Der erfahrene und geachtete Gemeindeschreiber von Wädenswil war Präsident des Vereins zürcherischer Gemeinderatsschreiber und Verwaltungsbeamter; er betreute den Formularverlag, schuf den Fachschriftenverlag, hielt Vorträge, schrieb ein Rechtsbuch und unzählige Aufsätze.
Von den vielen Aufgaben, die Gemeinderatsschreiber Emil Bader zu bewältigen hatte, seien hier nur einige wenige herausgegriffen: die Verschmelzung der Primarschulgemeinde mit der Politischen Gemeinde (1943/44), das Kanalisationsprojekt (1947), die Einführung des Busbetriebes (1953) und die neue Gemeindeordnung, die am 4. März 1973 von den Stimmberechtigten angenommen wurde und in Wädenswil die Grundlage legte für den Übergang zur ausserordentlichen Gemeindeordnung mit Parlamentsbetrieb. Mit voller Überzeugung setzte sich Emil Bader in den Nachkriegsjahren für die Ansiedlung neuer, vielseitiger Industrien und für die Schaffung einer guten Infrastruktur ein. Immer wieder betonte er, Wädenswil müsse kulturelle Eigenständigkeit bewahren, dürfe nicht zur Schlafgemeinde werden.
Kulturelle und künstlerische Belange bedeuteten Emil Bader viel. Eigentlich hatte er ja Schauspieler werden wollen. Seine Eltern hatten indessen gefunden, er solle zuerst einen «anständigen» Beruf erlernen, damit er wenigstens sein Brot verdienen könne. So entschied sich Emil Bader für die Beamtenlaufbahn; die Leidenschaft für das Theater aber blieb – seit den ersten Theateraufführungen im Turnverein Affoltern bei Zürich – bestehen, wurde zum grossen Hobby. 1938 verfasste er das Festspiel «Bi öis am See», das am Kantonalturnfest auf Ödischwend in Wädenswil aufgeführt wurde und grosse Freude und Begeisterung auslöste.
Auf Initiative von Emil Bader schlossen sich am 1. September 1945 einige Theaterbegeisterte zur Spielgemeinschaft
«Freunde des Volkstheaters Wädenswil» zusammen, um das kulturelle Leben der Gemeinde mit guten Volkstheateraufführungen auf der neuen Engel-Bühne zu bereichern. Während vieler Jahre amtete Emil Bader als Obmann der erfolgreichen Wädenswiler Laienspieler. Er übernahm in zahlreichen Inszenierungen die anspruchsvolle Hauptrolle, und er übersetzte für die Wädenswiler eine Vielzahl von Stücken in träfe Züricher Mundart. Im Jahrbuch 1985 hat Emil Bader auf «40 Jahre Freunde des Volkstheaters Wädenswil» Rückschau gehalten. Hier findet sich auch das beeindruckende Verzeichnis der 17 in Wädenswil aufgeführten Mundartübersetzungen von Emil Bader, die Liste der auswärtigen Gastspiele, der Radio- und Fernsehaufführungen.
Zu Emil Baders grossen Erfolgen zählte die Aufführung seiner Mundartbearbeitung von Carl Zuckmayers «Katharina Knie» im Jahre 1969. Der weltberühmte Dichter selbst wohnte der Premieren-Aufführung des Stückes bei und schrieb am 21. Januar 1969 an Emil Bader: «Lieber Herr Bader, nochmals: Dank für diesen Abend und Ihren ganz prächtigen Vater Knie! Mir ist das alte Stück, in der neuen Mundartfassung, wieder ganz lebendig geworden. Mit den besten Wünschen, vor allem auch für Ihre Gesundheit, und in aufrichtiger Bewunderung, Ihr Carl Zuckmayer.»
1957 ernannten die Freunde des Volkstheaters ihren Gründer zum Ehrenobmann. Der Zentralverband Schweizer Volksbühnen und der Bund Schwiizertütsch verliehen Emil Bader die Ehrenmitgliedschaft; der Zürcher Regierungsrat überreichte ihm 1973 den kantonalen Literaturpreis für Theaterarbeit und Mundartbearbeitungen.
Zusammen mit Frau Margrit Bader und der Tochter Gret, zusammen mit Verwandten und Bekannten nahm am 6. April 1987 eine ausserordentlich grosse Trauergemeinde in der reformierten Kirche Abschied von Emil Bader, dem liebenswürdigen, feinfühligen und vielseitig begabten Menschen, dem Wädenswil viel zu verdanken hat.