Zum Stand der Moore in Schönenberg

Quelle: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 2019 von Felix Brand

Die überkommunalen Moore und Riede werden durch die Fachstelle Naturschutz überwacht. Deshalb erfuhr ich nur ab und zu etwas über ihren Zustand, wenn ich eine Auffälligkeit meldete oder wenn ich als Mitglied der Naturschutzkommission von durchgeführten Massnahmen erfuhr. Bei der Fusion mit Wädenswil wurde die Kommission aufgelöst. Die Betreuung, hauptsächlich der kommunalen Schutzobjekte, muss nun von der Stadt gewährleistet werden. Gefährdet sind die Hochmoorreste beim Sagenhölzliried, am Gubelried und das Ried beim Rechberghölzli wegen Drainage-Einleitungen mit belastetem Wasser aus Landwirtschaftsgebieten sowie das nördliche Hinterbergried durch den Entwässerungsgraben.
Der Grund für den Rückgang der Hochmoore sind oft Eingriffe in der Vergangenheit: In fast allen Mooren sind im letzten Jahrhundert Entwässerungsgräben angelegt worden und es wurde Torf gestochen, der in getrocknetem Zustand als Brennmaterial diente. Dadurch trocknen sie langsam aus. Die Drainagegräben entziehen dem Torf die Feuchtigkeit und sorgen für Luftzufuhr. Dadurch setzt der Torf, der aus langsam vermodernden Pflanzenresten besteht, seine Nährstoffe frei und begünstigt das Wachstum von Büschen und Bäumen wie etwa Fichten. Diese verdunsten wiederum selbst viel Wasser und ebnen weiteren moorfremden Pflanzen den Boden – zum Beispiel im Hinterbergried.
Im Winter kreisen Rotmilane über dem Sagenhölzliried.

Als kurzfristige Massnahmen wurden die Gebiete teilweise mechanisch entbuscht, um die Moore und Riede vor der Verwaldung zu schützen und Grabenerneuerungen vorgenommen. Für die langfristige Rettung der Hochmoore muss der natürliche Haushalt mit genügend nährstoffarmem Wasser wieder hergestellt werden. Die Drainagegräben werden mit vorhandenem Torf und teilweise mit Sägespänen gefüllt, die dem sauren Klima des Bodens entsprechen. Kalk- und nährstoffreiches Wasser wird in Mulden gesammelt und abgeleitet. Gleichzeitig soll saures Wasser aus den Torflagern in kleinen Wasserflächen zurückgehalten und davor bewahrt werden, sich mit dem belasteten Wasser zu vermischen. In unseren kleinräumigen Mooren sind solche Massnahmen kaum zu realisieren. Im Hinterbergried müsste der bestehende Drainagegraben zum Nachteil der landwirtschaftlich genutzten Umgebung um das Moor herum geleitet werden. Dazu waren die betroffenen Landwirte nicht bereit. Allgemein fehlt es auch an Umgebungsschutzflächen an Hanglagen, um das Einsickern von belastetem Wasser zu verhindern.
In der Gemeinde Hirzel wurde 2012 mit dem «Bauprojekt Speicherweiher und Moorregeneration» begonnen, die einzige Regenerationsmassnahme in unserer Nachbarschaft. Damit wurde das nationale Hochmoor Spitzenmoos mit der anschliessenden Oertliweid um 70 Aren erweitert. Die notwendigen, massiven Baggerarbeiten auf dem Areal der Golfplatz AG und die Erstellung zusätzlicher Gräben im Spitzenmoos riefen den Unmut und Kritik der Landwirte am Bauvorhaben hervor. Bis vor einigen Jahren brütete in diesem Gebiet noch das Braunkehlchen. Durch die intensive Bewirtschaftung mit schweren Landwirtschaftsmaschinen ist dieser seltene Bodenbrüter heute verschwunden. Auch am letzten Standort der Braunkehlchen in der Schutzzone am Hüttnersee konnte im letzten Jahr keine Brut beobachtet werden.
Die Naturschutzzone am Hüttnersee.

In den kleinen, kommunalen Rieden ist hauptsächlich das Schilf, welches die Riedvegetation verdrängt, problematisch. In mehreren dieser Feuchtgebiete verbreitete sich das Schilf über die Jahre durch Nährstoffeinträge aus unserer hügeligen Landschaft. Die Arbeitsgruppe des Vernetzungsprojektes Schönenberg–Hirzel hatte diese Gebiete vor ein paar Jahren in ihr Projekt integriert. Die Gebietsbetreuer werden nun instruiert, zur Bekämpfung des Schilfes Ausmagerungsschnitte vorzunehmen. In wenigen Rieden begann sich auch der giftige Adlerfarn auszubreiten. Die Bekämpfung erfolgt durch frühzeitiges und mehrmaliges Mähen. Ein Zurückdrängen ist nur langfristig möglich. Im überkommunalen Ried Oberscherblegi wurde der Neophyt Kanadische Goldrute gefunden. Der Naturschutzverein Schönenberg eliminierte die Goldruten 2015 durch Ausreissen erfolgreich.
Entwässerung gefährdet Moore wie das Hinterbergried.

Im Sommer meldete unser Mitglied André Widmer die Beobachtung eines jungen Neuntöters im Sagenhölzliried. Die letzte Sichtung, ebenfalls von ihm, ist schon viele Jahre her. Umso erfreulicher ist diese aktuelle Beobachtung. Der Graureiher ist hingegen in unserer Grossgemeinde nicht nur an der Sihl und den Weihern, sondern auch in offenen Wiesen vereinzelt zu sehen, wo er Mäuse und Insekten erbeutet.




Felix Brandt,
Naturschutzverein Schönenberg