Das Wort Garten heisst in seiner ursprünglichen Bedeutung «Zaun». Diese Vorstellung liegt uns heute fern. Doch weisen gerade die ländlichen Quellen immer wieder darauf hin, dass es einst darum ging, ein Stück Land von der genossenschaftlichen Flurnutzung auszunehmen und als Sondernutzungsgebiet zu erklären.
Im Hochmittelalter mehren sich die Angaben über den Gartenbau in unserem Land. So wird etwa in den Urkunden aus der Zeit um 1290 immer wieder vom Haus, der Hofstatt und dem dazugehörigen Garten gesprochen. Oft ist auch die Rede von Bohnen, Erbsen sowie von Bohnenzinsen. Um 1284 schuldeten die Altdorfer der Äbtissin von Zürich einen Gemüsezins. Bäuerliche Gärten gab es im 13., 14. und 15. Jahrhundert indessen nicht nur auf der Landschaft, sondern auch in den Städten, und zwar innerhalb wie ausserhalb der Mauern.
Entscheidende Anregungen erhielt der bäuerliche Garten vom italienischen Renaissancegarten. Ihn lernten schweizerische Kaufleute auf ihren Reisen in Italien kennen. Nach Hause zurückgekehrt, bauten einige von ihnen prächtige Palazzi mit den dazugehörigen Gärten. Manche Elemente des heutigen Bauerngartens gehen ebenso sehr auf den Renaissancegarten wie auf den Klostergarten zurück, nämlich die strenge Beet- und Wegeinteilung, die Einfassung mit Buchs, die Dreiteilung Gemüse, Gewürze und Blumen. Eine weitere Bereicherung brachten die Humanisten. Conrad Gessner beschreibt 1559 in seinem Buch «De hortis germaniae» bürgerliche und bäuerliche Gärten. Er war ausserdem − ähnlich wie der Luzerner Renward Cysat (1545 bis 1614) − bestrebt, neue Gemüse- und auch Blumensorten aus dem Ausland zu beziehen und zu kultivieren.
Die Gartenkenntnisse wurden vermehrt und verbreitet durch eine eigentliche Gartenliteratur. Zu nennen ist hier unter anderem «Der Pflantz-Gart» des Berners Daniel Rhagor, erschienen 1639. In dieser Garteneinleitung wird der Obst-, Kraut- und Weingarten behandelt. Um 1705 erschien in Basel die «Georgica Helvetica curiosa» von Emanuel König. Sie schildert im Einzelnen, wie der Garten anzulegen und der Boden zuzurüsten sei. Dazu kam um 1715 der «Eydgnössische Lustgarten» des Zürchers Johannes von Muralt. Dieser Autor gibt an, welche Gemüse, Gewürze und Blumen sich damals in unseren Gärten befanden: die Schwarzwurzel − sie war damals noch ziemlich selten −, sodann Borretsch, Salbei, Wallwurz, Violen, Pastinak, Artififi, Blauer Bocksbart, Kürbis, Stielmangold, Peterli, Lavendel, Estragon, Mönchsrhabarber, Fleischkraut, Tomate (neu) und das grosse Peterskraut. Von grösstem Einfluss auf die Gartenkultur war das Wirken der Ökonomen. Ihr Vorbild, der Musterbauer Keinjogg, hielt ganz besonders viel auf den Gartenbau, dem er ausserdem einen pädagogischen Zweck beimass. Im Garten konnten sich die Kinder auf den Landbau vorbereiten und ihre Erfahrungen sammeln. Wie die Wädenswiler Gärten aussahen, wissen wir aus dem Islerschen Plan von 1769.