Offensichtlich wurde er nicht enttäuscht: Im letzten Band seiner gesammelten Werke, die 1850 erschienen, beschreibt er unter dem Titel «Die Komödie in Wädenschwyl am Zürichsee» seinen Ausflug mit allen saftigen Details. «Wädenschwyl, man nennt es scherzhaft Klein-Paris, ist reich, elegant und obgleich liberal oder radikal, doch nicht ohne die aristokratischen Gelüste des Reichtums», kommentierte er.6 Gottfried Keller, der heute als einer der wichtigsten Erzähler des Realismus gilt und Ruge nachweisbar kannte, liess sich davon zu «Kleider machen Leute» inspirieren. In seiner Version entspringt der Schauplatz Goldach allerdings der Fantasie des Autors. Mit Wädenswil hat er kaum etwas gemein bis auf die stattlichen Häuser, die Sinnbilder und fantasievolle Namen tragen – ein Stil, der noch weit verbreitet war, als Keller seine Novelle schrieb. Trotzdem glaubt man das Wädenswil des ausgehenden 19. Jahrhunderts durchaus präzis beschrieben, wenn Keller jene Goldacher nennt, die auf den Betrüger hereinfallen: «Diese Leute waren nichts weniger als lächerlich oder einfältig, sondern umsichtige Geschäftsmänner, mehr schlau als vernagelt; allein da ihre wohlbesorgte Stadt klein war und es ihnen manchmal langweilig darin vorkam, waren sie stets begierig auf eine Abwechslung, ein Ereignis, einen Vorgang, dem sie sich ohne Rückhalt hingaben.»7 Und wer weiss: Vielleicht haben Keller ja die Wädenswiler und Richterswiler Fasnachtskomödien angeregt, ausführlich eine Schlittenausfahrt zu schildern, während der der Hochstapler in der Novelle schliesslich von Fasnächtlern entlarvt wird.
Paul Felix (1885-1958), porträtiert von Ernst Denzler.
Adrian Scherrer