Darum handelt ihr gegenüber wie Knechte Gottes. Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist!» Dann ruft Jodokus Grob «die lieben Brüder und christlichen Zuhörer» auf, dem Junker Landvogt mit heiligem Eid Gehorsam, Treue und Untertänigkeit zu bezeugen. Der Pfarrer erinnert auch den Landvogt und die Beamten an ihre Pflichten und bittet: «Strecket aus als liebreiche Väter die Arme eures gnädigen, hochobrigkeitlichen Schutzes und Schirmes!» Dann schliesst er die Huldigungspredigt mit einem innigen Gebet.
Der Treue-Eid
Die Predigt ist zu Ende. Jetzt erhebt sich Untervogt Hensler und ruft mit lauter Stimme: «Alle Männer, die auf der Empore Platz genommen haben, sollen sich ins Schiff hinunter begeben.» Mittlerweile haben sich auch der Landvogt, der Seckelmeister und der Rechenschreiber erhoben. Würdig tritt Landvogt Schwerzenbach an den Taufstein. Rechts von ihm steht der Seckelmeister, links der Rechenschreiber und hinter dem Taufstein haben sich der Untervogt und die Weibel der Herrschaft aufgestellt. Sie tragen alle die Amtstracht, einen Mantel in den Zürcher Ehrenfarben. Jetzt beginnt der Seckelmeister seine Ansprache an die Herrschaftsleute. Dann entblösst der Landvogt sein Haupt und spricht ebenfalls zu den Herrschaftsleuten. Jetzt fordert er junge und alte Männer auf, den Eid zu leisten, den der Rechenschreiber langsam und deutlich vorliest:
«Ihr sollt schwören, unsern Gnädigen Herren Bürgermeister und Räten der Stadt Zürich Treue und Wahrheit zu halten und ihnen und ihrem gegenwärtigen Vogt dienstbereit und gehorsam zu sein. Und wenn einer von euch etwas vernähme, das den Gnädigen Herren, ihrer Stadt oder ihrem Land Schaden oder Gebresten bringen könnte, soll er es dem Vogt vorbringen und ihn warnen und schützen, so gut er es vermag.
Keiner soll den andern, er sei reich oder arm, vor ein fremdes Gericht ziehen, es sei geistlich oder weltlich. Und es soll auch keiner in den Krieg laufen, reiten oder gehen ohne die Erlaubnis, das Wissen und den Willen der Gnädigen Herren von Zürich.»
Hierauf müssen die Herrschaftsleute die Hand aufstrecken und dem neuen Landvogt Jakob Schwerzenbach nachsprechen: «Was mir vorgelesen, das will ich wahr und stät halten, demselben genug tun, getreulich. und ohne alle Gefahr (ohne böse Absicht) als ich bitte, dass mir Gott helfe.»
Nach dem Schwur begeben sich die drei hohen Herren wieder in ihre Stühle. Den Herrschaftsleuten wird jetzt eine Reihe von Mandaten vorgelesen. Sie handeln vom Schwören und Gottlästern, vom «Füllen» und Zutrinken, vom Spielen und Kleidertragen, vom Reislaufen und vom Besuch der Wirtshäuser, vom Bettel und vom Aberglauben.
Regenten-Psalm
Zum Schluss der Feier singt die Gemeinde den Regenten-Psalm 101: «Von Gnade und Recht will ich singen; dir, o Herr, will ich spielen. In meinem Hause soll keiner wohnen, der Falschheit übt; der Lügen redet, kann nicht bestehen vor meinen Augen. Mit jedem Morgen vernichte ich die Frevler alle im Lande, rotte aus alle Übeltäter aus der Stadt des Herrn.»
Die Kirchenglocken läuten wieder; die Leute strömen aus dem Gotteshaus. Der Landvogt, der Pfarrer, die Beamten und Gäste begeben sich sogleich ins Schloss hinauf, wo ihrer eine üppige Mahlzeit harrt. Das gewöhnliche Volk aber geht wieder der Arbeit nach. Es hat vom eigenen Pfennig zu zehren.