch, wenn nach der familiären Phase wieder Zeit für Tätigkeiten ausserhalb der Familie frei wird. Ob man nun zurück in den Beruf geht, ob man sich für Aufgaben in der Gemeinde einsetzt, sei dahingestellt. Wichtig ist, dass Frauen an der Gestaltung dieser Welt mitwirken.
Der Einstieg in die Politik ist eine Möglichkeit, sich aktiv am Geschehen in dieser Welt zu beteiligen. Der Gedanke, sich politisch zu betätigen, ist vielen Frauen noch fremd. Es ist jedoch ausserordentlich wichtig, dass Frauen ihre Erfahrungen, Ideen und Überzeugungen in politischen Fragen einbringen. Sie sehen eine Sache oft aus einem anderen Gesichtswinkel, setzen andere Prioritäten und gewichten dadurch ein Problem anders. Auch urteilen sie ganzheitlicher und beziehen den Mitmenschen in die Überlegungen ein. Die mitmenschlichen Beziehungen sind für sie wichtig.
So sollten Sachlichkeit und Realität mit Mitfühlen und Wärme verbunden werden, da beides wichtig und erforderlich ist. Auf der einen Seite brauchen wir Verstand und Durchsetzungsvermögen, um einer Sache zum Durchbruch zu verhelfen. Andererseits ist aber auch Anteilnehmen, sich in die Situation des anderen Einfühlen und Verständnis zeigen können, von grösster Wichtigkeit und Voraussetzung, um menschlich gerechte Lösungen zu treffen. Die mangelnde Fähigkeit der Kommunikation und der Identifikation mit dem Mitmenschen sind häufig ein Grund dafür, dass aneinander vorbeigeredet wird, dass man sich nicht versteht. Dabei spielt sicher die Familie eine bedeutende Rolle. Hier können mitmenschliches und soziales Interesse und Verhalten gelernt und gefördert werden. Die Familie wurde nicht umsonst schon von den Römern als «Staat der Kleinen» bezeichnet. Hier, wie auch in der Politik, ist es wichtig, dass wir wieder lernen, aufeinander zuzugehen, den Partner und Mitmenschen ernst nehmen und den eigenen Egoismus hintanstellen. Wer Familie und Gesellschaft dienen will, stellt die eigene Person hinter die Sache zurück. Das Wohl der Gemeinschaft – das Wohl aller Menschen, die in dieser Gemeinschaft leben -, ist entscheidend.
Sitzen wir nicht alle im gleichen Boot, und sind wir nicht alle aufeinander angewiesen? Wir brauchen unsere ältere Generation, um von ihren Lebensweisheiten und Erfahrungen profitieren zu können. Wir brauchen die Jungen, um von ihrer Ideenvielfalt, Begeisterung und Spontanität angesteckt zu werden. Es gibt keinen Zweifel: jeder braucht jeden.