In der Nordecke des heutigen Bahnhofplatzes, nahe dem Bahnhof und dem
Café Brändli, stand bis 1931 das Restaurant Zum Schiffli. Eröffnet wurde es im Jahre 1837 von Wirt Gattiker. Im Herbst 1900 übernahm
Hermann Gattiker (1876–1967), der Urenkels des Gründers, als gelernter Koch und Konditor die traditionelle Wädenswiler Gaststätte. Aus dieser Zeit stammt das Bild, mit Blick in die Bahnhofstrasse mit den Wirtschaften
Bellevue und
Engel im Hintergrund rechts. Die Anschriften an der Hauptfassade der Gaststätte zeugen von Gattikers reichem Angebot: «Wein, Bier, Café, dunkles Pilsner Bier offen, offene Land- und Flaschenweine, Saal für Vereine und Gesellschaften.» Und über der Türe war zu lesen: «Fertige Mittagessen, Vorzügliche Weine».
Das «Schiffli» des geselligen Eigentümers – dorfbekannt als «Schiffli-Gattiker», war ein beliebter Wädenswiler Treffpunkt. Besonders an der
Fasnacht ging es hier sehr lebhaft zu, «mit Rummelbummel in allen Sälen», wie Gattiker jeweils in der Lokalzeitung inserierte.
Erzählt wurde folgende Begebenheit: Im Saal ruft Gattiker in den Aufzug: «Herr Ober, einmal Hecht gebacken!» Dann verschwindet er in der Küche, legt den selbst zubereiteten Fisch in den Aufzug, erscheint wieder im Saal und ruft in den Aufzug: «Herr Ober, kommt der Fisch bald?» Und tatsächlich: Der Herr Ober hat gewirkt!
Gattiker war im Dorfleben sehr präsent: Von 1902 bis 1945 war er Quästor der
X-Gesellschaft, der 1873 gegründeten Wädenswiler Fasnachtsgesellschaft und von 1929 bis 1936 amtete er als Präsident des
Verkehrsvereins. Das «Gattiker-Känzeli» unterhalb der Schönegg erinnert noch heute an ihn.
1929 erwarben die SBB Hermann Gattikers Liegenschaft Zum Schiffli zur Erweiterung des Bahnhofs. 1931 wurde das «Schiffli» abgebrochen. Das Wirtshausschild, das Modell des ersten Zürichsee-Dampfschiffs Minerva, kam ins
Ortsmusem und wird heute im Fundus der Stadt Wädenswil aufbewahrt.