Die Säge am Sagenrain
Quelle: Archiv von Peter Ziegler
Der Flurname «Sagenrain» erinnert an die am Unterlauf des Krähbaches gelegene Dorfsäge, welche im Jahre 1905 abgebrochen worden ist. Ihre Geschichte ist erst seit dem Jahre 1671 klar fassbar (STAZH, Grunbprotokoll Wädenswil Bd. 2, S. 133a). Damals verkaufte Heinrich Schnyder «bey der Sagen usserthalb dem Dorff Wedenschwyl» dem jungen Giessenmüller Hans Eschmann folgenden Besitz: ein Haus mit Hofstatt, Garten, Reblauben, Weid und Matte, ferner ein Saghaus mit Wassersäge, Reibe und Zubehör und den ob der Sägerei liegenden Weiher, der das Wasser des Kräh- und Sagenbaches speicherte. Der Verkäufer sicherte sich noch für zwei Jahre das unentgeltliche Wohnrecht in der Säge, ausserdem räumte er sich das Recht ein, die noch ungefähr hundert Baumstämme, welche teils bei der Sägerei, teils in Rapperswil liegen, zersägen zu dürfen.
Säge von Heinrich Pfister am Sagenrain, zwischen Hoffnungsweg und Seestrasse vor dem Abbruch im Jahre 1905. Ansicht von der See her. Auf diesem Areal entstand die Färberei Hummel. Im seeseitigen Vorbau des Riegelhauses das vom Kräh- und Sagenbach getriebene Sägewerk, davor der Lagerplatz für Holz.
Der neue Sägerei-Besitzer entstammte dem angesehenen Rittmeister- und Landschreibergeschlecht Eschmann. Von seiner gehobenen sozialen Stellung zeugt die Tatsache, dass er Besitzer dreier wichtiger Betriebe war: der Giessenmühle, der Sägerei und des Wirtshauses
zur Krone.
Ums Jahr 1765 gehörte die Sägerei am Krähbach dem Jakob Gattiker. Die Liegenschaft «bey der Sagen» bestand damals aus einem Haus mit einer Bestallung und dem Schopf daran, aus einem Haus mit der
Schiffhütte darunter (heutiges Haus Seestrasse 150) sowie aus «einer Sagen mit ihrer Tachung und Zugehörd».
Als Grenzen des Umgeländes werden angegeben: der Sagenbach, der Fussweg oberhalb der Säge, die Landstraße und das Seeufer. Im August 1768 wurden die Grenzen des Sägerei-Heimwesens enger gezogen. Die Brüder Rudolf, Johannes, Jakob und Heinrich Gattiker verkauften damals dem Chirurg Hans Conrad Hauser «ein Haus mit einer Bestallung und einem Schopf dar an, samt dem Garten vorhalb und einem kleinen Stückli Matten oberhalb dem Haus, genannt bey der Sagen». Um späteren Meinungsverschiedenheiten vorzubeugen, liess man noch eine Reihe von Servituten zu Protokoll zu geben. So musste Chirurg Hauser den Sägereibesitzern gestatten, an seinem Hause vorbei Trämel vom See zur Säge und von der Sage zum See zu führen, wie sie dies von alters her gewohnt waren. Und der Sodbrunnen vor dem verkauften Haus, so wurde weiter vereinbart, sollte den Familien Gattiker und Hauser gemeinsam gehören.
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde noch ein weiterer Besitz vom Heimwesen abgetrennt. Chirurg Hauser erwarb das zwischen seinem Haus und dem Sägeplatz gelegene Mattenstück und umgrenzte es mit einem Lattenhag. Eine Bedingung musste er allerdings eingehen: Er hatte dem Säger Rudolf Gattiker zu bewilligen, dass er beim Sägen langer Latten «die Spitze von selbigen auf dem Latt Hag ablegen dörffe, jedoch dem Käufer ohne Schaden.» Seit den 1780er oder 1790er Jahren erscheint auch die «Behausung mit der Schiffhütten» (Seestraße 150), welche ursprünglich ebenfalls zur Sägerei gehört hatte, als selbständige Liegenschaft, die bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts «Schiffhütte» heisst und nachher «Zum Seegarten» genannt wird.
Schlittelnde Kinder bei der Einmündung der Florhofstrasse in die Seestrasse am Sagenrain um 1900. Links die Sägerei des Heinrich Pfister, abgebrochen im Jahre 1905. Rechts die Häuser an der Florhofstrasse oberhalb der heutigen Abzweigung des Hoffnungsweges.
Als Heinrich Pfister 1898 die Säge am Unterlauf des Krähbaches übernahm, bestand das ehemals weiträumige Heimwesen nur noch aus einem Sägegebäude mit Wohnungen und vier Anbauten und aus dem Sägeweiher mit den ihn umgebenden Mattenstücken und dem Sägeplatz. Es zeigte jenen Zustand, der auf einer zeitgenössischen Foto festgehalten worden ist.
Im Zusammenhang mit der Korrektion des Krähbaches wurde die alte Dorfsäge am Sagenrain (Standort: beim Westtrakt der ehemaligen Färberei Wädenswil zwischen Hoffnungsweg und Seestrasse) im Jahre 1905 abgebrochen. Den beim Hause von Schmied Meyer (heute Haus bei der Kulturgarage) gelegenen Sägenweiher füllte man auf; auf diesem Land hat die Firma
Gessner & Co. AG moderne Wohnbauten erstellt.
Färberei und Chemische Waschanstalt AG Wädenswil an der Seestrasse 151, um 1945. Die 1857 gegründete Firma wurde ursprünglich von Caspar Brennwald um die Jahrhundertwende als Kleiderfärberei und Waschanstalt Hummel & Hottinger geführt. Die Gebäude wurden 1959 für einen Neubau abgebrochen.