Neben den oben aufgeführten Beispielen offener Jugendarbeit und Projekten mit privaten Initiantinnen und Initianten engagieren sich in Wädenswil weitere Institutionen in der organisierten Jugendarbeit, in Vereinen sowie kirchlichen Jugendangeboten.
Die Koordination der gesamten Jugendarbeit wurde deshalb 2006 auch ein politisches Anliegen. Mit dem Postulat von Giuseppina Spescha (CVP) und Meike Nau Lüber (SP) vom 3. Juli 2006, das eine Koordination der Angebote für Kinder und Jugendliche einschliesslich der familienergänzenden Betreuungsangebote forderte, wurde die Diskussion um ein mögliches neues Gesamtkonzept geführt. Die dazu erstellte externe Expertise erkannte, dass die traditionellen Sozialisationsinstanzen Familie, Schule, Kirche und Vereine durch ein neues Feld erweitert worden waren. Stichworte waren die zunehmende Individualisierung und das Aufbrechen enger Normenrahmen, in denen sich Kinder und Jugendliche bewegten. Neue Erziehungsformen, aber auch das sich wieder verändernde Erwerbsverhalten der Eltern in Anbetracht einer kulturell zunehmend gemischten Gesellschaft sowie der zunehmende Einfluss von Massenmedien, Werbung und Konsumangeboten werden in diesem Bericht besonders hervorgehoben. Sie verlangen nach neuen Angeboten für Kinder und Jugendliche ausserhalb der oben genannten traditionellen Sozialisationsinstanzen.
Dieser Veränderung hatte die Stadt Wädenswil bis dahin bereits Rechnung getragen. Das Team der offenen städtischen Jugendarbeit erhielt mehr Stellenprozente und ein Jugendtreff in der Au wurde schon in den Jahren davor als nötig erkannt und umgesetzt.
Neu sollten nun die verschieden gewachsenen, teils mit unterschiedlichen Motivationen, doch ähnlichen Zielsetzungen vorhandenen Jugendangebote koordiniert werden.
Das diesbezügliche Angebot in der Stadt Wädenswil (2006) umfasst:
Städtische Jugendarbeit, Schulsozialarbeit (Primar- und Oberstufenschule), familienergänzende Angebote (Horte, Mittagstische, Krippen), kirchliche Freizeitangebote, Jugendangebote der Sportvereine und weiterer Verbände.
Die Stadt Wädenswil entschied sich, den Empfehlungen der Expertise nicht zu folgen und keine zentrale Stelle «Kind und Jugend» zu schaffen. Die familienergänzenden Betreuungsangebote werden weiterhin nach Primar- und Oberstufenschule getrennt geführt, dies nicht zuletzt auch, weil die Zusammenführung der beiden Schulen vom Stimmvolk abgelehnt worden war. Eine engere Zusammenarbeit im Bereich der Schulsozialarbeit wurde beschlossen und schliesslich auch die Schaffung der Stelle Leitung Jugend/Jugendkoordination auf den 1. Juli 2008 , der Abteilung Schule und Jugend unterstellt.
Aufgabe des Jugendkoordinators (Stelleninhaber ist Michael Bänninger, der 2010 auf Ivica Petrušić folgte) ist die Koordination der Jugendangebote der Stadt Wädenswil. Neben der Vernetzung von Verwaltung und Politik ist dieser Ansprechperson für weitere Organisationen, die Jugendarbeit in Wädenswil betreiben.
Der Jugendkoordinator koordiniert konkrete Projekte und unterstützt die Jugendkommission administrativ. Auch wenn keine übergreifende Koordinationsstelle wie von den Postulantinnen gefordert, umgesetzt wurde, so ist mit der Schaffung des Jugendkoordinators doch ein wichtiges Mandat zur Koordination und Vernetzung in Verwaltung und Politik entstanden. Der Jugendkoordinator arbeitet zudem weiterhin in der Jugendarbeit und garantiert so den Kontakt zur Basis und deren Anliegen. Die Jugendarbeiterinnen und Jugendarbeiter im Gegenzug können sich durch die Schaffung dieser Stelle ganz auf ihre Arbeit in der offenen Jugendarbeit der Stadt Wädenswil konzentrieren.
In den vergangenen Jahren wuchsen die Qualität der Jugendarbeit sowie das Bewusstsein der Stadt um die Wichtigkeit der Jugendarbeit in Wädenswil.
Für die Jugendkommission brachte diese Neuorganisation eine Entlastung im operativen Bereich. Viele organisatorische und administrative Aufgaben werden nun durch den Jugendkoordinator ausgeführt. Dieser wiederum hat die Möglichkeit, für die Jugendarbeit wichtige Themen in die Jugendkommission zu tragen. Hier kann die Jugendkommission Themen bündeln, Prioritäten setzen und ihre Aufgabe als beratendes Gremium des Stadtrates wahrnehmen.