Das Signal «Wohnstrasse» bedeutet:
Die Fussgänger dürfen die ganze Strasse benützen; das Spielen auf der Strasse ist erlaubt.
Die Höchstgeschwindigkeit der Motorfahrzeuge ist auf 20 km/h beschränkt.
Die Fahrzeuge dürfen die Fussgänger weder gefährden noch behindern; andererseits dürfen die Fussgänger den Verkehr nicht unnötig behindern. Das Parkieren von Autos ist nur an dafür besonders gekennzeichneten Stellen gestattet.
Januar 1979
Verschiedene Vereine, Gruppen und Parteien beginnen sich mit den Entwicklungsvorstellungen auseinanderzusetzen. Eine der zentralen Fragen bezieht sich auf die Wünschbarkeit der Verlegung der unteren Zugerstrasse, verbunden mit der Schaffung einer Fussgängerzone im Dorfzentrum.
Februar 1979
Eine Parteiversammlung des Landesrings der Unabhängigen (LdU) spricht sich gegen die Verlegung der Zugerstrasse aus, wünscht jedoch eine Alternative zur Fussgängerzone im Wädenswiler Kern, zum Beispiel in Form von Wohnstrassen in verschiedenen Quartieren unserer Stadt.
März 1979
Die Gemeinderäte Oskar Fischer und Bruno Ern reichen ein Postulat ein, mit welchem der Stadtrat gebeten wird - im Rahmen der Überarbeitung der Ortsplanung, insbesondere des Verkehrsrichtplanes, geeignete Quartierstrassen vorzusehen, welche als Wohnstrassen ausgebaut werden können, - in Zusammenarbeit mit der betroffenen Bevölkerung und unter Ausnützung aller gesetzlichen, baulichen und polizeilichen Möglichkeiten die Ausgestaltung und Kennzeichnung solcher Wohnstrassen zu planen und zu verwirklichen;
- Wädenswil als Versuchsgemeinde für Wohnstrassen beim Eidg. Justiz- und Polizeidepartement in Bern anzumelden;
- Jährlich innerhalb des Geschäftsberichtes über den Stand der Planung und der Verwirklichung von Wohnstrassen Bericht zu erstatten.
Mai 1979
An der Gemeinderatssitzung erklärt sich der Bauvorstand, W. Höhn, namens des Stadtrates bereit das Postulat entgegenzunehmen.
Unabhängig von der parlamentarischen Diskussion hat sich kurz zuvor, auf Initiative verschiedener Bewohner im Eichweidquartier, eine Gruppe unter der Leitung von Roland Heuberger zusammengefunden, welche erste Projektvorschläge für eine Wohnstrasse auf der Walther-Hauser-Strasse einreicht.
Oktober 1979
Der Stadtrat gibt an der Gemeinderatssitzung seine Bereitschaft bekannt, die Stadt Wädenswil beim Eidg. Justiz- und Polizeidepartement als Versuchsgemeinde für eine Wohnstrasse anzumelden. Als Versuchsprojekt scheint die Walther-Hauser-Strasse geeignet. Die Projektidee der Anwohner soll deshalb weiterverfolgt werden.
Mit einer Umfrage über das ganze Gebiet der Stadt Wädenswil versucht der LdU herauszufinden, in welchen Quartieren das Bedürfnis und der Wunsch nach einer Wohnstrasse am ausgeprägtesten sind. Die Umfrage lässt klar erkennen, dass die Wohnstrassendiskussion im Eichweidquartier am weitesten fortgeschritten ist. Die Walther-Hauser-Strasse erreicht die grösste Anzahl der abgegebenen Stimmen. Ein zweites Schwergewicht ergibt sich für die General-Werdmüller-Strasse in der Au, gefolgt von 25 weiteren Strassenabschnitten, welche nach Ansicht verschiedener Mitbürger als mögliche Wohnstrassen in Frage kommen.
Januar bis April 1980
Das Bauamt überarbeitet das private Wohnstrassenprojekt für die Walther-Hauser-Strasse. Dieses wird den zuständigen Instanzen in Bund und Kanton eingereicht. Das Versuchsobjekt erfüllt die kantonalen Bedingungen und übersteht auch nach geringfügigen Änderungen die Prüfung durch die eidgenössischen Instanzen. Recht bald schon erhält die Gemeinde die nötigen polizeilichen Bewilligungen für das Wohnstrassenprojekt Walther-Hauser-Strasse. Abzuwarten ist noch das formelle Bewilligungsverfahren mit Ausschreibung innerhalb der Gemeinde Wädenwil selbst.
Mai 1980
Mit Informationstafeln und einem umfassenden Artikel im «Anzeiger» wird die Bevölkerung von Wädenswil offiziell über das in Aussicht genommene Wohnstrassenversuchsprojekt informiert. Alle Einwohner werden eingeladen, Wünsche und Anregungen zu diesem Vorhaben einzureichen. Die Orientierung wird begleitet durch eine Umfrage des Bauamtes bei den Anwohnern der Walther-Hauser-Strasse. Von den 160 ausgeteilten Fragebogen erhalt das Bauamt 86 ausgefüllt zurück. 73 % der Antwortenden sprechen sich für, 27 % gegen das Wohnstrassenprojekt aus.
12. Juni 1980
Am Abend der Orientierungsversammlung sendet Radio Zürich im Regionaljournal einen Beitrag über den Wohnstrassen-Versuch in Wädenswil.
Juni 1980
Die Arbeitsgruppe Pro Wohnstrasse konstituiert sich. Als erstes nimmt sie die Aufgabe in Angriff, in Zusammenarbeit mit dem Bauamt und weiteren Beteiligten eine Orientierungsversammlung über das Wohnstrassenprojekt zu organisieren. Am 12. Juni 1980 benützen weit über 100 Mitbürger die Gelegenheit, sich auf der Walther-Hauser-Strasse zu treffen, wo das künftige Wohnstrassenprojekt an Ort und Stelle markiert worden ist. Nach der Besichtigung findet sich ein engagiertes Publikum in der Turnhalle Gerberacher ein, wo Stadtingenieur Karl Bachmann sowie der zuständige Sachbearbeiter Roland Heuberger das Wohnstrassenprojekt fachkundig erläutern.