150 Jahre Stärkefabrik Blattmann
Quelle: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 1981 von Peter Ziegler
Heinrich Blattmann-Ziegler, 1869-1939.
Stärkefabrik Blattmann um 1904.
1915/16 wurde das Fabrikgebäude aufgestockt und um einen Anbau verlängert.
Fabrikanlage nach dem Bau des Kesselhauses im Jahre 1928.
Fabrikanlage mit «Noredux»-Gebäude (rechts) aus den 1950er Jahren. Aufnahme um 1964.
Nach seinem Tode trat 1939 die dritte Generation ans Werk. Unter der Leitung von Carl Robert Ziegler und der Söhne des verstorbenen Heinrich Blattmann-Ziegler – Rico und Alfred Blattmann – wurden die Schwierigkeiten des Zweiten Weltkrieges überwunden. Mitten in schwerer Zeit glückte es, im Versuchslaboratorium ein neues Verfahren zur Herstellung von Stärkeprodukten aller Abbaugrade zu entwickeln. Dank zielbewusster Koordination von Wissenschaft und Technik wurden die neue Stärke-Derivate geschaffen, die in der Textil-, Papier-, Klebestoff- und Lebensmittelindustrie Eingang fanden und auch im Ausland grosse Bedeutung erlangten. Mit dem «Noredux»-Verfahren liess sich auf vollautomatischem Wege jedes chemisch mögliche Stärkeabbauprodukt in grösstmöglicher Präzision erzeugen. Die 1960er Jahre waren für das Familienunternehmen von weittragender Bedeutung, starben doch in diesem Jahrzehnt die beiden Brüder Heinrich Robert (Rico sen.) und Alfred Heinrich Blattmann. Die vierte Generation übernahm die Geschäftsleitung: H.H. Blattmann das Verkaufs-Ressort, Peter H. Blattmann das Produktions- und Peter H. Tesdorpf das Finanz-Ressort.
Die 1970er Jahre begannen verheissungsvoll; man entschloss sich zu einer weiteren Diversifikation. Am 1. April 1970 nahm die Tochterfirma Isolar Olten ihren Betrieb auf, sie stellt Isolier- und Panzerglas her. Engpässen in der Lagerhaltung begegnete man 1971 mit der Gründung der Silo Olten AG in Olten. Heute steht dort der zweitgrösste, vollautomatisierte Lagersilo der Schweiz, an welchem die Firma Blattmann + Co. und André und Cie SA, Lausanne, je zur Hälfte beteiligt sind. 1978 konnte ein guteingeführter Glas-Grosshandelsbetrieb in St. Gallen käuflich übernommen werden, und in Wädenswil wurde im Zuge unermüdlicher Rationalisierung die Fabrikation von Glukosesirup völlig erneuert. Im Juni 1979 kam es zur Gründung einer weiteren Tochterfirma, der Garage Rietliau AG.
Initiative, Verantwortungsfreude und die nötige Energie, um das Werk ungeachtet aller Schwierigkeiten weiterzuführen, machten den Unternehmenserfolg der Blattmann + Co. aus. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der Geschichte der Fabrikbauten, die aufs diesjährige Firmenjubiläum hin vorbildlich restauriert worden sind: 1874 wurde die alte Fabrik um etwa 12 Meter verlängert, 1893 entstanden Kesselhaus und Hochkamin, 1895 die Vergrösserung gegen Süden. 1908 bezog man den Büroneubau, und in den Jahren 1915/16 wurde die Fabrik aufgestockt und um einen Anbau verlängert. 1919 vergrösserte man das Bürogebäude, wenig später kamen Schreinerei und Garage dazu. 1928 konnten ein neues Kesselhaus und 1931 ein grosses Lagerhaus in der Au gebaut werden. In den 1950er Jahren entstand ein Neubau für die Noredux-Fabrikation.
(Nach Albert Hauser, Geschichte der Stärkefabrik Blattmann + Co., 1856-1981, Wädenswil, 1981)