Mit sieben anderen Gemeinden des Kantons Zürich ist Wädenswil im Frühjahr 1974 Stadt geworden. Der Wechsel von der ordentlichen zur ausserordentlichen Gemeindeorganisation (parlamentarisches System) hat zu dieser Änderung der Bezeichnung geführt. Der Abschied vom wohlvertrauten Dorf fällt schwer. Noch jahrelang wird die alteingesessene Bevölkerung im «Dorf» einkaufen und die Amtsgeschäfte im der «Gemeindekanzlei» erledigen. Das ist nicht nur verständlich, das ist sogar gut so. Jahrzehntelanger Wortgebrauch lässt sich nicht plötzlich ändern − auch nicht durch eine systembedingte Notwendigkeit. Ob man sich wohlfühlt in der Wohngemeinde, hängt nicht von der Bezeichnung ab. Andere Faktoren entscheiden diese Frage. Wohnlage, Verkehrswege und Verkehrsmittel, Arbeitsplatz, Schulen, Einkaufsmöglichkeiten, Sport und Freizeit, Kulturelles sind ausschlaggebende Kriterien für die einen, allein das gute oder schlechte Verhältnis zum Nachbarn vielleicht für die anderen. So bunt wie die Bevölkerung einer Stadt zusammengewürfelt ist, so breit gestreut sind wohl die Ansichten zu diesen vielschichtigen Fragen.
Der enorme Bevölkerungszuwachs in den vergangenen Jahren hat viele Neuzuzüger nach Wädenswil gebracht. Neue Wohnsiedlungen sind entstanden, und die grünen Wiesen, die vor kurzem noch zwischen Dorf und Au wertvollen Erholungsraum bedeuteten, sind jetzt überbaut.
Die Gewöhnung an eine andere Umgebung an andere Mitbewohner und Nachbarn, und an die neue Wohngemeinde ist nicht einfach. Es braucht Zeit, auf beiden Seiten Verständnis und ein wenig Mut, den ersten Schritt zu tun. Das
«Jahrbuch der Stadt Wädenswil» versucht in diesem Sinne, die Wohngemeinde näherzubringen, ihre Probleme aufzuzeigen und über das Geschehen in der Stadt zu informieren. Es ist zu hoffen, dass es den beiden Redaktoren,
Peter Ziegler und Peter Friedli mit ihrem
ersten Werk gelingt, das Verständnis für unser Gemeinwesen in breiten Kreisen zu wecken und zu vertiefen. Der Versuch ist das Risiko wert.
Wädenswil, 3. November 1975