Der Friedhof im Dorf
Als man 1764 bis 1767 die heutige reformierte Kirche Wädenswil erstellte, überbaute man einen Teil des neben dem alten Gotteshaus gelegenen Friedhofs. Die Gemeinde musste sich nach neuem Friedhofland umsehen: Pfarrer Hofmeister trat einen Teil seiner Pfrundmatte ab.
1816 war die Kirchgemeinde abermals genötigt, den Friedhof zu erweitern. Der Stillstand, wie die Kirchenpflege damals hiess, kaufte daher im Jahre 1818 ein Grundstück oberhalb der Kirche – in der heutigen Ecke Eintrachtstrasse/Oberdorfstrasse – und richtete hier einen neuen Friedhof her, den man 1852 erweiterte. Der alte bei der Kirche wurde in den 1860er Jahren geräumt und zu einer Anlage umgestaltet.
Gräber auf dem Alten Friedhof.
Eine nochmalige Ausdehnung des Friedhofs ob der Eidmatt kam Ende der 1880er Jahre aus sanitarischen Gründen nicht mehr in Frage: der lehmhaltige Boden erwies sich als ungeeignet. Die letzten Erdbestattungen erfolgten hier 1909. Bis Ende 1930 mussten alle Grabsteine entfernt werden. seit 1964 dient das Areal des ehemaligen Friedhofs im Dorfzentrum als Sportanlage.
Friedhof an der Oberdorfstrasse, Flugaufnahme 1920.
Der neue Friedhof ob dem Schloss
1909 wurde nach Plänen der Herren
Alfred Dietliker und Ernst Klingelfuss an der Schönenbergstrasse oberhalb dem Schloss ein neuer, rund 6000 Quadratmeter grosser Friedhof mit Leichenhaus angelegt und am 2. Januar 1910 von der Politischen Gemeinde in schlichter Feier übernommen.
Der 1910 eingeweihte Friedhof ob dem Schloss, mit 730 Gräbern für Erwachsene und 184 Kindergräbern, war bald zu klein und wurde 1918 gegen Norden erweitert.
Bei der Umgestaltung der alten Friedhofareals zur Sportanlage stiess man auf Schädel und Knochen.
Bau der Abdankungshalle, 1937
Seit den frühen 1930er Jahren erwog die Gesundheitskommission den Bau einer Abdankungshalle auf dem Friedhof. Anlass hiezu gab besonders die Feststellung, dass die stillen Bestattungen mit Abdankungen in der Kirche oder im Trauerhaus mehr und mehr überhandnahmen. Kleine Leichengeleite fühlten sich in der grossen Kirche verlassen. Dazu kam, dass die Kirche im Winter auch für wenig Leute geheizt werden musste. Eine Abdankungshalle auf dem Friedhof konnte bei manchen Bestattungen zudem die langen Wege vom Trauerhaus zur Kirche und von da zum Friedhof ersparen.
Am 21. Dezember 1936 stimmte die Gemeindeversammlung dem mit dem ersten Preis ausgezeichneten Projekt des jungen Wädenswiler Architekten
Heinrich Kübler (1908–1968) zu. Im Februar 1937 war Baubeginn. Die Einweihung der Abdankungshalle – die Zeitgenossen nannten sie nicht Friedhofkapelle – fand am 6. November 1937 statt. Anlässlich der Gesamtrestaurierung im Jahre 1988 baute die Firma Th. Kuhn in Männedorf eine neue Orgel ein.
Abdankungshalle, erbaut 1937.
Leichengeleite
1876 schaffte die Gemeinde Wädenswil einen ersten Leichenwagen an, wodurch das mühsame Tragen der Särge wegfiel. Gemäss Friedhofverordnung von 1932 kam für einspännige Leichentransporte innerhalb der Gemeinde der öffentliche Haushalt auf. Nachdem während einer Reihe von Jahren der Leichenwagen mit zwei Pferden bespannt worden war, damit man im Winter die steile Schönenbergstrasse hinaufkam, wurde die Verordnung dahingehend geändert, dass vom 1. Januar 1942 an auch solche Mehrkosten von der Gemeindekasse getragen wurden. Das letzte Leichengeleite mit Pferdezug fand im Dezember 1963 statt.
Leichenzug an der Bürglistrasse.
1944–1954: Umgestaltung des Nordteils des Friedhofs
In den Jahren 1944, 1951 und 1954 wurde etappenweise der 1918 angelegte Nordteil des Friedhofs – das Areal zwischen Schönenbergstrasse, Neuguetstrasse und Grenzmauer beim Abdankungshalle-Vorplatz – erneuert und gestalterisch in die Gesamtanlage einbezogen.
Plastik «Engel» von Emilio Stanzani.
Nach Abschluss der in zwei Etappen ausgeführten Friedhoferweiterung Ost standen auf dem 21‘250 Quadratmeter grossen Wädenswiler Friedhof 3630 Gräber zur Verfügung.
1959: Renovation des Leichenhauses
1959 wurde das aus dem Jahre 1910 stammende Leichenhaus auf dem Friedhof umgebaut und renoviert. Der Aufbahrungsort für die Särge wurde unterteilt; gleichzeitig hob man den Sezierraum auf und gestaltete ihn zu einem Vorraum um. Den seit Jahren unbenützten Toilettenraum schlug man zum Geräteraum des Friedhofgärtners, der in der Nordostecke des Hauses zusätzlich ein kleines Büro erhielt.
Verordnungen über das Bestattungs- und Friedhofwesen
Die Vorschriften für das Bestattungswesen der Gemeinde Wädenswil wurden erstmals in Reglementen von 1887 und 1890 erfasst. Revisionen erfolgten 1910 – nach der Schaffung des neuen Friedhofs – und 1932. Da Gebührennormen und andere Bestimmungen den Verhältnissen nicht mehr entsprachen, erneuerte die Gesundheitskommission die Friedhofverordnung abermals. Sie trat 1960 in Kraft. Eine weitere Anpassung wurde 1971 nötig, als die Gemeinde für den Unterhalt des Friedhofs den Regiebetrieb einführte.
1963: Umgestaltung des Friedhofs im Altteil Süd
1963 beschloss die Gemeindeversammlung die Umgestaltung des Altteils Süd, wo von 1932 bis 1942 bestattet worden war. Gartenarchitekt Hans Fischer, Wädenswil, bezog nun auch diesen von der Abdankungshalle her südlich ansteigenden Sektor harmonisch in die Gesamtanlage ein.
1961 und 1968 beschlossen die Stimmberechtigten, von Jean Brändli, Baumgarten, 5090 Quadratmeter Land für eine spätere Erweiterung des Friedhofs zu erwerben. Diese Landkäufe erlaubten es, 1970/71 den Friedhof auf seine endgültige Gestalt zu arrondieren, mit neuen Begrenzungen durch Eichweidstrasse und Zehntenweg. Die Planung wurde den Gartenarchitekten Hans und
Gerold Fischer übertragen, welche den Friedhof nun im Sinne einer überzeugenden Gesamtgestaltung erweiterten. Neu entstand ein Zugang von der Eichweidstrasse her, mit Tor und 1971 von den Friedhofgestaltern geschenkter Glocke. 1974 wurden als weiterer Schmuck an der Nordwestseite der Eingangshalle Eichweidstrasse sowie beim Treppenaufgang zum Erweiterungsteil Süd farbige Wandkeramiken mit pflanzlichen Ornamenten angebracht: Werke der Künstlerin Maja von Rotz.
Nach der Arrondierung von 1970/71 verfügte der Friedhof Wädenswil über eine totale Grundfläche von 25‘429 Quadratmetern sowie eine neu erstellte Urnenwand mit 59 Nischen und bot Platz für 4448 Gräber, die sich wie folgt verteilten: Nordteil 1788, Ostteil 1069, Wiederbelegung Süd 673, Erweiterung Süd 918.
Plastik von Maja von Rotz.
Einführung des Regiebetriebs
Mit dem Endausbau des Friedhofs war die Betreuung und Überwachung einem nebenamtlich angestellten Friedhofgärtner nicht mehr länger zuzumuten. Die halbwegs privatwirtschaftliche Führung des Friedhofs wurde daher durch einen Gemeinde-Regiebetrieb abgelöst. Die Weisung an die Gemeindeversammlung vom 26. Januar 1971 rechnete mit folgendem Personalbestand: ein Friedhofgärtner, ein gelernter Gärtner, zwei Hilfsgärtner, ein Gartenarbeiter.
Für den neuen Regiebetrieb baute man 1970/71 auf dem Friedhof ein Dienst- und Werkgebäude. Der Sicht vom Friedhof aus grösstenteils entzogen, ist es sowohl von der Waisenhausstrasse wie auch vom Friedhof aus gut zugänglich. Es umfasst neben Arbeits- und Aufenthaltsraum für das Gärtnerei- und Bestattungspersonal einen Werkstatt- und Geräteraum für Handgeräte und Gartenmaschinen.
Entwicklung seit 1974
1971 hatte der Wädenswiler Friedhof sein heutiges Ausmass und Aussehen erhalten. Seither wurden neue Urnennischen geschaffen. Der Friedhof teil Nord von 1958 erfuhr 1983/84 eine andere Gestaltung – mit künstlerischem Schmuck «Torso» des Wädenswiler Bildhauers
Urs Burkhardt – und von der Schönenbergstrasse her wurde ein neuer Eingang erstellt.
Eine 1986 abgeschlossene Studie für die optimale Nutzung des Friedhofgeländes kam zum Schluss, dass bis über das Jahr 2000 hinaus kein zusätzliches Land beansprucht werden muss, sofern die Altteile zeitgerecht erneuert werden. In diesem Sinne beschloss der Gemeinderat 1989 die erste Etappe einer Neugestaltung des Friedhof teils Ost von 1957/58. Für die Neubelegung des mittleren Teils erarbeitete Gerold Fischer, dem man die heutige gute und moderne Wirkung des Wädenswiler Friedhofs im Wesentlichen verdankt, 1993 ein Projekt.