Im Jahre 1896 schrieb der Geograph Hermann Walser vom Gelände des ehemaligen Beichlensees: «Heute dehnt sich dort an der Stelle ein Torfmoor aus, welches auf Grundmoränen liegt und von allen Seiten von auftauchenden und wieder verschwindenden Wallmoränen begrenzt wird. Der Torfgrund ist sonderbar gewellt. Die tiefen Stellen sind offenbar Zeugen einer früheren lebhaften Torfausbeutung. Im Frühling soll oft das ganze Moor unter Wasser stehen.» Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts schenkten namentlich Botaniker dem Beichlenried grosse Aufmerksamkeit. Professor J. Früh, Mitverfasser des 1904 erschienenen berühmten Standardwerks «Die Moore der Schweiz», hatte das Beichlenried am 1. Juli 1894 besucht und dessen Flora registriert. Auf dem Moor, das er auf 16 ha schätzte, stellte er 68 Arten von Blütenpflanzen fest. Am Südwestrand waren Torfschichten von 1,7 m Mächtigkeit erhalten; sie enthielten fossile Reste von Erlen. «Mehrere alte bis verlassene Torfhütten und grosse Verlandungsflächen deuten auf ein früheres viel höheres Moor», hielt der Forscher damals fest.
Von 1914 bis 1943 − dem Jahr der Melioration − hielt sich auch Walter Höhn jährlich zu Forschungszwecken im Beichlenried auf. Denn verglichen mit allen übrigen Mooren der Herrschaft Wädenswil war es das weitaus reichhaltigste an Pflanzen, Tieren und verschiedenartigen Lebensformen. 156 verschiedene Arten von Blütenpflanzen und 18 Moosarten liessen sich hier nachweisen; hinzu gestellte sich eine überreiche Sumpf- und Wassertierwelt. Doch lassen wir Walter Höhn selber berichten:
«Wer das Beichlenried schon in der Zeit von Mitte April bis Mitte Mai besuchte, durfte sich einer farbenfrohen Frühlingsflora erfreuen, die auf den noch vom Winter gebräunten Kurzrasen erblühte. Die Grabenränder trugen einen reichen Schmuck von orange gefärbten Sträussen der Sumpfdotterblume. Weiss leuchtende Gruppen des eisenhutblättrigen Hahnenfusses trugen ein voralpines Florelement in diese Frühlingslandschaft. In regellosem Gemisch entsprossten Hunderte von weissen Windröschen und gelbe Schlüsselblumen dem Riedboden. Glänzend grüne Triebe der Herbstzeitlosen waren über die ganze Riedfläche verteilt. Weithin leuchteten die purpurnen Blütentrauben von zwei Knabenkräutern. In den niedern Riedgrasen und Moospolstern verbarg sich noch eine kleinwüchsige Frühlingsflora: das hellblaue behaarte Veilchen, das lilafarbige Kreuzblümchen und das insektenfangende Fettkraut ...
Es war Hochsommerzeit (1914), und die Moorflora stand im Maximum ihrer Entwicklung. Der erste Blick ins Moorzentrum nahm den Beschauer völlig gefangen; denn aus einem grossen Torftümpel leuchteten ihm wohl ein Dutzend weisse Seerosen entgegen, als letzte lebendige Zeugen des einstigen Beichlensees. Jeder der zahlreichen Torfstiche stellte in seiner Gesamtheit eine vielgestaltige Lebensgemeinschaft von Pflanzen und Tieren dar. Sie veranschaulichten auch den klassischen Vorgang eines Verlandungsprozesses. Hier bot sich dem Naturfreund ein Bild des Kampfes ums Dasein unter den Gewächsen ... Als Hauptverlander traten Schilf und Gross-Seggen auf. Die letztgenannten schufen im westlichen Teil des Riedes weitflächige, trügerische Schwingrasen ohne festen Untergrund. Dicht geschlossene Gruppen von Rohrkolben überragten diese Seggenbüsche.
Gehölze spielten im Beichlenried keine grosse Rolle. Eine Gruppe von hochgewachsenen Schwarzerlen, vereint mit Ohrweiden und Birken, begleiteten den grossen Abzugsgraben. Einjährige, rutenförmige Schosse des Faulbaumes entwickelten sich in grosser Zahl in den wirtschaftlich genutzten und regelmässig gemähten Riedteilen ... In den gelbbraunen Riedwiesen verbarg sich der gleichgefärbte Feldhase. Vorüberziehende Stockenten wurden von den spiegelnden Torftümpeln angelockt. Zu regelmässigen Moorbesuchern gehörten Gold- und Grauammern, Distelfinken und Bachstelzen, Teichrohrsänger und als Bodenbrüter die Rohrammer. Dutzende von kleinen Gründlingen belebten das Wasser der Moorgräben. Reichlich war das Geschlecht der Lurche vertreten: Alpen- und Teichmolch, Gelbbauchunke und Geburtshelferkröte, Erd- und Kreuzkröte. Von Reptilien traf man bisweilen die Ringelnatter und die Bergeidechse. Von Schnecken und Muscheln waren alle Arten vorhanden, in lebendem Zustande, wie wir sie fossil in der Seekreide des Beichlensees getroffen hatten. Die Moortümpel waren von einer riesigen Zahl von Wasserinsekten belebt. Die mikroskopische Durchforschung der Riedtümpel ergab mehr als hundert Arten von einzelligen Lebewesen, Algen und Urtierchen.» So schrieb Walter Höhn 1977 in seinen «Erinnerungen an den Beichlensee und das Beichlenried im Wädenswilerberg».
Warum ist das Beichlenried mit seiner reichen Pflanzen-und Tierwelt nicht unter Naturschutz gestellt worden? Von privater Seite wurde zu Beginn der 1940er Jahre der Versuch unternommen. Die Not der Zeit liess den Plan jedoch scheitern. Durch Hitlers und Mussolinis Truppen vom Ausland abgeriegelt, befand sich die Schweiz damals − während des Zweiten Weltkriegs − in einer kritischen Versorgungslage. Der Kampf ums tägliche Brot war dringender als die Anliegen des Naturschutzes. Auf Initiative von Bundesrat F. T. Wahlen wurden die schweizerischen Landwirte zum Mehranbau verpflichtet. Dafür musste mehr Kulturland zur Verfügung stehen. Waldrodungen kamen nicht in Frage, doch liessen sich Riede und Moore − als am wenigsten wertvolles Land − kultivieren. Eidgenössische und kantonale Instanzen regten die Gründung von Meliorationsgenossenschaften an, denen nun die Aufgabe zufiel, Riedboden in Ackerland umzuwandeln.
Im Januar 1943 nahm die Meliorationsgenossenschaft Beichlen die ersten Sondiergrabungen auf. Man baute einen hölzernen Entwässerungskanal und verlegte Drainageröhren. Im Sommer 1945 war das auch von der Gemeinde Wädenswil unterstützte Meliorationswerk abgeschlossen, die dringend benötigte Anbaufläche geschaffen, das Beichlenried aber für alle Zeiten vernichtet.