Schon am 6. August wurde die Vorfreude auf das Einweihungsfest geweckt mit einem längeren Bericht auf der Frontseite des «Allgemeinen Anzeigers vom Zürichsee». Über die Raumaufteilung steht: «Zwei prachtvolle Lehrzimmer, hohe, weite Gänge, Garderobezimmer, die Aborte mit Einzelspülung und Kläranlage haben ihren Platz im Parterre gefunden, während im ersten Stockwerk ein freundliches Arbeitsschulzimmer, ein Sammlungs- und Handfertigkeitsraum, sowie eine modern eingerichtete Lehrerwohnung mit bewunderungsvoller Fernsicht den Beschauer fesseln werden. Das Souterrain zeigt zwei disponible Räume, wobei der eine bereits für Schulküche und Baderaum reserviert ist. Eine best eingerichtete Waschküche, Zentralheizungs- und Kohlenraum sowie das Archiv und der Lehrerkeller sind recht vorteilhaft platziert. Auch das elektrische Licht, das der moderne Mensch nicht mehr entbehren kann, hat seinen Weg zum neuen Haus gefunden.» Am 9. August um 13 Uhr versammelten sich alle Schüler beim alten Schulhaus, bei bewölktem, aber trockenem Wetter, nachdem es am Morgen noch stark geregnet hatte. Dort wurden sie in Gruppen eingeteilt, und singend marschierte man zum Neubau, welcher festlich geschmückt war und wo die gesamte Bevölkerung der Au versammelt war. Den genauen Ablauf des Festes beschrieb der «Allgemeine Anzeiger vom Zürichsee» in zwei ganzseitigen Artikeln am 11. und 13. August. Vor der mit Tannengrün dekorierten Bühne sangen die Schüler ein Dankeslied, und Schulpflegepräsident Alfred Müller begrüsste in seiner Rede die geladenen Gäste und gab einen Abriss über die Baugeschichte. Nun sang der Töchterchor das Weihelied, es folgte eine lange, salbungsvolle Rede von Pfarrer Schreiber, Vertreter der Gemeindeschulpflege. Endlich konnte nun der gemischte Chor sein Danklied anstimmen. Als nächster Redner wandte sich der Abgeordnete des hohen Erziehungsrates, Dr. Zollinger, an die Festgemeinde. Er lobte vor allem das gute Verhältnis zwischen der Lehrerschaft und der Schulgemeinde Ort. Nun erklang der frohe und frische Gesang des Männerchors, und anschliessend konnte endlich das neue Schulhaus besichtigt werden. Die Schüler aber zogen in einem Festumzug mit Musik am
Brunnenhof vorbei zur Seestrasse und auf die
Halbinsel Au. Wegen eines erneuten Regengusses musste die vorgesehene Marschroute leider abgekürzt werden, aus Rücksicht auf die schönen Spitzenröcklein der Mädchen. Das Jugendfest beschrieb der Sechstklässler Julius Bär in seinem Aufsatz. Auf der Au wurden den Kindern zur Stärkung Tee und Butterbrötchen gereicht. Anschliessend galt es möglichst viele Punkte einzuheimsen. Mit Bällen, Pfeil und Bogen, Kindergewehren und mit blossen Händen gab jeder Schüler sein Bestes und freute sich nachher über den gewonnenen Preis. Gegen Abend kam nun auch die Sonne hervor, und so konnten die älteren Kinder auch den einstudierten Fahnenreigen noch vorführen. Nach Bratwurst und Schildweggen machten sich die Schüler auf den Heimweg. Ein Trompetensignal rief nun zum Bankett auf, welches von einer Tafelmusik mit lustigen Weisen untermalt wurde. Der gemischte Chor leitete mit einigen Liedern zum Abendprogramm über. Herr Leuthold-Strickler, Visitator, überbrachte die Grüsse der Bezirksschulpflege. Plötzlich stiegen Raketen in den Nachthimmel. Ein Mitglied der Baukommission hatte ein prächtiges Feuerwerk gestiftet, das von Konrad Hottinger, Wirt zum Restaurant Ausee, fachmännisch gezündet wurde. Grosse Heiterkeit verbreitete der Männerchor mit humoristischen Beiträgen aus seiner Rundschau im Ort. Zum Abschluss ergriff noch Herr
Blattmann-Ziegler, Präsident der Gemeindeschulpflege, das Wort. In seiner Rede machte er den von den Wädenswiler Dorfbewohnern damals als minderwertig angesehenen Aussensektionen Mut, indem er unter anderem sagte: «Man braucht sich aber nicht zu schämen, ein Örtler zu sein. Durch regen Fleiss sind sie zu Wohlstand gelangt. Das hat der stolze Bau gezeigt. Die Ansichten der landwirtschaftlichen Bevölkerung haben sich wesentlich geändert, indem auch sie findet, dass bei ihrem Berufe Bildung notwendig ist. Vor 10 Jahren noch hätte man wohl kaum ein solches Wagnis unternommen; heute haben die Örtler aus eigenem Antrieb das schöne Werk durchgeführt.» Bei Tanz und Musik wurde nun noch bis spät in die Nacht hinein weitergefeiert.