«Bütsch» war kein Freund der Theorie. Während mehrerer Aufenthalte im für seinen Marmor bekannten Carrara in Italien erlernte er die Bildhauerei von erfahrenen Meistern des Handwerks. Sein Wissen gab er gerne weiter. Im Rahmen des Ferienpasses bot er über Jahre Kunstkurse für Schüler an. Eines dieser Projekte war die bis heute bunte Treppe, die in der Au vom Landgasthof zwischen den Reben in Richtung Bahnhof Au führt. Immer wieder gewährte der gesellige «Bütsch» der Bevölkerung Einblick in seine Schaffensprozesse, etwa indem er seine Werkstatt kurzerhand auf dem
Wädenswiler Seeplatz einrichtete. Er genoss es, mit den Passanten über seine Arbeit zu sprechen und ihnen seine Arbeitsweise zu erklären. Berührungsängste kannte er nicht.
Doch Urs Burkhardt war nicht «nur» Künstler. So setzte er sich Ende der 80er-Jahre mit der IG Rosenmattpark dafür ein, dass der Park belebter wurde. Daraus gingen unter anderem die bis heute stattfindenden
Filmnächte hervor, die jeweils von seinen Neffen Ueli und Martin Burkhardt organisiert werden. Mit Letzterem und dessen Frau teilte «Bütsch» seit knapp einem Jahrzehnt ein Haus. Er war ein Familienmensch, der den Kontakt mit seinen zahlreichen Freunden, Nichten und Neffen schätzte und pflegte. Dies verband er gerne mit seiner Leidenschaft fürs Kochen und dem gemeinsamen Essen. Weniger bekannt ist, dass das Wädenswiler Original auch eine musikalische Ader hatte und einst mit dem ehemaligen Dorfpolizisten Max Bodmer in einer Jazzband spielte.
In den letzten zehn Jahren kämpfte «Bütsch» immer wieder mit gesundheitlichen Problemen, die sich im vergangenen Juni verschlimmerten. Am 15. Dezember starb er 74-jährig im Kreis seiner Familie im
Alterszentrum Frohmatt. «Mit ‹Bütsch› verliert Wädenswil nicht nur einen herausragenden Künstler, sondern auch eine sehr liebenswürdige Persönlichkeit», sagt Stadtpräsident Philipp Kutter. Ihm werde immer in Erinnerung bleiben, wie Burkhardt im Sommer jeweils mit seinem Töff die Plakate der Filmnächte abfuhr, um die «Heute Abend»-Kleber anzubringen.