Re-formation in der reformierten Kirchgemeinde
Quelle: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 2007 von Ernst Hörler
...BESINNT SICH AUF DAS FUNDAMENT DES GLAUBENS...
Dabei darf die Kirche ihr Fundament, das Evangelium, aber nicht preisgeben. Sie ist der Guten Nachricht verpflichtet, auch wenn gewisse moderne Strömungen in andere Richtungen locken mögen. Gleichzeitig gilt: Das Evangelium selber verändert den Menschen und mit ihm die Kirche, und der Mensch hat die grosse Aufgabe nach den Worten des Apostels Paulus, seine Verantwortung darin wahrzunehmen: «prüfet alles und das Gute behaltet» (1. Thess. 5, 21). Motivation hierfür ist, die durch Christus in der Welt begonnene Verkündigung der Liebe Gottes zum Menschen, ebendiesen Menschen auch heute in zeitgemässen Worten und Formen verständlich zu machen. Schon Jesus hat mit seiner Bildsprache die Lebenswelt seiner Zeitgenossen aufgenommen und ihnen so die ihnen bedingungslos geltende Liebe Gottes in einer für sie verstehbaren Weise nahe gebracht. Ebenso ist es für eine reformierte Pfarrperson auch heute selbstverständlich, die Bibel den Menschen von heute mit heutigen Worten auszulegen. Diese ständigen Reformbemühungen beschränken sich indessen nicht nur auf die Predigt. Auch in der Form des Gottesdienstes, der so genannten Liturgie, sucht die reformierte Kirche nach neuen Ausgestaltungen für die Wahrheit des Evangeliums.
...UND WAGT NEUES
Wenn die reformierte Kirchgemeinde Wädenswil seit diesem Jahr versuchsweise neben den herkömmlichen Predigtgottesdiensten, in denen der inhaltliche Schwerpunkt bei der Predigt liegt, neue Formen von gottesdienstlichen Feiern ausprobiert, so stellt sie sich in diese jahrhundertelange Tradition des ReFormierens. Möglich wurde dies durch ein neues Konzept im Bereich der Musikstile und mit der Anstellung eines Kantors. Die Kirchgemeinde will damit den veränderten Bedürfnissen gelebten Glaubens Rechnung tragen. So werden seit diesem Jahr an mehreren Sonntagen im Jahr Rock-, Taizé- und LobSing-Gottesdienste gefeiert. Die Namen sind Programm: Bei den LobSing-Gottesdiensten liegt das Hauptgewicht auf dem gesungenen Gotteslob. Auch werden vermehrt Gemeindeglieder mit ihren Glaubens- und Lebenserfahrungen in die Gestaltung der Liturgie mit einbezogen. Die Taizé-Gottesdienste werden insbesondere durch die Lieder der ökumenischen Gemeinschaft von Taizé geprägt und haben eher meditativen Charakter. Die Gesänge von Taizé möchten die Botschaft des Evangeliums mit dem Herzen zu verstehen helfen. Und in den Rock-Gottesdiensten kommt moderne Rock- und Popmusik zum Zug, was – wie die Erfahrungen zeigen – vor allem, aber bei weitem nicht nur, von Gemeindegliedern der jüngeren und mittleren Generation geschätzt wird. Die Musik wird von einer Band mit Schlagzeug, Gitarren, Keyboards und einer Lead-Stimme vorgetragen und lädt zum Mitsingen ein.
Die rege Teilnahme der Gemeindeglieder zeigt, dass Gottesdienste mit moderner Musik und vermehrtem Singen einem echten Bedürfnis entsprechen. Selbstverständlich behält auch in diesen neuen Gottesdienstformen die Predigt einen zentralen Stellenwert. Dazu verpflichtet uns die reformatorische Tradition. Mit neu verschiedenen Musikstilen in den Gottesdiensten möchten wir die Menschen einladen, auf das Evangelium zu hören und gemeinsam die Liebe und Gegenwart Gottes zu feiern.
Rock-Gottesdienst in der reformierten Kirche Wädenswil.