Das Spital Wädenswil an einer Wende
Quelle: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 1999 von Peter Ziegler
Am 1. Januar 1999 hat die Betriebsstiftung Schwerpunktpital Zimmerberg die Verantwortung für die Betriebsführung der beiden bisher eigenständig tätigen Spitäler Horgen und Wädenswil übernommen. Als Trägerin des von der Gesundheitsdirektion erteilten Leistungsauftrags ist sie damit zuständig für alle personellen und finanziellen Fragen, welche das Spital Wädenswil betreffen, und nicht mehr dessen Stiftungsrat. Das bedeutet einen Wendepunkt in der Geschichte des Krankenhauses und rechtfertigt einen Rückblick.
Das 1886 eröffnete Krankenasyl an der Schönenbergstrasse.
NEUES KRANKENHAUS UND CHEFARZTSYSTEM
1934/35 liess der Asylverein zwischen Altbau und Schlossbergstrasse das heutige Krankenhaus erstellen. Es war für Chirurgie, Innere Medizin und Gynäkologie eingerichtet und zählte 72 Betten inklusive Säuglingsbettchen. Bei der Eröffnung waren der Oberschwester 17 Schwestern (davon 7 Diakonissen) unterstellt; das «Dienstpersonal» umfasste 12 Personen.
Das frühere Belegarztsystem wurde aufgegeben. Für die medizinische Betreuung der Patientinnen und Patienten im neuen Krankenhaus - sowie im «Absonderungshaus» für ansteckende Krankheiten im Altteil - war nun ein Chefarzt zuständig. Von 1935 bis 1953 war dies Dr. med. Ernst Kaiser und von 1953 bis 1976 Dr. med. Ernst Häberlin. Es gab drei Patientenklassen - allgemein, halbprivat, privat - mit nach Vermögen berechneten Taxen. Der Asylverein liess sein Spital wie seit der Gründungszeit nebenamtlich verwalten, zuletzt von 1922 bis 1954 durch den Hutfabrikanten Ernst Felber. Nach seinem Tod waren vollamtliche Verwalter tätig: von 1954 bis 1961 Ernst Hillmann und von 1961 bis 1984 Ernst Pfenninger. Die Aufsicht über die Verwaltung und den Betrieb übte die Krankenhauskommission aus. Sie bestand aus drei Männern und drei Frauen, welche der Asylverein aus seiner Mitte wählte.
Das 1935 eingeweihte neue Krankenhaus.
REGIONALSPITAL FÜR INNERE MEDIZIN UND RADIOLOGIE
Am 1. Juni 1976 trat für die Chefarzt-Spitäler im Bezirk Horgen ein neues Konzept in Kraft: Horgen und Richterswil betrieben fortan ausschliesslich Chirurgie und Geburtshilfe, und das Krankenhaus Wädenswil wurde in ein Regionalspital für Innere Medizin und Radiologie umgewandelt, geleitet von den Chefärzten Dr. med. Peter Möhr (Innere Medizin) und Dr. med. Paul Schnaars (Röntgendiagnostik). Mit Beschluss vom 24. Dezember 1976 hob der Zürcher Regierungsrat die bisherigen Spitalkreise auf und fasste die Spitäler Horgen, Wädenswil und Richterswil zu einem einzigen Spitalkreis zusammen. Der Kanton war bereit, den Hauptanteil des gesamten Betriebsdefizites der drei Spitäler zu decken (1976 z.B. 76,5 %), der Rest sollte auf die sieben Gemeinden des Spitalkreises - Hirzel, Horgen, Hütten, Oberrieden, Richterswil, Schönenberg und Wädenswil - verteilt werden.
Die Umwandlung des Krankenhauses Wädenswil in ein Regionalspital für Innere Medizin und Radiologie mit 68 Betten bedingte bauliche Veränderungen: 1979/81 den Erweiterungsbau West und 1981/83 den Umbau des Hauptgebäudes von 1935. Dies erlaubte die Eröffnung neuer Einrichtungen, z.B. 1980 der Ergotherapie, 1981 der Ultraschall-Abteilung und 1982 der Intensivpflegestation (IPS).
1979/81 wurde das Spitalgebäude gegen Westen erweitert.
STIFTUNGSRAT BIS 1999
Dieser Weg ist nun eingeschlagen. Mit der Änderung der Stiftungsurkunde und mit der seit 1. Januar 1999 tätigen Betriebsstiftung Schwerpunktspital Zimmerberg ist der Anfang gemacht. Der bisherige Stiftungsrat des Regionalspitals Wädenswil wurde nach der Abnahme der Rechnung 1998 Ende April 1999 aufgelöst. Folgende Mitglieder traten zurück oder hatten bereits früher demissioniert:
Klara Wegmann (1964 - 1998)
Fritz Sperb (1971-1997)
Dr. Bruno Lang (1978-1999)
Prof. Dr. h.c. Peter Ziegler (1982-1999)
Rudolf Baumgartner (1986-1998)
Dr. Bruno Ern (1986-1999)
Maria Christener (1990-1999)
Christof Wolfer (1990-1998)
Brigitte Blum (1990-1998)
Rolf Kurath (1998-1999)
CHEFARZT-WECHSEL
Ende September 1999 trat der Chefarzt Innere Medizin, Dr. med. Peter Möhr, in den Ruhestand. Seit 1976 hat er das Spital Wädenswil mit grosser Sachkompetenz und persönlichem Engagement geführt. Der hervorragende Ruf, den es in der Region geniesst, und der beachtliche Leistungsausweis, den es vorlegen kann, ist zu einem guten Teil auch sein Verdienst. Im Jahresbericht 1998 des Schwerpunktspitals Wädenswil schrieb der ausscheidende Chefarzt unter anderem: «Im Rückblick waren die vergangenen 23 Jahre eine anforderungsreiche, interessante und erfüllte Zeit, die ich nicht missen möchte. Es war ein grosses Privileg, von unserem Team und auf allen Stufen soviel Loyalität, Verantwortungsgefühl, nicht nachlassenden Einsatz und konstruktives Mitdenken zu erfahren. Wir haben in einem wechselvollen Umfeld und in Höhen und Tiefen einen festen Zusammenhalt und eine solide Tragfähigkeit entwickelt.»
Zum neuen Chefarzt für Innere Medizin am Spital Wädenswil und künftigen Schwerpunktspital Zimmerberg ist PD Dr. med. Bernhard Hess, Inselspital Bern, gewählt worden. Er hat seine Stelle am 1. Oktober 1999 angetreten.