Am 6. September 1936 wurde das hundertjährige Bestehen der Sekundarschule gefeiert. Jakob Eugster hatte eine Festschrift zusammengestellt, die über die Geschichte der Schule Auskunft gab. Johannes Schläpfer steuerte eine Zusammenstellung der Schüler von 1887 an bei. Er hielt auch die Festansprache bei den Eidmattschulhäusern – freilich unter dem Regenschirm – auf der Rednerkanzel. Doch vermochte er mit seinen interessanten, mit feinem Appenzellerhumor gewürzten Ausführungen die Zuhörer zu fesseln.
Die Grösse der Klassen schwankte in den verschiedenen Jahren. In der ersten Klasse waren es nach der Probezeit im Durchschnitt der zwanziger Jahre 32 Schüler, mit einem Maximum von 40 und einer Mindestzahl von 27 in einer einzelnen Klasse. Die zwei dritten Klassen zählten weniger Schüler, 22 im Durchschnitt. Es war eine schöne Arbeit in der dritten Klasse, nicht nur wegen der kleineren Schülerzahl. Die Schüler waren schon etwas reifer, die Stürme der Entwicklungszeit zum grossen Teil vorbei.
Die meisten Lehrer erteilten noch Unterricht an der Handelsschule des Kaufmännischen Vereins, der Gewerbeschule oder der Landwirtschaftlichen Winterschule, neben der interessanten Arbeit ein willkommener oder sogar notwendiger Zustupf zur Besoldung, die jährlich während der ganzen Zeit zwischen F. 8000.- und Fr. 8700.- betrug. Während der dreissiger Jahre erfolgte eine Reduktion wegen Krisenzeit, wen ich mich recht erinnere, waren es 5 Prozent. Mit mehreren Kindern reichte dieser Lohn nicht zur Befriedigung aller Bedürfnisse.
Hie und da werde ich gefragt: «Wie war es in jenen Jahren mit den Schülern?» Auch da gab es Unterschiede, Klassen, die grössere Schwierigkeiten boten als andere. Aber im ganzen war es nicht so schwierig, den Weg mit ihnen zu finden. Selbstverständlich gehörte hie und da ein besonderer Streich dazu. So verpestete einmal eine Stinkbombe das Zimmer. Es war eine Klasse, mit der ich sehr gut auskam, aber ich wusste auch, dass sie bei solchen Streichen sehr dicht hielt, wenn ich nach dem Täter fragte. Die folgende Stunde waren wir im Naturkundezimmer. Als die Schüler hereinkamen, erzeugte ich das Gas der Stinkbombe, Schwefelwasserstoff, in einer offenen Schale. Bald breitete sich der Geruch im Zimmer aus. Die Blicke einiger Schüler wandten sich einem Kameraden zu. Ich brauchte nur zu sagen: «Gib mir die Schachtel», und ich hatte den Sünder. Die Fenster liess ich geschlossen: «Etwas müsst ihr auch haben.»
Ein andermal ging von Zeit zu Zeit ein Lachen durch die Klasse. Ich griff nach der Krawatte, sie war in Ordnung, die Kleider auch . . . Da bemerkte ich, dass die Blicke über mich hinweggingen und wandte mich um . . . Eben verschwand ein Hampelmann aus Karton hinter der Wandtafel . . . Da muss doch irgendwo auch ein Faden sein? Richtig, er zog sich der Fensterreihe nach bis zur hintersten Bank, wo der «Mechaniker» sass.
Manchmal geriet es nicht, den Täter zu finden. Wenn der Streich wirklich ein Spass war, liess ich der Klasse gerne die Freunde und bemerkte nur: «Es war gut, aber jetzt ist’s genug.»
Es fiel mir 1942 nicht leicht, die Schule Wädenswil zu verlassen. Wir hatten uns gut eingelebt. Doch die grössere Aufgabe lockte.