Dazu trugen sie schwarze Strümpfe und schwarze hohe oder halbhohe Schuhe. Die Burschen wurden erstmals in ihrem Leben in einen schwarzen oder dunklen Anzug gekleidet, bestehend aus langen, engen «Röhrlihosen und Tschööpli» und mit weissem Hemd, schwarzer Krawatte, «Göggs» (schwarzer Filzhut) und schwarzem Stöcklein mit Silbergriff ausstaffiert.
Im Eidmattschulhaus wurden alle der Grösse nach in Zweierkolonne aufgestellt (Jakob Baumann, der spätere Tapezierermeister, war der zweitgrösste). Angeführt von den beiden grössten Burschen, gefolgt von den Pfarrern und den ebenfalls der Grösse nach eingereihten Mädchen, zogen sie durch den seeseitigen Eingang in die übervolle Kirche ein und setzten sich auf die in die Quergänge gestellten Bänke. Lustig und erheiternd sei gewesen, wie die Kleinsten am Schluss richtiggehend hätten in die Kirche hineinspringen müssen, da die Vordersten mit den langen Beinen das Schrittmass bestimmten.
Auf den Treppenaufgängen zu den Emporen sassen die Konfirmanden des nächsten Jahres, um einen Augenschein dessen zu nehmen, was auf sie zukommen werde.
In der ganzen Kirche herrschte eine ernste und feierliche Stimmung. Die Konfirmanden selbst waren voll innerer Erwartung und Spannung. Nach der Predigt − die uns leider nicht überliefert ist, da die Konfirmationspredigten erst seit 1919 gedruckt werden −, dem Gebet und dem gemeinsamen Ja, mit dem sich die jungen Christen verpflichteten, den aufgezeigten Weg zu gehen, wurden sie durch Handschlag als erwachsene Glieder in die Gemeinde aufgenommen und dazu ermächtigt, am Abendmahl teilzunehmen.
Die Ergriffenheit und innere Rührung vor allem bei den Mädchen, wenn sie am Taufstein standen, war so überwältigend, dass fast alle Tränen in den Augen hatten, schluchzten oder gar weinten. Fast jedes habe nachher «es verschroues Nastuech ghaa», einige hätten gar «schaurig gschroue» und damit die andern und die in der Kirche sitzenden Mütter angesteckt. Vermutlich vermischte sich in diesem Weinen die Lösung der inneren Spannung mit dem schmerzvollen Abschied von der Kindheit, der für die meisten auch ein Abschied vom Elternhaus und ein Wegziehen in die Fremde bedeutete.
Nach dem Gottesdienst zogen die Konfirmanden − eine gemeinsame Fotografie gab es damals noch nicht − ins Pfarrhaus hinüber, wo ihnen die Gedenkblätter mit dem Spruch ausgehändigt wurden. Diesen Konfirmandenspruch habe man «z Eere zoge», ihn eingerahmt und dann über dem Bett aufgehängt. Er sollte einen im Leben begleiten.