Der Rebberg Halbinsel Au soll vor allem ein Anschauungsobjekt für den Praktiker sein. Darum wurden viele Demonstrationsparzellen angelegt. Im Anlagebau sind Stickelbau, normale Drahtanlage und Weitraumanlage sowie Terrassenbau vertreten. Die normalen Drahtanlagen werden heute alle auf 2,0 Meter Reihenabstand gepflanzt. Der Stockabstand beträgt entweder 1,2 Meter bei der Doppelerziehung oder 0,9 Meter bei der Einfacherziehung. Im Bereich Anlagebau sind alle heute gängigen Materialien für die Unterstützung in verschiedenen Anlagen eingebaut. Bei den Schnittsystemen finden wir neben der normalen Doppelbogenerziehung auch den einfachen Bogen, den Doppelstrecker, den einfachen Strecker, den doppelten Cordon, den einfachen Cordon, die Fuseau-Erziehung, den Zapfenschnitt und den Rundbogen am Stickel, die Umkehrerziehung, eine Lenz-Moser-Art und die offene Laier nach Carbonneau. Die Umkehrerziehung wird vor allem für den Hobbyrebbau noch weiter entwickelt.
Speziell im Herbst ist die Sortensammlung eine wichtige Demonstrationsparzelle für den Unterricht und für Kurse. Im Laufe des Rebjahres werden verschiedene Geräte und Materialien für die Bewirtschaftung der Reben gezeigt. Am deutlichsten sieht man dies im Herbst mit den verschiedenen Vogelschutzmöglichkeiten. Es werden aber auch alle auf dem Markt verfügbaren Scheren für den Rebschnitt demonstriert, alle Anbindmöglichkeiten verwendet oder verschiedene Geräte miteinander verglichen.
Traditionell wurden vor allem Klonversuche angelegt. Dabei standen die Sorten Pinot Gris, Gewürztraminer und Blau-burgunder im Vordergrund. Die dabei entstandenen SOW-Klone sind immer noch in den Versuchen enthalten. Daneben wurden verschiedene Unterstützungsmaterialien und Imprägnierungsverfahren von Holzpfählen miteinander verglichen. Einer dieser Versuche dauerte 24 Jahre und endete 1992.
1989 wurde ein neuer, schachbrettartig verteilter Klonenversuch mit sechs lockerbeerigen Blauburgunderklonen angelegt. Die Trauben werden ab 1995 separat vinifiziert und degustativ verglichen. Dazu kamen 1993 nochmals zwei Blauburgunderklone. Geplant ist, diesen Versuch 1995 mit zwei neuen Klonen zu ergänzen.
1991 konnte ein neues Tiefbodenbearbeitungsgerät getestet werden, dessen Resultate in verschiedenen Semester- und Diplomarbeiten ausgewertet wurden. Ebenfalls mit einer Diplomarbeit versuchte man, die Unterstockpflege zu optimieren. Dabei steht die gelenkte Unterstockbegrünung im Vordergrund. Diese ökologisch optimalste Möglichkeit der Unterstockbodenpflege verlangt die Definition einer Unkrauttoleranz bezüglich der Leistung der Rebe und der Qualität des Traubengutes. Nach den ersten Jahren dieses Versuches zeigt sich, dass als einziger beschränkender Faktor die Akzeptanz der Unordnung unter den Reben auftritt. Hier treffen ökologische und ästhetische Interessen hart aufeinander.
Seit 1986 ist der Rebbetrieb Halbinsel Au der integrierten Produktion angeschlossen. Daraus ergeben sich viele Impulse für die Anpassung der Kulturtechnik. So wird gegen den Traubenwickler mit der Verwirrungstechnik gearbeitet; man verbreitet und exportiert Raubmilben. Die Stickstoffdüngung wird sukzessive auf organische Materialien umgestellt. Seit 1993 werden keine mineralischen Stickstoffdünger mehr verwendet. Das durch die obligatorische Nutzung der Schilfbestände der Halbinsel Au anfallende organische Material wird im Rebberg als organischer Dünger eingesetzt.
Viele Anpassungen der Kulturtechnik zielen auf die betriebswirtschaftliche Optimierung ab. Zurzeit werden die Voraussetzungen geschaffen, dass in einigen Jahren gezielte Verfahrensvergleiche erarbeitet werden können. Dabei steht der Aufwand für die Stockpflege im Vordergrund. Im Moment werden zwei Anlagen auf die Cordon-Erziehung umgestellt. Dies würde ein tieferes mechanisches Vorschneiden erlauben. Mit beweglichen Drähten wird versucht, den Aufwand für das erste Einschlaufen zu verringern und mit dem maschinellen Einschlaufen zu vergleichen. Es ist geplant, verschiedene neue Techniken, wie Laubschneiden, Laubheften und Auslauben arbeitswirtschaftlich und betriebswirtschaftlich zu vergleichen. Die Parzelle M, welche 1992 mit vier mehltautoleranten Rebsorten bepflanzt wurde, wird als Versuchsparzelle für den extensiven Weinbau aufgebaut. Der Maschineneinsatz in dieser Parzelle beschränkt sich auf einen Durchgang mit dem Schlegelmulchgerät zur Zerkleinerung des Rebholzes in jeder zweiten Rebreihe und einen Durchgang mit dem Motormäher in jeder Rebgasse vor der Weinlese. Mit diesem Konzept kann der Arbeitsaufwand von heute 700 Std/ha auf gegen 300 Std/ha gesenkt werden.
Die Erträge schwanken zum Teil stark. 1990 wurde die Menge durch die in der Ostschweiz geltenden Mengenbegrenzungen von 700 g/m2 Blauburgunder und 900 g/m2- Riesling x Silvaner begrenzt. 1989 war der September feucht und warm. Darum entstanden vor allem bei den weissen Trauben grosse Fäulnisprobleme, was sich negativ auf den Ertrag auswirkte. 1986 verzeichnete die Halbinsel Au eine noch kaum erreichte Grossernte. Die restliche Ostschweiz erntete durchschnittliche Mengen. Im Vollertrag kann von den 4,3 Hektaren mit rund 35‘000 Kilogramm gerechnet werden. In den nächsten Jahren wird aber immer eine Fläche von mindestens 0,5 Hektaren brach liegen oder mit Jungreben bepflanzt sein. Das Jahr 1994 wird in die Geschichte eingehen. Ein sehr starker Hagelschlag hatte am 2. Juni bis zu 95 Prozent Schäden verursacht. Die verbleibenden Trauben wurden durch einen erneuten Hagelschlag am 6. August noch vollends zerstört, was zu einem totalen Ernteausfall führte.