Die Industrie hatte anfänglich nur einen geringen Bedarf an Berufsleuten, die sie aus den handwerklich ausgebildeten, ehemaligen Lehrlingen des Gewerbes rekrutieren konnte. Erst am Anfang des 20. Jahrhunderts begannen einzelne Grossbetriebe, vor allem der Maschinenindustrie, Lehrlinge auszubilden und Lehrwerkstätten mit vollamtlichen Lehrmeistern einzurichten. Die rasante Entwicklung der Technik hat dann die Berufsausbildung für die Industrie immer mehr zu einer lebenswichtigen Frage werden lassen. Der Anteil an beruflich qualifizierten Leuten wird in den modernen Industriefirmen immer grösser, während der Anteil an an- und ungelernten Leuten immer kleiner wird.
Aus der Überlegung, dass das Zeichnen für Handwerker eine wichtige Fertigkeit ist, wurden in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Genf, Basel und Zürich sogenannte Zeichnerschulen eröffnet. Das war der Anfang der heutigen Berufsschulen. Eine zweite Wurzel der Berufsschulen waren die in der Mitte des 19. Jahrhunderts entstandenen allgemeinen Fortbildungsschulen. Die Fortbildung im Schreiben und Rechnen stand im Mittelpunkt dieser Schulen. Der Unterricht fand an Abenden und am Sonntagmorgen statt.
So auch in der Kaufmännischen Berufsschule Wädenswil. 1897 wurde hier die erste Verordnung für den obligatorischen Schulbesuch der Lehrlinge in Kraft gesetzt. Der 21. März 1975 war dann der letzte Schultag dieser Schule. Die Kaufmännischen Lehrlinge der Wädenswiler Firmen besuchen heute die Kaufmännische Berufsschule in Horgen.
Bis in dieses Jahrhundert war die Lehrlingsausbildung ohne staatliche Krücken. Sie war weitgehend auf private Förderung angewiesen. So wurde 1902, von Kreisen, welche die zunehmende Bedeutung der Berufslehre erkannten, der Verband Schweizerischer Lehrlingspatronate gegründet. In einer Resolution, an der Tagung vom 25. September 1915, forderte dieser Verband:
1. Eine wirksame Elternfürsorge durch die Schaffung von sachkundigen Berufsberatungsstellen und Bereitstellung erhöhter Stipendienkredite
2. Eine umfassende Lehrlingsfürsorge, unter anderem auch durch Versicherung aller Lehrlinge gegen Unfall und Krankheit
3. Eine wohlüberlegte Förderung der einheimischen Produktion
4. Erlass eines Bundesgesetzes zwecks zeitgemässer Regelung und finanzieller Unterstützung des Lehrlingswesens. Änderung der Arbeitsweise der Schule im Sinne vielseitigerer Betätigung der Hand.
Die Gemeinde Wädenswil wurde zweimal schriftlich eingeladen, dem Verband beizutreten. In einem Brief vom 6. April 1916 erklärte dann der Gemeinderat den Beitritt als Kollektivmitglied, mit einem Jahresbeitrag von 20 Franken.
Heute haben wir für unsere Mädchen und Burschen in der Region Wädenswil ein Angebot von fast 100 Lehrberufen. Eine gut ausgebaute Berufsberatung in Horgen hilft bei der Berufswahl und der Lehrstellensuche. Die Kaufmännische und die Gewerblich-Industrielle Berufsschule in Horgen vermitteln eine zeitgemässe Fachausbildung und eine gute Allgemeinbildung. In Freifächern können die Lehrlinge eine ihren Neigungen entsprechende Weiterbildung betreiben. Der Unterricht findet schon lange nicht mehr am Abend und am Sonntagvormittag statt, sondern an ein bis zwei Arbeitstagen pro Woche.
Viele kleine und grosse Firmen bemühen sich redlich um eine gute und zeitgemässe Ausbildung ihrer Lehrlinge, wohlwissend, dass diese Saat einmal ihre Früchte tragen wird, Früchte, auf die wir angewiesen sein werden.