Der nordwestliche Anbau entstand 1876, die eingeschossige Zinne gegen Südosten 1905. Seinen Namen hat das Haus von den Uhrmachergeschäften Otto Vollrath und später Tischhauser, die es seit den 1920er-Jahren beherbergte. Seit mittlerweile zwei Jahrzehnten wird über seine Zukunft diskutiert. Eines der frühesten Projekte für einen Ersatzbau stammte von Stararchitekt Justus Dahinden. Die Baubewilligung für ein monumentales Glasgebäude auf Säulen wurde 1991 erteilt, doch zog sich der Investor angesichts der beginnenden Rezession Mitte der 1990er-Jahre zurück.1 Die Folge war eine lange Debatte über die Zukunft des Hauses, die bis heute andauert. Politische Diskussionen über das Machbare und das Wünschbare rund um den Bahnhof sind freilich nichts Neues. Seit die Eisenbahnlinie 1875 eröffnet wurde, ist die Gestaltung des Bahnhofs und seiner Umgebung ein Dauerbrenner auf der politischen Agenda.
Es besticht durch klare, einfache Formen und grosse Fenster, die teilweise in Bändern angeordnet sind. Dass sich die Funktionen des Gebäudeinneren am Äusseren ablesen lassen, gehört zu den charakteristischen Zügen des Neuen Bauens. Am Bahnhofgebäude ist dies auf der Seite des Bahnhofplatzes besonders gut am senkrechten Fensterband des Treppenhauses sichtbar. Die neuen Anbauten von Meletta Strebel Architekten lassen diese Eigenschaften der Fassade, die heute unter Denkmalschutz steht, wieder deutlicher als vor dem Umbau zur Geltung kommen.
Bis 2007 war der Bahnhofplatz ein geschlossener Raum, gegen die Seestrasse hin abgeriegelt durch das Haus Fortuna und die Konditorei Ammann. Das Haus Fortuna, besser als Dosenbach-Haus bekannt, wurde im Frühjahr 2007 abgebrochen.11 Die Konditorei Ammann, die zwischen Fortuna und Krone stand, musste schon 1960 dem Bau der Unterführung weichen. Die Gestaltung des Platzes entwickelte sich seit den späten 1970er Jahren zum umstrittenen Dauerthema.12 Der Ausbau des Ortsbusses im Hinblick auf die Einführung der S-Bahn machte im Jahr 1989 eine Umgestaltung notwendig. Die Parkplätze, die bis dahin in der Mitte des Platzes lagen und im Kreisverkehr umfahren werden konnten, wurden aufgehoben und an den Rand vor das Dosenbach-Haus verlegt. An ihrer Stelle entstanden drei Busperrons. Dass es nach dieser Umgestaltung nochmals über 20 Jahre dauern würde, bis die Bushaltestelle überdacht werden sollte, ahnte 1989 wohl niemand. Doch die Debatten über die Nutzung des Bahnhofplatzes zogen sich in die Länge.
«Platz frei für den Platz», forderten zum Beispiel programmatisch Raumplanerinnen und Raumplaner der Hochschule Rapperswil in der Lokalpresse.13 Sie hatten den Bahnhofplatz unter architekturkritischen Aspekten untersucht und schlugen Ende der 1990er-Jahre vor, ihn vom Verkehr zu befreien. Der Stadtrat verfolgte jedoch andere Ziele: Seine Haltung, den Bushof auf dem Bahnhofplatz zu belassen, setzte sich schliesslich durch. Im November 2006 genehmigten die Stimmberechtigten die futuristische Überdachung des Bahnhofplatzes. Bis sie eingeweiht werden konnte, dauerte es wegen mehrerer Rekurse nochmals fünf Jahre.14 «Erdauerter Komfort», kommentierte die «Neue Zürcher Zeitung» bissig.15
Häuser Bäckerei Ammann, Fortuna und Merkur.
Im 1933 eröffneten Café Brändli.
Haus Merkur von 1903/1906.
Seestrasse, Blick Richtung Zentral. Links Haus Zyt, rechts Häuser Bäckerei Ammann, Johannisburg und alte Krone. Aufnahme von 1930.
Bahnhofplatz Wädenswil, Ansicht von 1936. Im Hintergrund links der Kronenblock von 1933, rechts der Bahnhof von 1932. Ansichten vom Haus Merkur aus.
Der Bahnhofplatz Wädenswil im Jahre 1957.
Zwei Argumente tauchten in den Diskussionen um die Nutzung des Bahnhofplatzes seit den späten 1970er-Jahren immer wieder auf, beide verknüpft mit der Unterführung. Wenn argumentiert wurde, der Bahnhofplatz könnte vom Verkehr befreit werden, lautete das Gegenargument, dass die Fussgänger ihn ohnehin direkt unterquerten und er nur von jenen benutzt würde, die mit dem Bus oder dem Auto zum Bahnhof fahren würden. Und wenn als Ersatz für die Parkplätze eine Tiefgarage vorgeschlagen wurde, waren stets die hohen Kosten des Bauens im seenahen Untergrund ein Argument. Die Verlängerung der Unterführung vom Bahnhof in die Gerbestrasse wurde 1960 bis 1962 gebaut. Bis heute ist sie das einzige am Bahnhofplatz realisierte Tiefbauprojekt und kostete 65 Prozent mehr als die ursprünglich budgetierten 460'000 Franken.16 Bis dahin gab es lediglich eine Unterführung vom Bahnhofgebäude auf den Mittelperron und den Seeplatz. Das Bedürfnis, die Seestrasse vom Bahnhof aus direkt zu unterqueren, war eine Folge des zunehmenden Verkehrs in den 1950er-Jahren. Fast 89 Prozent Ja-Stimmen erhielt das Vorhaben an der Urnenabstimmung im Mai 1959.
Bau der Unterführung von der Gerbestrasse zum Bahnhof, 1961.
«Wädenswil schafft Verkehrssicherheit», jubelte die Lokalpresse zur Einweihung im Juni 1962, während das Ingenieurbüro Soutter & Schalcher, das den Bau geplant hatte, in der gleichen Ausgabe vom «besonders schwierigen Baugrund», «dem starken Wasserandrang von der Seeseite her» und der «heiklen Bauaufgabe» berichtete.17 Weil der Untergrund aus dem Bachschutt des eingedohlten Gerbebachs – des Unterlaufs des Töbelibachs – und darunter aus setzungsempfindlicher Seekreide besteht, wurde eine raffinierte bauliche Lösung gewählt: Die Unterführung «schwimmt». Die Ingenieure berechneten sie so, dass sich Gewicht und Auftrieb die Waage halten.
Die neue Unterführung zum Bahnhofsplatz 1962.
Goldschmied-Hess-Haus 1963, abgebrochen 1971.
Adrian Scherrer