An Naturbächen greifen sogar drei verschiedene Lebensräume ineinander: Wasserlebewesen können autonom sein oder aber in das benachbarte Biotop der Uferpflanzen und -tiere übergreifen. Diese letzteren wiederum stehen in Kontakt mit den Baum- und Strauchbiotopen. Je nach Lage – ob sonnig oder schattig-feucht – finden hier unterschiedliche Arten ihren Lebensraum.
Die Riedwiesen sind von Bedeutung für den Ausgleich der Wasserführung, bieten aber auch in den Jahreszeiten ihre spezifischen Blumenreize an. Im Spätwinter folgt dem Gelb der Primeln und Sumpfdotterblumen das Weiss der Buschwindröschen. Eine Vielfalt von einigen Hundert verschiedener Arten von Gräsern, Seggen und Blütenpflanzen prägt das sommerliche Bild. Der braune Farbton der Rieder im Herbst wird vor allem durch das Pfeifengras (Molinia) verursacht. Hier hinein schleicht sich der beinahe wehmütig stimmende violette Abschiedsgruss der Herbstzeitlosen.
Die Rieder in Seenähe sind charakteristisch durch das Wuchern von Schilfröhricht, Gross-Seggen und Hochstauden. Als Höhepunkt gelten aber die Blütezeiten der blauen sibirischen Schwertlilie und der gelben Schwertlilie. Später erscheinen die blauroten Knabenkräuter, der Wiesenknopf, der kantige Lauch, die Rüsterstaude und der Wasserdost. Gilbweiderich, Blutweiderich, Kopfbinse und zarte Schnabelbinse wetteifern um einen Platz, dies zusammen mit vielen anderen Blütenpflanzen.
Die Rieder der mittleren Höhenstufen weisen da und dort voralpine Pflanzen auf, wie Schwalbenwurzenzian, Weisser Germer und Fieberklee. Angrenzend an die Fettmatten dominieren die nahrungsliebenden Hochstauden, die Labkräuter, Kohldisteln und Rüsterstauden. Im Reservat Untermosen der Sekundarschule Wädenswil haben über 30 verschiedene Gräser und mehr als 20 Sumpf- und Kleinseggen ihren Standort. Von Ende Mai bis August blühen hier sieben Vertreter der wildwachsenden Orchidaceen, darunter die seltene wohlriechende Handwurz und die Sumpfwurz. Die Farbpalette dieser Rieder präsentiert sich am buntesten im Juni bis August. In verschiedenen Blautönen und Düften locken Skabiosen, Glockenblumen und Schwalbenwurzenzian die Insekten an. Rot leuchtet auf in Nelken, Tausendguldenkraut, Flockenblumen und Blutweiderich. Das Gelb ist reichlich vertreten in Gilbweiderich, Ruhrwurz, Liliensimse, Habichtskräutern, Sumpfpippau und Klappertopf. Von den Weissblühenden seien nur Baldrian und Studentenröschen erwähnt.
Wieder anders sehen die Rieder der obersten Stufe bei Sennhuus und Gerensteg aus. Als voralpine Florenvertreter sind hier Alpenhaarbinse, Weisser Germer, Blauer und Gelber Eisenhut, Fettkraut und Fieberklee vorhanden. Freiland-Orchidaceen in ansehnlicher Zahl schmücken die Rieder, darunter an einem einzigen Standort noch das seltene Einorchis (Herminium). Als Juwel unter dem vielen Schönen gilt aber der mit einem beglückenden Blau ausgestattete Lungenenzian. Schliesslich kämpfen auch noch letzte Relikte von Hochmoorpflanzen wie Sonnentau, Wollgras und Torfmoose um ihr Daseinsrecht.
Um die Artenvielfalt dieser Rieder zu sichern, haben Düngung, Auffüllung und Drainage strikte zu unterbleiben. Auch ist nur späte Mahd im September erlaubt. Dies, damit die Pflanzen sich versamen können.
In ökologischer Betrachtung wenig erfreulich bieten sich heutzutage die intensiv land- und forstwirtschaftlich bewirtschafteten Flächen dar. Die sehr frühe Heumahd verhindert das Blühen der Pflanzen, was den Bienen, Schmetterlingen und andern Insekten die Nahrungsgrundlage wegnimmt. Intensive Wiesendüngung reduziert die Pflanzenzahl einer Naturwiese von über 50 Arten auf das knappe Dutzend Arten der Kunstwiese. Mit Gülle überdüngte Matten erreichen sogar den Charakter einer sehr einseitig zusammengesetzten Hahnenfuss- und Kerbelgesellschaft.
Den bunten Trespen, Zittergräsern, Margriten, Kuckuckslichtnelken, Schmetterlingsblütlern und Wiesensalbeien nachzutrauern, ist wenig hilfreich. Die Frage ist aber gestellt, ob die verschwundenen Biotope solcher Blumenwiesen wirklich entbehrlich sind.