Der Ortsautobus Wädenswil
Quelle: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 1989 von Hans Pfenninger / Kurt Schreiber
Die erfreuliche Entwicklung des immer unentbehrlichen werdenden Verkehrsmittels der Stadt Wädenswil
Von 1953 bis 1974 unter Leitung der gemeinderätlichen Kommission
Bereits Ende der vierziger Jahre begann sich in Wädenswil eine gewaltige bauliche Entwicklung abzuzeichnen, die neue Schwerpunkte ausserhalb der bisherigen Dorfsiedlung bildete. Dies betraf vor allem die Quartiere Neudorf−Büelen, Musli−Frohmatt, Fuhr−Rötiboden, Rutenen−Mühlebach, Baumgarten und in der Au die Gegenden Gwad und Mittelort. Dass dabei in der Bevölkerung der Wunsch nach einem neuen, günstigen Verkehrsmittel erwachte, war zu begreifen, umso mehr als sich dazumal nur Leute aus gehobenen Einkommensschichten die erheblichen Kosten eines privaten Motorfahrzeuges leisten konnten.
Ein Aprilscherz wird Wirklichkeit
Am 1. April 1953 erschien im «Allgemeinen Anzeiger vom Zürichsee» eine Einladung zur Eröffnung eines Autobusbetriebes in Wädenswil mit Gratisfahrten für die Bevölkerung.
Dieser Scherz wurde aber bald Realität. Auf der Titelseite des «Anzeigers» vom 28. September 1953 prangte die Überschrift «Der Wädenswiler Autobus». In seinem ausführlichen Bericht beschrieb der unvergessene damalige Gemeindeschreiber,
Emil Bader, den Beschluss des Gemeinderates, auf den 1. Oktober 1953 probeweise einen Autobusbetrieb einzuführen.
Darin steht unter anderem, nach dem Hinweis auf die bereits erwähnte bauliche Entwicklung: «Wo durch den Autobusbetrieb eine Verbesserung des Verkehrs mindestens einmal versucht werden muss, ist in den Randgebieten des Dorfes, besonders der bergwärts gelegenen, aber auch im Quartier Gwad−Rietliau−Oberort, das nach seinem Verkehr mehr gegen das Dorf, den Bahnhof Wädenswil, als gegen die Station Au orientiert ist. Drängt sich die Verkürzung der Verbindungen zu diesen Zonen schon aus grundsätzlichen Überlegungen siedlungspolitischer Natur direkt auf, beweisen auch die zahlreichen Wünsche und Begehren aus dem Kreise der Einwohnerschaft, dass ein Bedürfnis nach einer rascheren und bequemeren Verkehrsverbindung tatsächlich besteht. Sie stammen aus Kreisen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer am Platze, von Bahnbenützern, die auswärts arbeiten, von Hausfrauen wie von älteren Leuten, denen der lange und oft steile Weg beschwerlich ist ... »
Der Probebetrieb
Der Probebetrieb begann am 1. Oktober 1953, nachdem tags zuvor die Bevölkerung den Autobus auf fahrplanmässigen Gratisfahrten hatte prüfen können. Dieser Probebetrieb war ursprünglich für die Dauer von 6 Monaten geplant, wurde dann aber zweimal verlängert bis Ende März 1957.
Das erste Fahrzeug war ein Saurer-Reisecar Jahrgang 1949 mit 22 Sitz- und etwa gleichvielen Stehplätzen, sechs Zylindern, 31,2 Steuer-PS und 80 Brems-PS, der von den PTT als Kursfahrzeug bereits abgenommen war. Dieses wurde von der Firma Gebrüder Ryffel Wädenswil gestellt, weiche vom Gemeinderat als Transportbeauftragte für den Probebetrieb gewählt worden war. Dieser Bus hatte weder Schiebe- geschweige denn automatische Türen. Der Chauffeur musste sich daher bei jedem Halt von seinem Sitz erheben, um die schwere, nach aussen aufgehende Türe zu öffnen und zu schliessen.
Der 1953 eingeführte Ortsautobus Wädenswil, ein alter Saurer-Bus der Verkehrsbetriebe der Stadt Zürich.
Fahrplangestaltung
An Werktagen verkehrten total 32 Kurse, wovon 4 nur an Samstagen und 3 nur von Montag bis Freitag. Es wurden aber nicht alle Quartiere gleichmässig bedient. Während zum Beispiel Musli von 21 Kursen profitierte, wurden nach dem Gwad nur 10 und in den Reidbach nur 11 Kurse geführt. Das hatte zur Folge, dass hier die Kursintervalle zwischen einer Stunde und drei Stunden schwankten.
Erste Abfahrt ab Bahnhof Wädenswil war um 6.03 Uhr, die letzte um 22.58 Uhr, und am Samstag folgten noch 2 Spätkurse um 23.48 Uhr und 00.18 Uhr für Musli bis Friedhof.
An Sonntagen figurierten 21 Fahrten im Plan, wobei die einzelnen Quartiere wiederum unterschiedlich bedient wurden, so zum Beispiel die Haltestelle Friedhof 14 Mal, Gwad 7 und Reidbach 6 Mal. Der erste Sonntagskurs verliess den Bahnhof Wädenswil um 8.35 Uhr Richtung Gwad, der letzte um 22.58 Uhr Richtung Musli−Friedhof−Reidbach.
Definitive Einführung und weitere Entwicklung
Aufgrund der positiven Ergebnisse des Probebetriebes, welcher den Nachweis erbrachte, dass die Schaffung guter Verkehrsverbindungen eine Notwendigkeit war, beschloss die Gemeindeversammlung am 19. Dezember 1956 die definitive Einführung des Wädenswiler Autobusbetriebes auf den 1. April 1957.
Gleichzeitig wurde der Transportauftrag neu der Firma Gebrüder Waldmeier übertragen, die diesen bis heute zur vollen Zufriedenheit von Behörden und Passagieren ausführt.
Die Fahrzeuge
Anfänglich wurde der Betrieb mi einem alten Saurer-Bus bewältigt, welcher von den VBZ (Verkehrsbetrieben der Stadt Zürich) übernommen werden konnte. Dieser sehr solide, aber auch entsprechen: schwere Wagen wies, wie damals allgemein üblich, Längsbänke auf und hatte als Neuerung gegenüber dem Probebetriebsbus Schiebetüren.
In der heissen Jahreszeit wurden zu Lüftungszwecken oftmals die Türen offen gelassen und nur mit einer Kette gesichert Wenn der Fahrer aus irgendeinem Grund plötzlich bremsen musste, konnte es passieren, dass die Passagiere auf den Längsbänken unsanft durcheinander gerüttelt wurden. In der Nähe des Einganges stehende Einkaufstaschen wurden hinausgeschleudert, und deren Inhalte lagen verstreut auf der Strasse.
Mit dem am 1. März 1958 in Dienst gestellten Berna-Autobus konnten die Wädenswiler Buspassagiere erstmals die Vorteile eines dazumal modernen neuen Busses geniessen. Dieser wies 20 Sitz- und 40 Stehplätze auf. Als Neuerungen wurden erwähnt: längere Sitzbänke, vertiefter Mittelgang, Haltestangen, automatische Drucklufttüren, Rohölheizung und eine Entlüftungsanlage. Vor der Inbetriebnahme weihte die Wädenswiler Schuljugend das Fahrzeug während dreier Tage ein. Sämtliche Schulklassen vom Kindergarten bis zur Sekundarschule wurden vom Autohalter zu einer Gratisfahrt im neuen Bus eingeladen, wozu der Gemeinderat allen noch einen kleinen Imbiss spendierte.
Seit 1 März 1958 verkehrt ein Berna-Autobus.
Eine weitere Verbesserung erfuhr der Betrieb durch die 1965 erfolgte Anschaffung eines neuen Mercedes-Grossraumfahrzeugs, das maximal 90 Personen aufnehmen konnte. Dieser komfortable Bus war erstmals mit Querbestuhlung ausgerüstet und für jene Zeit äusserst benutzerfreundlich eingerichtet. Ein weiterer Mercedes-Bus, der für den Linienverkehr noch zweckmässiger eingerichtet war, wurde 1973 neu in Dienst gestellt.
1965 und 1973 wurden Mercedes-Busse angeschafft.
Erweiterung der Linienführung
Vielfach geäusserten Wünschen entsprechend, erfuhr das Autobusnetz im Laufe der Jahre verschiedene Erweiterungen, so zum Beispiel
1956 vom Gwad bis zum Grundstein Au
1962 bis ins Schützenhaus Au
1965 bis Seeguet−Unterort Au
1965 bis Giessen und
1967 bis Eichweid.
Die im Probebetrieb geführten, später aber wegen mangelnder Frequenz wieder eingestellten Spätkurse wurden auf vielfach geäusserten Wunsch ab 1965 wieder in den Fahrplan aufgenommen.
Umfrage des Quartiervereins Au
Im November 1972 nahm sich der
Quartierverein Au die Mühe, unter der Bevölkerung der Au eine Umfrage durchzuführen über ihre Bedürfnisse im Hinblick auf die zukünftige Gestaltung des Busfahrplanes.
Aus den 113 ausgewerteten Fragebogen ging eindeutig hervor, dass der Wädenswiler Autobus für die Bevölkerung der Au sehr wichtig ist und nach Möglichkeit weiter ausgebaut und verbessert werden sollte. Vor allem wurden vermehrt Spätkurse und bessere Verbindungen an Sonn- und Feiertagen gefordert. Diese liessen allerdings noch einige Zeit auf sich warten und wurden erst in den letzten Jahren einigermassen zufriedenstellend in den Fahrplan aufgenommen.
Autobuskommission
Von 1953 bis 1974 wurden die ordentlichen administrativen Geschäfte des Autobusbetriebes durch die gemeinderätliche Buskommission erledigt. Sie war vor allem zuständig für die Fahrplangestaltung, die Erledigung der laufenden Geschäfte und für die Antragstellung an den Gemeinderat betreffend Linienführung, Tarifgestaltung und Kilometer-Entschädigungen an den Autohalter. Während dreier Amtsperioden war es dem Berichterstatter vergönnt, in dieser Kommission mitzuarbeiten. Grösstes Problem war es jeweils, die Wünsche der Bevölkerung und der regelmässigen Busbenützer mit den technischen, personellen und finanziellen Mitteln einigermassen in Einklang zu bringen. Dabei ging es vor allem darum, den Fahrplan so zu gestalten, dass dieser günstige Anschlüsse an die andern übrigen Verkehrsmittel aufwies, wie SBB, SOB, Schiff und PTT. Gleichzeitig musste aber auch auf diejenigen Arbeitnehmer Rücksicht genommen werden, welche in einem hiesigen Betriebe tätig und in einem andern Gemeindeteil wohnhaft waren. Ebenso waren die Hausfrauen zum Einkaufen auf günstige Kurse angewiesen.
Studie über Neuorganisation
Im Auftrag des
Stadtrates begutachteten Anfang 1976 ein hierfür spezialisiertes Ingenieurbüro den Busbetrieb und unterbreitete Vorschläge für eine Neuorganisation und einen zweckmässigen Weiterausbau.
Aufgrund dieser Anregungen wurden die Linien nummeriert, neue Billette und Abonnemente eingeführt, die Fahrpläne neu gestaltet: Man legte eine neue Basis für einen organisatorisch reibungslos durchführbaren Weiterausbau.
Anschaffung von weiteren Fahrzeugen
1977 wurde ein neuer zweckmässiger FBW-Bus in Dienst gestellt, dem 1979 ein zweiter Wagen gleichen Typs folgte.
Frequenz-Entwicklung
Der zweite FBW-Bus auf Eröffnungsfahrt, 1979.
Die Vorteile unseres Wädenswiler Autobusses
Wenn ich auf die Entwicklung unseres Autobusbetriebes zurückblicke und diesen mit andern kommunalen Verkehrsbetrieben am Zürichsee vergleiche, so darf ich ohne Übertreibung feststellen, dass unser Autobus heute einer der bestausgebauten in unserer Region ist. Da ich dieses Verkehrsmittel nun seit 36 Jahren praktisch täglich benütze, fällt mir immer wieder auf, wie wertvoll und zweckmässig dieses für die Benützer ist.
Besonders schätze ich
- die guten Verbindungen, praktisch auf alle Schnellzüge und viele Regionalzüge
- dass ich beim Einkaufen in Wädenswil keine Parkplatzsorgen habe
- dass man sich die Fahrzeiten des Taktfahrplans gut merken kann
- erfahrene und zuvorkommende Chauffeure
- das nette Zusammentreffen mit anderen Bewohnern im Bus
- gut ausgebaute Haltestellen und Wartehäuschen.
Es lohnt sich daher, auf das private Fahrzeug zu verzichten und sorgenfrei den Bus zu benützen, statt sich im Verkehrschaos in den Stosszeiten zu ärgern.
Die Entwicklung hat deutlich gezeigt:
Je mehr der Bus benützt wird, desto besser kann der Fahrplan ausgebaut werden.
Über die Entwicklung von 1980 bis heute
berichtet der Präsident der Verkehrskommission Wädenswil, Gemeinderat Kurt Schreiber, in seinem nachstehenden Beitrag. Wie man daraus entnehmen kann, hat sich unser Busbetrieb in dieser Zeit nochmals ganz erfreulich weiterentwickelt.
Von Herzen wünsche ich daher unserem Wädenswiler Autobus und allen daran Beteiligten, dass er auch in der neuen Ära, als Bestandteil des Zürcher Verkehrsverbundes, sich kontinuierlich weiterentwickeln und seine wichtige Aufgabe als Bindeglied zwischen unseren verschiedenen Stadtteilen zum Wohle unserer Bevölkerung und unserer Umwelt in vollem Umfange erfüllen kann.
Hans Pfenninger
Au-Wädenswil
1980 – Eine gute Ausgangsbasis
Sowohl das Dorf als auch die Au waren mit dem Ortsbus Wädenswil gut erschlossen. Betriebsschluss war früh –nach halb neun Uhr abends kehrten die Fahrzeuge in die Garage zurück. Nach 22 Uhr konnten die Bewohner des Dorfes (der Stadt) dank des Postautos in ihre Quartiere gelangen, und für diejenigen der Au stand ein Kleinbus eines Taxiunternehmens zur Verfügung, der um 23 Uhr vom Bahnhof wegfuhr.
Zu jenem Zeitpunkt nahm die Verkehrskommission Wädenswil ihre Tätigkeit auf. Ihre Vorgänger, die Buskommission des Gemeinderates Wädenswil und die städtischen Werke, hatten vorzügliche Aufbauarbeit geleistet. Dafür sei auch an dieser Stelle bestens gedankt.
Ausbau in kleinen Schritten
Der frühe Feierabend des Busbetriebs und die dadurch fehlenden Abendverbindungen ins Dorf und in die Au waren die ersten Probleme, mit denen sich die Verkehrskommission zu beschäftigen hatte. Weitere Wünsche betrafen eine bessere Erschliessung des Hangenmoos und des Staubeweidli. Die Gestaltung des Bahnhofplatzes war bereits 1980 ein Thema, und kurz darauf wurde der Wunsch einer Busverbindung ins Unterort geäussert.
Gut Ding will Weile haben ... Heute (1989) ist der Bahnhofplatz provisorisch angepasst und ab Fahrplanwechsel 1990, wird der Bus regelmässig ins Unterort fahren.
Die Schule macht’s möglich
Schule und Autobus − was haben die beiden Institutionen gemeinsam? Der bestehende Schulbus war 1981 altersschwach geworden, und es sollte Ersatz beschafft werden. Der Schulbus fuhr während der Schulzeit zu Beginn des Unterrichts. Weshalb sollte man ihn während der übrigen Zeit nicht für den Ortsautobus nutzen? So wurde der Kleinbus von den städtischen Werken angeschafft und der Schule zur Verfügung gestellt, die für die Schülerkurse bezahlte. Nun war es möglich, die gewünschten Fahrgelegenheiten auch abends anzubieten. Die Primarschule Wädenswil war der beste Kunde des Kleinbusses, und sie hat auf diese Weise entscheidend zum verbesserten Angebot des Autobusses Wädenswil beigetragen.
Ab 1982 – Wädenswiler Stadtrundfahrten
Der Kleinbus als Lösung der damaligen Probleme war in Sicht. Der Abendfahrplan konnte gestaltet werden. Nur − wohin sollte der Bus zuerst fahren? Die Örtler verlangten, dass die Au zuerst bedient werde, und die Bewohner des Dorfes wollten ihn zuerst in ihren Quartieren haben. Dank Grossrundkurs oder «Stadtrundfahrt» über Eichweid − Speerstrasse − Gulmenmatt − Hangenmoos − Schützenhaus − Seeguet konnte Wädenswilern und Örtlern gedient werden. Wohl haben die Bewohner der Au eine längere Fahrzeit, sie sitzen aber bei schlechter Witterung im Bus am Trockenen und kommen gleichwohl schneller nach Hause.
Das gleiche Konzept galt während kurzer Zeit auch für die Quartiere Reidbach und Staubeweidli. Der Bus fuhr über die Schmiedstube direkt dorthin − er fuhr aber an der Nachfrage vorbei. Kaum war der Fahrplan in Kraft getreten, wurde die Route durch die Zusatzschlaufe über Gulmenmatt − Eichweid ergänzt. Ein Umweg, der sich lohnte.
Als dem Kleinbus fast der Schnauf ausging
Der Kleinbus war meistens prallvoll, und entsprechend langsam keuchte er die Schönenberg- und Zugerstrasse hinauf. Die Betriebskosten waren aber um einen Drittel geringer als diejenigen eines Grossbusses − so kam es vorderhand nicht in Frage, am Abend derartige Fahrzeuge einzusetzen. Zuerst ganz sachte, beispielsweise am Abendverkauf freitags, dann auch an den übrigen Wochentagen übernahmen die grossen Fahrzeuge die Beförderung der Fahrgäste am Abend.
Höhere Kosten – lohnt sich der Aufwand?
Nicht nur bei den SBB, sondern auch beim Ortsbus Wädenswil wurde 1982 das Angebot nachhaltig ausgebaut. Die ausgedehnten Betriebszeiten verlangten die Einstellung von zwei weiteren Fahrern, und die Kilometerleistung steigerte sich ziemlich genau um den Erdumfang − also um 40‘000 Kilometer. Wohl vermochte die Frequenzzunahme den Kostenschub nicht sofort aufzufangen − sie lag bei 8 Prozent und liess sich in der Folge auf bis zu 10 Prozent jährlich ausbauen. Die Titelfrage kann mit «ja» beantwortet werden − bis heute hat sich diese erfreuliche Entwicklung fortgesetzt, und der Autobus Wädenswil verzeichnet Zuwachsraten von jährlich 10 Prozent, Werte, von denen andere Transportunternehmen träumen ...
1982: Anschaffung eines Kleinbusses.
Weshalb erschliesst der Bus Baustellen?
Diese Frage war 1983 berechtigt. Damals waren im Büelenquartier verschiedene Siedlungen im Bau, und bereits zu jenem Zeitpunkt wurde eine Buslinie eingerichtet. Zu Beginn waren die Frequenzen sehr mässig. Noch ein Jahr, und wenn keine Besserung eintritt, wird die Linie wieder eingestellt, so der damalige Beschluss über das weitere Vorgehen. Das Warten lohnte sich − viele Bewohner des Büelenquartiers lassen sich mit dem Bus von und in die Stadt fahren. Hier ein Lehrstück im positiven Sinne: Das Angebot muss schon vor der Nachfrage vorhanden sein.
Weitere Ausbauschritte
1985 wurde ein weiterer Ausbauschritt vollzogen − im Dorf der 20-Minuten-Takt (alternierend Linie 3 und 4) und in die Au drei Fahrgelegenheiten pro Stunde (zweimal ins Appital, einmal ins Seeguet) eingeführt. Auch die Bedienung der Aussenquartiere wurde weiter verbessert, und die Betriebszeiten an Sonntagen konnten ausgedehnt werden.
Kein Wunder, dass diese erfreuliche Entwicklung dazu verleitete, auch 1985 die Wädenswiler einmal mehr wegen des Autobusses in den April zu schicken, indem zur Bewältigung der massiv gestiegenen Frequenzen der Einsatz eines Doppelstockbusses angekündigt wurde, dessen Probefahrten für das Publikum auf den 1. April angesetzt waren.
1985 wurde der alte VBZ-Bus durch ein neues Fahrzeug ersetzt. Es handelt sich um einen Volvo-Bus mit einem 240-PS-Viertakt-Unterflurdieselmotor. Dieses Fahrzeug lässt sich an den Haltestellen pneumatisch um sieben Zentimeter absenken und bietet gerade älteren und gehbehinderten Leuten noch bessere Einsteigeverhältnisse. Dazu erhielten die sieben Fahrer einen achten Kollegen; denn der weiter ausgebaute Fahrplan bedingte zusätzliches Personal.
Der Kleinbus wird zu klein
Ab 1984 werden die Abendkurse durch Grossbusse geführt, wobei bei einzelnen Kursen die PTT die Wädenswiler Quartiere bedienen. Die Zusammenarbeit mit den PTT ist sehr gut. Auch die Kurse Richtung Hangenmoos wurden verdichtet, bleiben aber auf der Zugerstrasse, da die betroffene Bevölkerung aufgrund einer Umfrage keine Buslinie im Quartier wünschte.
Im Laufe der Zeit genügte der Kleinbus dem Fahrgastaufkommen auf den bisher eingesetzten Linien nicht mehr, und ab 1987 hat nun ein mittelgrosses Fahrzeug seine Aufgabe übernommen.
Hatte man einst in Wädenswil über den frühen Betriebsschluss des Autobusses gejammert, so galt bald einmal das Gegenteil. So verkehrt seit Frühling 1987 ein Kurs, der in der Nacht vom Samstag auf den Sonntag um Viertel vor eins den letzten Zug aus Zürich abnimmt.
Busse und Chauffeure am Bahnhofplatz: FBW, FBW, Volvo.
Wermutstropfen
Auch davon ist zu berichten − ähnlich von der einzigen Angebotsreduktion auf dem Wädenswiler Busnetz. Diese betrifft die Untere Weidstrasse, die Bestandteil der allerersten Buslinie in Wädenswil bildete. Trotz gutem Angebot fuhr der Bus leer oder mit wenigen Passagieren durch diese Strasse. Dazu kamen betriebliche Probleme, weil bei Auslad ab Lastwagen der Bus nicht mehr durchfahren konnte. Nach langem und gründlichem Abwägen wurde schliesslich beschlossen, die Linie 7 nicht mehr über die Untere Weidstrasse zu führen. Hier darf aber auch vermerkt werden, dass in zumutbarer Gehdistanz Haltestellen der Linie 3 bestehen, so dass diese Bewohner vom Autobusnetz nicht ausgeschlossen sind.
Das Busangebot heute …
Heute kennen wir im Dorf den 20-Minuten-Takt, dasselbe gilt für die Au ins Appital. Das Seeguet, die Quartiere Staubeweidli und Büelen werden alle dreissig Minuten bedient. Samstags und sonntags wird das Angebot reduziert. Diese dichte Kursfolge bewirkte die Einstellung weiterer Chauffeure. Heute sind zehn Mitarbeiter unseres Transportbeauftragten der Garage Waldmeier AG, dafür besorgt die Passagiere des Autobusses Wädenswil rasch, sicher und bequem an ihr Ziel zu bringen.
… und morgen mit dem Zürcher Verkehrsverbund (ZVV)
Der Zürcher Verkehrsverbund wird ab 27. Mai 1990 für das Angebot des Autobusses Wädenswil verantwortlich sein. Nach wie vor wird der Autobus Wädenswil in den blau-weissen Farben verkehren, eine Namensänderung ist auch nicht vorgesehen. Hingegen wird das ganze Tarifwesen durch den Zürcher Verkehrsverbund geregelt. Im Verbundsbillett sind in Zukunft alle Transportmittel mit Ausnahme des Flugzeugs inbegriffen. Wädenswil und Au werden ab 27. Mai 1990 eine Tarifzone bilden, das Einzelbillett kostet voraussichtlich 1.50 Franken und ist gültig für Bahn, Postauto, Schiff und Autobus Wädenswil.
Im Dorf wird auf den Linien 3 und 4 der Halbstundentakt eingeführt. Das heisst, dass die betroffenen Bewohner alle Viertelstunden über eine Fahrgelegenheit verfügen werden.
Die Verkehrskommission wird den Fahrplan nicht mehr selber gestalten, sie wird aber auf die Vorschläge des ZVV Einfluss nehmen können, und sie gedenkt dies nachhaltig zu tun.
Der Autobus Wädenswil wird als einer der grössten und am besten ausgebauten Ortsbusbetriebe im Kanton Zürich an den ZVV übergehen. Eine erfreuliche lokale Entwicklung ist damit abgeschlossen. Sie geht weiter. Gute Fahrt in die Zukunft mit gut besetzten Fahrzeugen − das ist der Wunsch, der hier dem Autobus Wädenswil mitgegeben sei.
Kurt Schreiber
Präsident der Verkehrskornmission Wädenswil