Eine Umfrage in zwei Sekundarschulklassen während einer Woche
«Am Morgen gab es Milchkaffee mit "Möcke", am Abend zur Abwechslung "Möcke" mit Milchkaffee» oder «Uus und Aame, d Pfanne hät es Loch, de Schmutz isch useggloffe, jez hämer d Röschti troch!»
Zu meiner Bubenzeit war ein kleines Kind gesund, wenn es dicke, rote «Bäggli» hatte. Während den Jahren des Zweiten Weltkrieges tischte meine Mutter einfache, aber währschafte Kost auf. Im Garten wurden Kartoffeln, Gemüse und Beeren angebaut; letztere für möglichst dicke, süsse Konfitüren. Pünktlich um 7 Uhr gab es Brot, Butter (100 Gramm pro Woche für vier Personen), Confi und Milchkaffee. Mittag- und Abendessen wurden mit einer nahrhaften Suppe eingeleitet. Fleisch gab es zweimal pro Woche, Bratwürste wurden genau geteilt. Kutteln, Kalbskopf, Grick, Leber, Lungemues waren die (verhassten) Fleischgerichte, aber eben «zwee Löffel voll, hindere und abe mit!» Meine Mutter brachte es aber − in einem bürgerlichen Haushalt − doch fertig, uns gesund und abwechslungsreich zu ernähren. Sie stand sicher sechs Stunden pro Tag in der Küche (1946).
Diese Erinnerungen bewogen mich, in zwei Sekundarklassen in Wädenswil nach der heutigen Ernährung − nach Speisezettel und Essgewohnheiten − zu fragen. Hans Zbinden, Hauptlehrer der Klassen, führte die Umfragen mittels Tabellen während einer Woche exakt durch. Dazu schrieb jeder Schüler einen Vers über seine Lieblingsspeise und illustrierte ihn mit Skizzen.
Aus einer Diskussion wurde klar, dass viele, nämlich 40 Prozent, sehr kalorien- und vitaminbewusst essen (müssen?). Der Geographie- und der Geschichtsunterricht spiegeln sich in den Antworten: «Die Armen in der Dritten Welt haben zu wenig, wir brauchen zu viel.» 17 Prozent der Schüler sind figurbewusst, wollen sportlich und fit sein. Andere mögen gepflegtes Essen und Trinken; eine Minderheit hat stets einen Bärenhunger und kümmert sich nicht um die «schlanke Linie».
Und nun zur Auswertung der jetzt in der Bibliothek des Ortsmuseums aufbewahrten Fragebogen von rund 45 Schülern. Alle sozialen Schichten sind vertreten. Die Ausländer sind hier aufgewachsen und angeblich «integriert». Wir haben Folgendes aufgezeichnet: