Der Kauf des Schlossguts Au vor 30 Jahren – ein «Glücksfall»?

Was der Kanton zum Erhalt des Schlosses Au macht

Quelle: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 2019 von Regina Meister

Kurz nach dem Ableben von Eric von Schulthess-Paravicini im Jahr 1986, dem letzten Schlossherrn auf der Hinteren Au, bekundete der Kanton Zürich Interesse, das Landgut Schloss Au zu erwerben. Dieses umfasst ein Areal von insgesamt 256 558 Quadratmeter mit Parkanlage, Landwirtschaftsbetrieb, Reben, Streuried, Wiesen, Wald und Seegebiet (Ausee). Nebst den Hauptgebäuden – wie Schloss, Pförtnerhaus, Haus Gugger, Bauernhaus mit Scheune – gehörten verschiedene Nebenbauten wie das Bootshaus, das Badehaus, Kellergebäude, das Kutscherhaus, ein Schopf und eine Scheune zum Schlossgut. Mit diesem Kauf wollte sich der Staat, zusammen mit der im Jahr 1973 vom damaligen Besitzer Eric von Schulthess-Paravicini erworbenen Vorderen Au, dem ehemaligen Simongut, einen Grossteil der Halbinsel Au sichern, diese schützen und der Öffentlichkeit eine der schönsten Landschaften am Zürichsee zugänglich machen.
Am 3. August 1989 fand die Eigentumsübertragung statt. Vom Anrechnungswert hatte der Kanton 23 Millionen Franken zu bezahlen, während die restlichen 8 Millionen als Schenkung anfielen. Diese Schenkung war verbunden mit den – rechtlich unverbindlichen – Wünschen, die Schenkungsobjekte soweit möglich für die Förderung und Bildung der Jugend zu verwenden, im Besonderen auch für die Weiterbildung ihrer Lehrerinnen und Lehrer. Daneben sollte auch der Natur- und Heimatschutzgedanke nicht zu kurz kommen. Damit verbunden wollten die damaligen Eigentümerinnen und Erben des Eric von Schulthess-Paravicini einen Beitrag zur 700-Jahr-Feier der Schweizerischen Eidgenossenschaft leisten.
Das Schloss Au – umgeben von einzigartigen Parkanlagen.

Im Zusammenhang mit diesem Kauf und im Hinblick auf die 700-Jahr-Feier wurde Prof. Albert Hauser angefragt, über die Entstehung und Entwicklung der Halbinsel Au eine Schrift zu verfassen. 1991 erschien sein Buch im Verlag NZZ unter dem Titel «Halbinsel Au – ein Glücksfall: Menschen, Kultur und Landschaft». 30 Jahre nach dem Kauf des Landgutes Schloss Au durch den Staat veranlasste mich dieser Buchtitel der Frage nachzugehen, inwiefern sich dieser «Glücksfall» während diesen Jahren tatsächlich ereignete.

Nutzungsideen einer interdisziplinären Arbeitsgruppe

Konkrete Ideen für eine zukünftige Nutzung des Landgutes lagen zum Zeitpunkt des Kaufes noch keine vor. Der Regierungsrat setzte im Herbst 1989 eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe aus Vertretern der Baudirektion, der Erziehungs-, der Volkswirtschafts- sowie der Finanzdirektion, der Stadt Wädenswil und des Au-Konsortiums ein. Ein Architektur-, ein Ingenieurbüro sowie Experten für das Studium der Grünbereiche wurden ebenfalls beigezogen. Der Auftrag lautete, die Nutzungsinteressen und -möglichkeiten unter Berücksichtigung der mit der Schenkung verbundenen Wünsche und der Bedürfnisse der Öffentlichkeit festzuhalten und Vorschläge über deren Realisierung im Rahmen der planerischen Festlegungen, der Inventare des Natur- und Landschaftsschutzes sowie der Denkmalpflege auszuarbeiten. Ein sehr anspruchsvoller Auftrag! An seiner Sitzung vom 12. Juni 1991 stimmte der Regierungsrat dem umfassenden Bericht der Arbeitsgruppe zu, im Landgut Schloss Au ein Fortbildungszentrum für Berufs- und Volksschullehrpersonen einzurichten. Für die entsprechende Sanierung und den Umbau der Liegenschaften wurden dazu knapp 17 Millionen Franken veranschlagt. Zudem bewilligte der Regierungsrat ein umfassendes Konzept zu Sanierung und Schutz des Schlossparks, der Seeufer und zur Zugänglichmachung für die Öffentlichkeit.
Dem Wunsch der Erben von Schulthess, auf der Halbinsel Au anlässlich der 700-Jahr-Feier ein Zeichen zu setzen, wurde Folge geleistet. Ein Organisationskomitee unter dem Patronat der Gemeindepräsidentenkonferenz des Bezirks Horgen bereitete während zwei Jahren ein einwöchiges Bezirksfest zum Thema «Begegnung» vor. «CH-91» fand vom 31. August bis 8. September 1991 auf der Halbinsel Au statt. Orte des Geschehens waren die Aukuppe, auf welcher ein kleines Festzelt errichtet wurde, der Landgasthof mit einem Riesenrad als Anziehungspunkt, die Vordere Au, und im Zentrum stand das vom Kanton neu erworbene Schlossgut Au.
Doch zuvor galt es im Schlossareal wichtige Vorbereitungen zu treffen. Ein Fest dieser Grössenordnung verlangte praktikable Wege und für Auf- und Abbau befahrbare Strassen, die auch der zukünftigen Nutzung des Landgutes dienen sollten. Zudem mussten see- und landseitige Einzäunungen geändert und ergänzt werden, um das Parkgelände für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Auf der Wiese vom Schiffsteg herkommend wurden Feuerstellen mit Picknickplätzen erstellt. Ebenso war vorgesehen, das Abwasserproblem auf den Termin des Bezirksfestes zu lösen, sodass das Abwasser des Festbetriebs mit flexiblen Leitungen dem Pumpenschacht zugeleitet werden konnte. Mit den Abwasseranschlüssen der Liegenschaften an die Kanalisation konnte im Folgejahr begonnen werden.

Start in kleinen Schritten

Für die beschriebene Umnutzung des Landgutes und die Zugänglichmachung der Grünflächen wurde dem Stadtrat Wädenswil beantragt, einen öffentlichen Gestaltungsplan zu schaffen. Diesen genehmigten die verantwortlichen Instanzen 1992. Peter Rusterholz, Musikpädagoge und Leiter der Fachstelle Musikerziehung am Pestalozzianum Zürich, der Bildungsinstitution für die Weiterbildung der Volksschullehrpersonen, bezog im Januar 1992 seinen neuen Arbeitsplatz im Schloss Au. Nebst dem Gärtner, der schon den früheren Eigentümern von Schulthess diente, arbeitete er vorerst allein in dem grossen Gebäude. Es galt nun, das Nutzungskonzept «Fortbildungszentrum» umzusetzen und die Liegenschaften schrittweise den neuen Bedürfnissen anzupassen. Doch von Umsetzung, das heisst von Sanierungen, war keine Rede. Der Kanton befand sich gerade im Sparmodus. Die vorgesehenen Umbauten lagen in weiter Ferne. Mit einfachen Mitteln und Möglichkeiten mussten nun Räume für Schulungszwecke eingerichtet und das mittlerweile in die Jahre gekommene Schloss einigermassen ansprechend hergerichtet werden. Obschon einzelne erste Kurse für Berufs- und Volksschullehrpersonen in den für Schulungszwecke notdürftig eingerichteten Räumen stattfanden, waren die Voraussetzungen betreffend Infrastruktur für ein Fortbildungszentrum nicht gegeben. Hinzu kamen Spannungen zwischen der Finanzdirektion als Eigentümerin und der damaligen Erziehungsdirektion als Nutzerin, insbesondere weil die Finanzdirektion im Verhältnis hohe Mietforderungen von der Bildungsdirektion für die wenigen, noch unrenovierten Räume verlangte.
Das Schloss Au in der heutigen Gestalt wurde 1928/29 erbaut und ist seit 1989 der Öffentlichkeitzugänglich.

Dies führte schlussendlich zu einem Antrag an den Kantonsrat zur Übertragung des Landgutes Schloss Au vom Finanzvermögen der Finanzdirektion ins Verwaltungsvermögen, das heisst in die Bildungsdirektion. Dieser bewilligte im März 1995 die Übertragung zum Preis von 10 Millionen Franken. Zum Umfang gehörte das Schloss mit Trotte, das Pächterhaus, die Gärtnerei, das Badehaus, der Schlosspark mit insgesamt 12 Hektaren Gelände. Ausgeschlossen wurden der Bauernhof und das Haus Gugger sowie die Waldanteile, das verpachtete Wiesland und die Riedgebiete, die weiterhin im Finanzvermögen des Kantons Zürich verblieben.
Mit einem vom Regierungsrat bewilligten Nutzungs- und Betriebskonzept startete das Fortbildungszentrum Schloss Au in kleinen Schritten. Verschiedene Versuche, eine erste Sanierungs- und Umbauetappe des 1991 vom Regierungsrat bewilligten Konzepts in Angriff zu nehmen, scheiterten weiterhin. Es blieb bei situativen, den dringenden Bedürfnissen entsprechenden Bauinvestitionen, vorwiegend unter dem Aspekt der Sanierung und Erhaltung der Liegenschaften. Dazu gehörte die Errichtung einer Beleuchtung im Park auf der ganzen Länge vom Bahnhof bis zum Naglikerried. Das ehemalige, an die Trotte angebautes Waschhaus wurde zu einer öffentlichen Toilettenanlage umgebaut. Im Park konnte das «Känzeli» am Zürichseeufer erneuert und gestaltet werden. Im Obergeschoss des Schlosses konnte der bestehende Baderaum um zwei neue Toiletten erweitert werden. Im Jahr 1999 wurde das Kutscherhaus einer umfassenden Aussensanierung unterzogen. In den Innenräumen des Schlosses erfolgten Malerarbeiten an den Stuckatur-Decken, Vorhänge wurden erneuert, Möbel neu gepolstert.
Im Jahr 2000 erteilte die Baudirektion verschiedenen Architekturbüros im Rahmen eines Wettbewerbes einen Studienauftrag zur Einrichtung einer Gastronomie im Kutscherhaus, zur Einrichtung eines grossen Vortragssaals in der Trotte und zur Erstellung weiterer sanitärer Einrichtungen. Dies war ein neuer Anstoss und Versuch, eine zweite Bauetappe zum Umbau der Liegenschaften zu planen.
Während diesem Studienauftrag erfolgte gleichzeitig ein Leitungswechsel. Regina Meister, Leiterin der schulinternen Weiterbildung und Dozentin am Pestalozzianum, wurde nebst ihren bisherigen Aufgaben die Leitung des Tagungszentrums Schloss Au übertragen. Sie erhielt den Auftrag, vermehrte Aktivitäten aufzubauen und demzufolge grössere Belegungszahlen zu generieren. Die wirtschaftliche Betriebsführung stand im Vordergrund. In der Zwischenzeit wurde der Sieger des Wettbewerbs gekürt, ein Planungsauftrag zur Umsetzung des Siegerprojektes konnte jedoch nie erteilt werden. Wegen der Auflösung respektive Eingliederung des Pestalozzianums in die neu gegründete Pädagogische Hochschule Zürich (PHZH) entstanden 2002 wiederum neue Gegebenheiten und ungeklärte Bedürfnisse für die Nutzung eines Tagungszentrums am Zürichsee. Die Planung der zweiten Bauetappe wurde abgebrochen, das Projekt nicht mehr weiterverfolgt.

Profil als Tagungs- und Bildungszentrum

Trotz dieser erneuten Niederlage wurde versucht, mit der bestehenden Infrastruktur – es konnten ja nur die Schlossräume im Erdgeschoss, Obergeschoss und vereinzelt im Dachgeschoss genutzt werden – möglichst viel Leben in den Betrieb zu bringen: Verschiedene Kurse, Module der PHZH und Intensivweiterbildungsangebote für Lehrpersonen der Volksschule fanden statt, ebenso interne Weiterbildungen von Schulgemeinden und Gemeindeverwaltungen sowie Behördenschulungen des Volksschulamtes. Auch Schulen ausserhalb des Kantons Zürich und private Firmen führten Bildungsveranstaltungen, Tagungen und Sitzungen im Schloss Au durch. Und das Schloss Au entpuppte sich regelrecht als Hochzeitsinsel, nicht nur für rauschende Feste sondern auch als Ort für standesamtliche Trauungen der Stadt Wädenswil. Das repräsentative Erdgeschoss mit der gediegenen Schlosshalle und seinen Nebenräumen wurde für Geschäftsfeiern und Kundenanlässe von privaten Firmen bekannt. 2001 schuf die Leiterin die heute noch beliebte Musikreihe mit den drei Konzerten «Frühlingserwachen im Schloss Au», «Sommerabend mit Konzert» und «Konzert am Kamin» mit dem Ziel, der Öffentlichkeit und der lokalen Bevölkerung das Schloss Au regelmässig zugänglich zu machen. Und seit der 700-Jahr-Feier 1991 werden alle paar Jahre in den Sommerwochen Kulturtage für Schulklassen des Kantons Zürich auf der idyllischen Halbinsel durchgeführt.
Doch bei allem Erfolg, das Tagungszentrum war von den Räumlichkeiten und der Infrastruktur her nach wie vor die ehemalige Herrschaftsvilla. Obschon nun jedes Jahr Kredite im sechsstelligen Bereich für Sanierungs- und Erneuerungsarbeiten bewilligt wurden – unter anderem für eine umfassende Fassadensanierung des Schlosses, Renovation des Pförtnerhauses, Malerarbeiten und Sanierungsarbeiten im Park –, blieb das Raum- und Nutzungsangebot der Liegenschaften unverändert. Mit der erfreulichen Zunahme der Ertragszahlen vergrösserten sich gleichzeitig auch die Kostenzahlen, nicht etwa nur bedingt durch einen Personalzuwachs, sondern auch wegen der hohen Betriebskosten. Die Heizölkosten für die Beheizung des grossen, offenen Schlossraums mit den denkmalgeschützten Fenstern und Vorfenstern sind immens hoch.
2005 wagte die Leiterin des Tagungszentrums einen weiteren Anlauf, mit einem neuen Nutzungskonzept und Businessplan die Möglichkeiten und Anforderungen an ein den aktuellen Bedürfnissen entsprechendes Tagungszentrum aufzuzeigen. Ziel war es, mit einer strategischen Ausrichtung dem Schloss Au ein klares Profil als Tagungs- und Bildungszentrum zu verleihen und die Räumlichkeiten durch gezielte Investitionen in einen attraktiven Lernort mit moderner Infrastruktur umzuwandeln. Das Konzept fand wohl Beachtung, intern blieb eine Diskussion jedoch aus. So wie früher am Pestalozzianum war es auch an der Pädagogischen Hochschule nicht möglich, eine Strategie für das Tagungszentrum Schloss Au festzulegen. Die Bildungsinstitutionen waren zu sehr mit ihrer eigenen Entwicklung beschäftigt und das Schloss lag zu peripher von Zürich entfernt.
Hingegen gab dieses Nutzungskonzept schlussendlich doch Anstoss, einen Planungsauftrag für die Renovation und Erschliessung der alten Trotte zu ermöglichen. Und als bei einer Analyse der Bausubstanz der Hausschwamm in der Trotte entdeckt wurde, kam rasch Bewegung in die Bauplanung. Das Projekt umfasste neue Zugänge vom Schloss her in die Trotte. Daher musste der Lift vergrössert werden. Im Obergeschoss des Zwischenbaus wurden Toilettenanlagen eingebaut, als Übergang in den Trottenraum ein kleines Foyer eingerichtet. Das Obergeschoss der Trotte wurde bis auf ein paar wenige Balken vollständig erneuert. Das Mauerwerk des Gewölbekellers wurde saniert und getüncht, der Boden mit Steinplatten belegt. Alle Materialien und Ausführungen folgten strengsten Vorgaben des Denkmalschutzes! Der grösste Eingriff während der einjährigen Bauzeit war jedoch die Vergrösserung des Liftschachtes über alle Stockwerke hinweg. Im Winter 2008/2009 musste deswegen der Betrieb vollständig eingestellt werden. Im Sommer 2009 fand dann die feierliche Einweihung der Trotte statt. Mit der Erschliessung eines grossen Plenarraumes für 120 Personen, ausgestattet mit einer modernen Infrastruktur, nahm das Schloss Au als Tagungszentrum, als Lern- und Kulturort endlich Form an.
Die Trotte dient seit 2009 als grosser Plenarraum für 120 Personen.

Mit der Sanierung der Gewächshäuser und der Neuerstellung der Seeufermauer 2012 waren die durch die Baudirektion geleiteten und von der Bildungsdirektion finanzierten Projekte beendet. Fortan lag die finanzielle Planung für die Umsetzung der Unterhalts- und Erhaltungsprojekte bei der PHZH. Und diese bezog gerade in diesem Jahr den neuerstellten Campus bei der Sihlpost in Zürich. Als Folge davon geriet das Tagungszentrum Schloss Au schnell in Vergessenheit. Die Begeisterung für die neuen, modernen Räume am Standort Zürich war gross, die Durchführung von Modulen und Veranstaltungen im Schloss Au wurde für die Dozierenden in der Folge scheinbar viel zu aufwändig. 2016 wurde Franziska Sägesser als Betriebsleiterin eingestellt, ein neues Konzept zur Einrichtung einer hauseigenen Gastronomie verbunden mit einem professionellem Dienstleistungsangebot umgesetzt und eine neue, attraktive Website erstellt.

Das Schloss Au als Lern- und Kulturort

Heute ist das Tagungszentrum Schloss Au ein professionell geführter Betrieb mit einem gastfreundlichen Team, einer ausgezeichneten hausinternen Gastronomie und einer modernen, den Bedürfnissen entsprechenden Infrastruktur. Es ist zwar nie daraus geworden, was ursprünglich geplant war. Doch die ehemalige Herrschaftsvilla hat sich zu einem gefragten Lern und Kulturort für ein breites Zielpublikum entwickelt, für Bildungsveranstaltungen, Sitzungen, Kongresse von öffentlichen und privaten Anbietern, für öffentliche Kulturanlässe und private Feiern. Zu keiner Zeit erstrahlte das «Tagungszentrum mit Charme am Zürichsee» in so viel Glanz. Es wird von zahlreichen Besuchenden genutzt und geschätzt.
Mit Tagungsinfrastruktur entwickelte sich die ehemalige Herrschaftsvilla zum Lern- und Kulturort.
 
Der Weg zum Schloss Au, wie es sich heute präsentiert, mit seiner einzigartigen Parkanlage am Ausee und Zürichsee, verlief nicht geradlinig. Immer wieder gab es Hindernisse: Sparmassnahmen des Kantons in den 1990er-Jahren, verschiedene und unklare Vorstellungen der verantwortlichen Bildungsinstitutionen bezüglich Nutzung der Liegenschaften. Im Vordergrund steht vorwiegend die wirtschaftliche Betriebsführung und weniger die inhaltliche Ausrichtung eines Bildungszentrums. Grenzen wurden natürlich auch gesetzt durch die strengen Auflagen der denkmalgeschützten Liegenschaften, die den Schutzgedanken verfolgen und daher zu den ökonomischen Interessen oft in Widerspruch stehen.
Nicht immer glücklich hat sich über alle Jahre auch die Nutzung des Parkgeländes durch die Bevölkerung erwiesen. Trotz bezirksrichterlichem Verbot vom 27. Juli 1992 nahm die Nichtbeachtung der verschiedenen Verbote zu. Die Parkwege wurden zu beliebten Trails für Velofahrende; es sprach sich herum, dass es problemlosmöglich sei, die Hunde auf der Halbinsel Au frei herumlaufen zu lassen. Das Picknicken, das Baden und Sonnenbaden auf den Wiesen vor dem Schloss verbreitete sich in den Sommermonaten als Geheimtipp. Hinzu kam nach jedem Wochenende die Entsorgung eines immer grösser werdenden Abfallberges. Auch Kampagnen mit neuen Beschilderungen, Direktinformationen, Erklärungen, ersuchte Unterstützung durch die Stadtpolizei und den Stadtrat Wädenswil brachten keine wirkliche Verbesserung. Dem öffentlichen Gut und der Natur Sorge tragen, ist keine Selbstverständlichkeit.
Doch all diesen Widrigkeiten zum Trotz erfuhr der Schlosspark in den letzten 30 Jahren eine regelrechte Metamorphose. Nicht nur aufgrund der beiden schweren Sturmschäden Lothar im Jahr 2000 und Burglind 2018, sondern vor allem durch gezielte Sanierungsmassnahmen und eine aufwändige Pflege. Parkanlage, Wiesen, Rabatten, Alpengarten, Hecken erscheinen heute in einer wunderbaren Vielfalt und Pracht. Die Bäume werden regelmässig gepflegt, wo nötig gefällt, wieder aufgeforstet, Alleen durch hitzeresistente Bäume ersetzt, die Rhododendrenkulturen erneuert, Magerwiesen gesät, Gartenbeete und Gewächshäuser erfolgreich bewirtschaftet.
Auch wenn das 1991 geplante Fortbildungszentrum für Volks- und Berufsschullehrpersonen für knapp 17 Millionen Franken nie realisiert wurde, investierte der Kanton Zürich in den vergangenen 30 Jahren schlussendlich eine nahezu gleich grosse Summe in die Sanierung und Erhaltung des Schlossguts Au mit seiner Parkanlage – zum Schutz der Liegenschaften und in die Zugänglichkeit einer der schönsten Landschaften am Zürichsee. Aus dieser Sicht handelt es sich beim Kauf am 3. August 1989 auch heute noch um einen absoluten «Glücksfall».




Regina Meister, Adjunktin und Dozentin Pädagogische Hochschule Zürich, verantwortlich für die Führung und Verwaltung des Tagungszentrums Schloss Au von 2000 bis 2018