«Mostindien» ist kleiner geworden, aber immer noch finden sich auch in der Ostschweiz gepflegte Hochstamm-Mostobstbäume, zum Beispiel in der Region Moulen – Mörschwil. Auch das Domleschg hat sein Obst wieder entdeckt, unter www.zoja.viamala.ch kann man sich, zwar nicht ganz billig, einige Perlen des dortigen Obstbaus bestellen. Und in Steinmaur findet sich die kleinste, aber auch letzte Zürcher Grossmosterei, welche unter anderem aus dem eigenen Bio-Hochstammgarten Apfelsaft und Birnendicksaft herstellt.
Und dass die Geschichte umgekehrt verlaufen kann, zeigt der Obstbauer Hansruedi Brändli in der Au, der seine Niederstamm-Bäume zugunsten von Hochstämmen rodete. Oder der Haldenhof in der Au, wo heute 500 Hochstämme stehen, deutlich mehr als noch 1929.
Jürg Boos
Tabelle 1: Hochstammbestand in Wädenswil auf Grund der Eidgenössischen Obstbaumzählungen 1929 und 1951 bis 2001. Spalte 3 gibt die Bestandesgrösse im Vergleich zum Basisjahr 1951 wieder. Die Spalten 5, 7, 9 und 11 zeigen den jeweiligen Anteil einer Obstart am Gesamtbestand des Erhebungsjahres auf.
Jahr
|
Hochstämme Total
|
Apfel
|
Birne
|
Kirsche
|
Zwetschge
|
1
|
2
|
3
|
4
|
5
|
6
|
7
|
8
|
9
|
10
|
11
|
|
Anzahl
|
%
|
Anzahl
|
Anteil
|
Anzahl
|
Anteil
|
Anzahl
|
Anteil
|
Anzahl
|
Anteil
|
1929*
|
35711
|
|
8982
|
25%
|
21205
|
59%
|
2783
|
8%
|
2741
|
8%
|
1951
|
38104
|
100%
|
14169
|
37%
|
12708
|
33%
|
4252
|
11%
|
6975
|
18%
|
1961
|
30765
|
81%
|
12691
|
41%
|
8963
|
29%
|
3380
|
11%
|
5731
|
19%
|
1971
|
18666
|
49%
|
8298
|
44%
|
5348
|
29%
|
2147
|
12%
|
2873
|
15%
|
1981
|
13247
|
35%
|
4906
|
37%
|
4165
|
31%
|
1802
|
14%
|
2374
|
18%
|
1991
|
11116
|
29%
|
4181
|
38%
|
3646
|
33%
|
1385
|
12%
|
1904
|
17%
|
2001**
|
6068
|
16%
|
1861
|
31%
|
2360
|
39%
|
940
|
15%
|
907
|
15%
|
* Die Zählung von 1929 unterscheidet sich methodisch von den Zählungen von 1950 bis 2001. 1929 wurde der Gartenobstbau auch erfasst.
** Die Zählung von 2001 erfasste nur noch eine ausgewählte Stichprobe von Betrieben, tatsächlich dürften rund 15% mehr Bäume vorhanden sein.
Tabelle 2: Vergleich des Tafelapfelsortiments des Wädenswiler Obstbaubetriebes Rellstab zwischen 1934 (Lehmhof) und 2008 (Oberer Leihof). Aufgeführt sind die zehn wichtigsten Sorten, 1934 wies der Betrieb noch über 48 verschiedene Sorten und 2008 noch 21 Sorten auf.
1934
(Hochstamm)
|
2008
(Niederstamm)
|
Sorte
|
Anteil
|
Sorte
|
Anteil
|
Boskoop
|
14%
|
Gala
|
12%
|
Gravensteiner
|
5%
|
Elstar
|
11%
|
Engl. Goldreinette
|
5%
|
Boskoop
|
10%
|
Stäfner Rosenapfel
|
4%
|
Cox Orange
|
7%
|
Klarapfel
|
3%
|
Breaburn
|
6%
|
Ontario
|
3%
|
Topaz
|
6%
|
Aargauer Jubiläum
|
3%
|
Rubinette
|
6%
|
Wachsreinette
|
3%
|
Iduna
|
6%
|
Berner Rosenapfel
|
2%
|
Maigold
|
5%
|
Goldparmäne
|
2%
|
Gravensteiner
|
5%
|
|
|
|
|
Total Apfelsorten
|
>48
|
|
21
|
Bilder:
Bild 1: Fahrbare Brennerei um 1895. Um 1850 wurden in Wädenswil rund 60'000 Liter Branntwein in hergestellt (Bild: Dokumentationsstelle oberer Zürichsee)
Bild 2: Ansicht von Wädenswil um 1900. Ende des 19. Jahrhunderts war Wädenswil noch von einem dichten Hochstamm-Gürtel umgeben. Ein Grossteil dieser Bäume waren Birnbäume (Bild: Archiv Peter Ziegler).
Bild 3: Halbinsel Au um 1930. Die Rebbaukrise Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts liess rund 90 Prozent der Wädenswiler Rebberge verschwinden. Die freiwerdenden Flächen wurden zum Teil mit Hochstamm-Obstbäumen bepflanzt (Bild: Archiv Peter Ziegler)
Bild 4: Um der Mostobstschwemme zu begegnen, wurde auf den anspruchsvolleren Tafelobstbau umgestellt. Dazu wurden in der ganzen Schweiz von der Alkoholverwaltung bezahlte Kurse und Vorträge organisiert («Allgemeiner Anzeiger vom Zürichsee», 5.1.1933).
Bild 5: Wädenswiler Obstmesse vor 1962. Ab 1930 bis in die 1970er Jahre fand Ende Oktober in der Eidmatt-Turnhalle eine Ausstellung von Wädenswiler Obst mit Verkauf und Heimlieferung statt (Bild: Dokumentationsstelle oberer Zürichsee).
Bild 6: Rodung von Hochstämmen 1971 zur Umstellung des Betriebes Rellstab von Hochstamm auf Niederstamm-Anlagen (Bild: Familie Rellstab).
Bild 8 fehlt noch
(Schlieregg 2010)
|
|
Bild 7+8: Sicht von der Schlieregg auf den Wädenswiler Berg um 1930 und 2010 (Bild: Dokumentationsstelle oberer Zürichsee/J. Boos).