Terror, Spionage und Geiselnahmen prägten zum Teil die siebziger Jahre. Im Oktober 1973 hielt der Jom-Kippur-Krieg die Welt in Atem.
In den 1970er Jahren standen in der Schweiz und in Wädenswil wichtige Entscheide an. Die Kavallerie wurde abgeschafft; die Schweiz erhielt Hunter und Panzer 68. Die Stimmberechtigten des Kantons Zürich beschlossen 1975 die Verlegung des Waffenplatzes Zürich ins Reppischtal. Grosse Genugtuung verspürte man in der OG Wädenswil über die am 4. Dezember 1977 massiv verworfene Münchensteiner-Initiative für die Schaffung eines zivilen Ersatzdienstes. Ebenso befriedigt war man 1978 von der Annahme des Kredites für den Bau der neuen Wädenswiler Schiessanlage auf Beichlen.
Besorgt stellte man dagegen in der Offiziersgesellschaft fest, dass die Wohlstandsgesellschaft kaum viel Verständnis für die Armee aufbringe. In einzelnen Schulen und Kursen verstärkte sich die Agitation. Die Entwendung von Akten aus dem Archiv von Oberstleutnant Ernst Cincera im November 1976 und die Spionage-Affäre des Brigadiers Jeanmaire 1977 erregten grosses Aufsehen.
Herausragendes Ereignis der siebziger Jahre bildete für die Offiziersgesellschaft Wädenswil das Jubiläum des 50-jährigen Bestehens. Es wurde am 5./6. September 1970 mit einem Galadiner dansant im Schinzenhof Horgen, mit einem Ball auf dem Zürichsee-Schiff
«Wädenswil» und mit einem Festakt im
Schloss Wädenswil begangen.
Die Vorträge dieses Jahrzehnts galten aktuellen militärischen Problemen, etwa der Instruktorenfrage (1970), der Kommission Oswald (1970), der Rolle der Frau im Rahmen der Gesamtverteidigung (1971), dem Luftkriegsbild der 70er Jahre (1972), der europäischen Sicherheitspolitik (1973). Weitere Themen waren: Wehrerziehung im Ostblock (1976), Aufgedeckte Spionagefälle in der Schweiz (1976), Psychische Probleme bei K Mob (1978), Handelspolitik und Landesverteidigung (1979) oder Rüstung im Kleinstaat. Wie schon in früheren Jahren war die Offiziersgesellschaft Wädenswil darauf bedacht, erstklassige Referenten einzuladen. Mit Genugtuung konnte man schon an der 50-Jahr-Feier feststellen, «dass die Mehrheit unserer Spitzenmilitärs seit 1945 während ihrer Laufbahn als Instruktionsoffiziere mindestens einmal in Wädenswil zu Gast waren».
Besonders geschätzt wurden Erlebnisberichte: Das Mitglied Oberleutnant Norbert Kuster referierte im November 1970 über «Eindrücke und Erlebnisse während meiner Gefangenschaft bei den Fedajins». Gerhard Herrmann erzählte von seiner Flucht aus der DDR (1972), US Major Ronald A. Hofmann von Erfahrungen in Vietnam (1973), der israelische Oberst Harél vom Panzerkampf am Golan (1978).
Paul Weber organisierte im Winter 1970/71 seinen letzten Winter-Reitkurs. Dann trat er als Organisator zurück. Nachfolger als Reiter-Obmann wurde Major Henri Grandjean. Weil die EMPFA nur noch Pferde, aber keinen Wärter mehr zur Verfügung stellen konnte, musste der Winter-Reitkurs 1972/73 abgesagt werden. Erst 1975 wurde wieder geritten, und zwar bei Mitglied Major H. R. Schwarzenbach auf Bocken.
Mit Orientierungsabenden für Stellungspflichtige setzte die Offiziersgesellschaft Wädenswil ab 1975 einen neuen Akzent im Tätigkeitsprogramm. Kreiskommandant und Aushebungsoffizier beglückwünschten die Offiziere zu diesem freiwilligen Informationsdienst. Bei der Aushebung 1976 gab es unter 1250 Stellungspflichtigen nur einen einzigen Dienstverweigerer. Im Gesellschaftsjahr 1977/78 standen an sechs Orientierungsabenden in den linksufrigen Seegemeinden zwanzig Offiziere freiwillig für Aufklärung und Information zur Verfügung.
An der Generalversammlung 1979 konnte der Präsident, Hauptmann Peter Blattmann, befriedigt feststellen, dass sich der Mitgliederbestand seit 1968 nahezu verdoppelt habe. Man zählte nun 358 Mitglieder, darunter Oberstdivisionär Laurenz Zollikofer als einziges Ehrenmitglied (seit 1974).