Noch heute wollen es die Gesetze, dass der Bund, ausser den Eidgenössischen Hochschulen, keine Schulen selbst verwaltet. Auf der Suche nach einer vernünftigen Rechtsform für das Wädenswiler Ausbildungszentrum wurde nach dem Willen aller deutschsprachigen Kantone das Konkordat gewählt. Im Jahre 1976 konnte dann das Konkordat betreffend Technikum für Obst-, Wein- und Gartenbau gegründet werden, dem die Kantone im Einzugsbereich der Schule, der Bund und die Wirtschaftskreise angehören. Nach dem Konkordatstext hat die Ingenieurschule Wädenswil die Aus- und Weiterbildung von Fachleuten für die Spezialzweige der Urproduktion, wie vor allem Obstbau, Rebbau und Gartenbau, sowie für die Verarbeitungs- und Veredlungswirtschaft anzubieten. Organisatorisch wurden drei Ausbildungsstufen gebildet, nämlich die folgenden:
- Ingenieurstufe: Ausbildung zum Ingenieur HTL der Fachrichtungen Obstbau/Rebbau, Obstverwertung/Weinbereitung oder Gartenbau. Dieses Studium dauert drei volle Jahre. Gegenwärtig sind auf dieser Stufe rund 80 Studenten immatrikuliert.
- Lehrlingsstufe: Lehrbegleitender Unterricht in Blockkursen bis und mit der Lehrabschlussprüfung für die Berufe Obstbauer, Obstverwerter, Winzer, Weinküfer/Holzküfer, Gemüsegärtner, Konserven- und Tiefkühltechnologen. Dieser Unterricht wird mit einer Gesamtdauer von 27 Wochen, verteilt auf die Lehrzeit von drei Jahren, angeboten. Gegenwärtig bestehen in den erwähnten Berufen rund 300 Lehrverhältnisse. Da die Gruppen in den einzelnen Kantonen für eine zweckmässige Schulung in den regionalen Gewerbeschulen zu gering waren, werden eben alle zentral in Wädenswil ausgebildet.
- Weiterbildungsstufe: Diverse Kurse für die Vertiefung und Ergänzung der Fachkenntnisse im Sinne einer «Formation permanente». Rund 15 Kurse mit unterschiedlicher Dauer, von eintägigen bis vierwöchigen Veranstaltungen, werden jährlich von über 1000 Personen besucht.
Bei der Erarbeitung der Konzepte für die Schulanlage im Grüntal musste dieser sehr vielseitige Aufbau der Ingenieurschule Wädenswil angemessen berücksichtigt werden. Jede Berufsausbildung verlangt heute etwas mehr als nur die Ausbildung «am Trockenen», das heisst im Schulzimmer. Sie fordert zusätzlich Übungs- und Werkräume, sei es für Demonstrationen, Übungen, Semester- oder Diplomarbeiten. So wie zum Beispiel der Chemielaborant bestimmte Übungen im Labor ausführen muss, so verlangen auch der Winzer, der Gemüsegärtner, der Weinküfer und alle weiteren ihre praxisnahe Ausbildung.
Mit dem Wachsen der Schule und den neuen Anforderungen an die Qualität der Ausbildung vermochten bei allem guten Willen vonseiten der Stadt Wädenswil, der Forschungsanstalt und den eigenen Mitarbeitern die Räume im Stadtzentrum nicht mehr zu genügen. Vor allem die sehr notwendigen Übungs- und Nebenräume fehlten fas vollständig. Mit der Übernahme und dem Aufbau des Lehrbetriebes auf der Halbinsel Au konnte der Sektor Rebbau/Weinbereitung wesentlich ausgebaut werden. Als die kantonale landwirtschaftliche Schule Grüntal den Betrieb allmählich mangels Schülerfrequenzen einstellen musste, konnte unsere Schule den Betrieb Grüntal, da heisst die bestehenden Gebäude und rund 100‘000 Quasdratmeter Land, im Jahre 1964 übernehmen. In den 70er Jahren endstanden die ersten Baupläne, und 1978 gab Bundesrat Dr. Fritz Honegger grünes Licht für die Bearbeitung unsere Anliegens auf eidgenössischer Ebene Die Regelungen bezüglich Finanzierung, die Bearbeitung von Plänen un Verträgen beanspruchten nochmal drei Jahre. Die eigentliche Bauzeit dauerte nur etwas mehr als drei Jahre. Nun steht die ganze Anlage da. Ein Bauvolumen von über 55‘000 Quadratmetern, verteilt auf mehr als 20‘000 Quadratmeter Bauland wird etwas mehr als 30 Millionen Franken kosten. Es ist von der Architektur her gesehen ein etwas eigenwilliges Werk. Die Innenräume der Gebäude hingegen sind in jeder Beziehung sehr zweckmässig, zeitgemäss, studenten- und mitarbeiterfreundlich gestaltet. Auch organisatorisch entsprechen die Räume den Anforderungen für einen effizienten Schulbetrieb.